Studentische Gremienwahlen: Was wird da eigentlich gewählt?

Der Wahl-Wal würde gerne gerettet werden. Wie? Ganz einfach: indem möglichst viele von euch zum Wählen gehen!

Es ist mal wieder so weit: am 8. und 9. Juli wird gewählt. Wahlplakate überall auf dem Campus und Mails, die einen zur Teilnahme an den studentischen Gremienwahlen aufrufen. Und dann sind da auch noch so komische Studenten, die einen in Vorlesungen zum Gang an die Urne überreden wollen. So ein Zirkus… Was soll das alles eigentlich?

Es gibt eine unglaubliche Vielzahl an verschiedenen Gremien, die auf unser tägliches Leben und unseren Studienalltag an der Uni Stuttgart Auswirkungen haben. Direkten Einfluss nehmen durch eine Wahl können wir Studis allerdings nur auf drei davon: Auf den Fakultätsrat, den Senat und das Studierendenparlament (auch bekannt als StuPa). Diese drei sind die wichtigsten Entscheidungsgremien an der Uni und dementsprechend wichtig ist es, dass auch wir Studierende dort vertreten sind. Was genau entschieden wird, ist allerdings etwas unterschiedlich. Damit ihr wisst, warum es wichtig ist, dass ihr an den Wahlen teilnehmt, will ich euch im Folgenden die Gremien und ihre Aufgaben kurz vorstellen.

Der Fakultätsrat

Fangen wir auf Fakultätsebene an, denn hier wählt jeder Studi die studentischen Vertreter seiner eigenen Fakultät. Der Fakultätsrat setzt sich aus allen Professoren sowie gewählten Mitarbeitern und Studierenden einer Fakultät zusammen. Je nach Fakultät sitzen 7 oder 9 studentische Vertreter in den Sitzungen, die während der Vorlesungszeit einmal monatlich stattfinden. Hier werden Dinge besprochen und entschieden, die in erster Linie die Fakultät betreffen. Dazu gehören unter anderem Berichte aus den Studienkommissionen, die Einrichtung von Berufungskommissionen für neue Professoren oder die Diskussion und Abstimmung über Prüfungsordnungen. Außerdem wählt der Fakultätsrat die Mitglieder von Zulassungs- und Prüfungsausschüssen sowie den Studienkommissionen – und hier wird unmittelbar über die Lehre entschieden, das betrifft also tatsächlich jeden von uns Studis direkt. Die gewählten studentischen Mitglieder bilden zusätzlich den Fachschaftsrat, der aus seiner Mitte heraus einen Vorsitzenden wählt, der Kraft Amtes Mitglied im Studierendenparlament ist.

Kurze Werbung in eigener Sache, falls sich zufällig E-Techniker unter euch befinden: Vor der Fachschaft liegen Wahl-ifes aus, in denen euch die Kandidaten der Elektrotechnik (auch für Senat und StuPa) vorgestellt werden! Und: geht wählen. Es kann nicht sein, dass die Wahlbeteiligung unserer Fakultät jedes Jahr so viel schlechter ist, als die der Luftis 😉

Der Senat

Informationen zur Wahl findet ihr z.B. in der neuen Ausgabe des FAUST-Magazins.

Informationen zur Wahl findet ihr z.B. in der neuen Ausgabe des FAUST-Magazins.

Der Senat ist das zentrale Gremium der Universität und seine studentischen Mitglieder werden von allen Studierenden direkt gewählt. Hier werden Entscheidungen getroffen, die die gesamte Uni betreffen. Neben den Mitgliedern des Rektorats sitzen hier Kraft Amtes die Dekane aller Fakultäten, einige Wahlprofessoren, gewählte Mitarbeiter aus dem akademischen Bereich sowie aus Technik und Verwaltung und außerdem 7 gewählte Studierende. Neben der finalen Abstimmung über alle Prüfungs- und Zulassungsordnungen der Uni und alle Vorschläge für Berufungen von Professoren werden auch viele andere wichtige Themen finanzieller oder struktureller Art beschlossen. Dazu kommen noch Dinge wie die Wahl der Mitglieder von Senatsausschüssen und anderen entscheidungsvorbereitenden Diskussions-Gremien. Der Senat ist außerdem das Gremium, das alle 6 Jahre den Rektor und den Verwaltungschef der Uni (Kanzler/-in) neu wählt.

Für den Senat gibt es in diesem Jahr drei Listen, die ihr wählen könnt: die „FaVeVe Fachschaftenliste“, die „Lebendige Volluniversität“ und „WIR für EUCH“.

Das Studierendenparlament

Das dritte Gremium, das jährlich neu gewählt wird, ist das noch relativ junge Studierendenparlament. Mit Wiedereinführung der verfassten Studierendenschaft (VS) durch die neugewählte grüne Landesregierung vor wenigen Jahren wurde die FaVeVe (Fachschafts-VertreterInnen-Versammlung) als Studierendenvertretung der Uni Stuttgart durch stuvus (Studierendenvertretung der Universität Stuttgart) abgelöst. Zum Charakter einer VS gehört unter anderem, dass die Arbeit der Studierendenvertretung nicht mehr wie bisher aus Steuergeldern finanziert wird, sondern alle Studierenden automatisch Mitglieder der Studierendenschaft werden und semesterweise eine Art Mitgliedsbeitrag zahlen. Diese Gelder werden für die Aufgaben der zentralen Studierendenvertretung, aber auch für die Arbeit der Fachschaften (z.B. Zuschüsse für Erstsemester-Einführungen oder Büromaterialien) genutzt. Das letzte Wort beim Ausgeben der Mittel hat das Studierendenparlament.

13 Kreuze darf man auf die Listen für das StuPa verteilen.

13 Kreuze darf man auf die Listen für das StuPa verteilen.

Wie setzt sich dieses Gremium nun zusammen? Das Studierendenparlament besteht aus 30 Mitgliedern, die ausschließlich eingeschriebene Studierende sind. Kraft Amtes sind die 7 gewählten Senatoren und außerdem die Fachschaftsrats-Vorsitzenden aller 10 Fakultäten Parlamentarier. Dadurch wird einerseits sichergestellt, dass im StuPa die Ansichten und Beschlüsse des Senats und der Fakultätsräte an die restlichen Studierendenvertreter kommuniziert werden können. Durch die Fachschaftsrats-Vorsitzenden wird außerdem dafür gesorgt, dass alle Fakultäten mit mindestens einem Mitglied im Parlament vertreten sind und somit, da diese wiederum innerhalb ihrer Fakultät vernetzt sind, alle Fachbereiche Gehör finden können. Die restlichen 13 Parlamentarier werden direkt von den Studierenden gewählt. In diesem Jahr könnt ihr Kandidaten der Listen „FaVeVe Fachschaftenliste“, „Aktive Studierende der Universität Stuttgart“ und „WIR für EUCH“ wählen.

Organigramm

Das Organigramm von stuvus – sieht erstmal kompliziert aus, ist es aber eigentlich nicht.

Die Aufgaben des Studierendenparlaments, das etwa einmal im Monat (teilweise auch in der vorlesungsfreien Zeit) mehrere Stunden tagt, sind vielfältig. Neben der Verwaltung und Verwendung eurer Beiträge diskutiert es strukturelle Angelegenheiten, verabschiedet Regelungen und Leitfäden, ist eine Austauschplattform für verschiedene Gremien und setzt Ausschüsse, Arbeitskreise etc. ein. Außerdem wählt es einen Vorstandsvorsitzenden und Referenten (ich bin z.B. aktuell noch Referentin für IT), die zusammen den Vorstand von stuvus bilden. In den verschiedenen Referaten, Ausschüssen und Arbeitskreisen wird dann die eigentliche Alltagsarbeit der Studierendenvertretung in Angriff genommen. Diese Arbeit wiederum wird im Rahmen der für alle offenen stuvus-Sitzungen (in der Regel am Donnerstagabend) auch zwischen den StuPa-Sitzungen besprochen.

Mein Herz schlägt für die FaVeVe!

Ich kann von mir nicht behaupten, dass ich unparteiisch wäre – dazu stand ich selbst zu häufig auf der Kandidatenliste der FaVeVe und bin zu überzeugt davon, dass „unsere“ Ziele die richtigen sind. Deshalb probier ich’s auch gar nicht erst. Insbesondere, da eine der anderen Senats-Listen inzwischen angefangen hat, den Wahlkampf in eine Art Schlammschlacht zu verwandeln (ich persönlich steh ja eher auf Wahlkampf, in dem ich mittels Argumenten überzeuge – nicht durch Schlechtmachen der Gegner…) und der FaVeVe negative Dinge zu unterstellen, die so nicht stimmen. Und da wir uns hier auf einem Blog befinden, ist das Einbringen meiner eigenen Meinung ja sogar ein bisschen Sinn der Sache. Wem meine Meinung nicht passt, der hat eben eine andere als ich und wird nicht gezwungen, den Rest des Artikels zu lesen. Schließlich leben wir hier nicht umsonst in einer Demokratie, in der Meinungsfreiheit (zumindest theoretisch) ein Grundrecht ist. Dem Rest von euch möchte ich einfach nur erklären, warum mein Herz nach wie vor für die Vertreterinnen und Vertreter der Fachschaften schlägt und ich überzeugt davon bin, dass man auf jeden Fall keinen Fehler macht, wenn man die Listen der FaVeVe wählt.

Die Kandidaten eurer Fachschaften für Senat und StuPa

Die Kandidaten eurer Fachschaften für Senat und StuPa

Ich habe drei Jahre als Vertreterin der FaVeVe im Senat verbracht, letztes Jahr war ich „altersbedingt“ nur noch im StuPa und dieses Jahr bin ich zum ersten Mal überhaupt nicht mehr als Kandidatin dabei. Wäre ich nicht überzeugt von den Zielen der FaVeVe, dann hätte ich mich nicht quasi mein gesamtes Studentenleben für diesen Verein engagiert 😉 Den größten Vorteil der FaVeVe sehe ich darin, dass wir durch den Austausch von Fachschaften aus allen Fakultäten und Fachkulturen die Anliegen und Bedürfnisse der Studierenden der gesamten Universität bestmöglich vertreten können. Klar, auf unseren Listen stehen nie Kandidaten aus jeder Fakultät, aber im Hintergrund sind wir vernetzt. Wenn es in einem Fachbereich Probleme gibt, dann setzen wir uns zusammen und die gewählten Vertreter tragen die Anliegen der anderen Studierenden in die passenden Gremien.

Wir setzen uns schon seit Jahren dafür ein, dass sich an unserer eher technisch geprägten Universität alle Fachkulturen wohl fühlen und wir unserem Status aus Volluniversität tatsächlich gerecht werden. Es wird uns von einer anderen Listen das genaue Gegenteil unterstellt und wenn ich ehrlich bin, ärgert mich das extrem. Genauso, dass der FaVeVe Sexismus unterstellt wird – was möglicherweise auch auf eine Aussage meinerseits im vergangenen Jahr bei der Aufstellung der Wahllisten zurück geht: „Frauen erreichen bei einer Wahl normalerweise ein mindestens ein oder zwei Plätze besseres Ergebnis, als der Listenplatz, von dem sie starten, weil sie in Vaihingen einen Boobie-Bonus haben“. Sorry, das hat nichts mit Sexismus zu tun, das ist schlichtweg meine persönliche Erfahrung aus den letzten Jahren. Und die kann man auch problemlos anhand der Listen und Ergebnisse nachprüfen 😉 Es ist ja nicht so, dass die FaVeVe das erfunden hat, es ist nunmal die (ein bisschen traurige) Realität an einer Uni mit großem Männerüberschuss. Und diese Realität erkenne auch ich als Frau an, sie als „dummes Geschwätz“ abzutun ändert da gar nichts daran.  Ach ja – und man sollte sich als Wähler auch ein bisschen darüber Gedanken machen, ob man Kandidaten wählen möchte, die im Rahmen des Wahlkampfs ihrer Senats-Liste die FaVeVe schlecht machen, sich aber gleichzeitig auf die StuPa-Liste der FaVeVe als Kandidat haben schreiben lassen… und ursprünglich wohl auf die FaVeVe-Senats-Liste wollten, aber da die Frist zur Einreichung der Kandidatur verpasst haben. Nicht, dass das Einhalten von Fristen für die Arbeit im Senat irgendwie wichtig wäre oder so…

Ziele der FaVeVe: Vielfalt der Fachkulturen und mehr Transparenz

Aber ich schweife zu stark ab, zurück zum Programm der FaVeVe. Wir stehen für mehr Transparenz innerhalb der Universität und haben diesbezüglich in den vergangenen Semestern viele Kämpfe mit der Universitätsleitung geführt. Die neuen Ersatzmittel für die bisherigen Qualitätssicherungsmittel, die wir in den letzten Jahren im Rahmen unserer Einflussmöglichkeiten zur Verbesserung der Lehre und der Studiensituation allgemein eingesetzt haben, wollen die Kandidaten der FaVeVe auch in der künftigen, aktuell noch sehr unsicheren Zeit so gerecht wie möglich verteilen. Vor allem wollen wir, dass von den Mitteln möglichst viel dort ankommt, wo es am nötigsten gebraucht wird: bei den Studienkommissionen und damit den Studierenden direkt. Im Studierendenparlament ist das Ziel schon von Beginn an, dass die Studierendenschaftsbeiträge, also das Geld von euch, sinnvoll ausgegeben werden und eine sinnvolle Höhe haben (weshalb der Beitrag auch schon von anfänglich 9 auf 7 Euro gesenkt wurde).

Plakate mit den Kandidaten findet man momentan überall auf dem Campus

Plakate mit den Kandidaten findet man momentan überall auf dem Campus

Auch die Transparenz ist uns wichtig. Deshalb findet man viele Dokumente inzwischen auf ILIAS und Sitzungen des Studierendenparlaments sind grundsätzlich öffentlich. In Zukunft sollen viele Inhalte und Beschlüsse auch noch einfacher für euch zugänglich sein. Meine Fachschaftskollegin Andrea, die für die FaVeVe das zweite Mal in den Senat möchte, hat sich das als neu vom StuPa gewählte Referentin für Presse und Öffentlichkeitsarbeit zur Aufgabe gemacht. Und, was nach wie vor unser Hauptanliegen ist: wir sind als Fachschaftler direkt an den Studierenden dran und profitieren davon, dass wir über die Beratung von Studierenden beinahe täglich mit den Problemen und Wünschen unserer Kommilitoninnen und Kommilitonen konfrontiert sind und versuchen, diese durch unsere über die Fachschaften bestehenden Kontakte zur Professorenschaft in verschiedenen Fachbereichen so gut und schnell es geht zu lösen 🙂

Jede Stimme ist wichtig!

Wem gehört die Uni? Dir! Bildnachweis: kallejipp / photocase.de

IHR seid die Uni – also helft mit eurer Stimme, sie zu gestalten!
Bildnachweis: kallejipp / photocase.de

Klar würde ich mich freuen, wenn möglichst viele von euch den Vertretern der Fachschaften eure Stimme schenkt. Aber wen auch immer ihr wählt: Hauptsache, ihr geht überhaupt wählen! Denn es geht um euch und die Personen, die euch gegenüber der Uni vertreten. Und diese Leute haben viel Einfluss auf euren Studienalltag – es sollte euch also nicht egal sein, wer da im Senat sitzt oder wer da im Fakultätsrat in eurem Namen abstimmt. Informiert euch deshalb und geht am 8. und 9. Juli zwischen 9 und 15 Uhr wählen! Wenn ihr nicht grad Punkt 13 Uhr kommt, dauert das auch gar nicht so lange.

 

Annika

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*