Kaviar, Erdbeeren und ein Eis

Alle Wege führen nach Rom - oder zur Gen- und Molekularküche.

Alle Wege führen nach Rom – oder zur Gen- und Molekularküche.

Unter dem Motto „Zukunftsstadt“ fand am Samstag, den 20. Juni 2015, der „Tag der Wissenschaft“ auf dem Campus Vaihingen statt. Trotz herbstlicher Temperaturen besuchten viele Schüler mit Eltern, Studieninteressierte und Studierende die Veranstaltung der Uni Stuttgart, um sich über die Forschung von morgen und die Möglichkeiten, selbst einen Teil dazu beizutragen, zu informieren. 

Nieselregen, 12 Grad und eine Traube von Menschen mit Regenschirmen, die um einen Stand versammelt stand und auf warmen Kaffee wartete. Ich machte mich mit der Hoffnung, sie im beheizten Inneren der Universität zu finden, als erstes auf den Weg in die Gen- und Molekularküche des Instituts für Biomaterialien und biomolekulare Systeme. Das klang irgendwie spannend.

Kaviar aus Wassermelonen, Nudeln zum Selberbasteln und die Gene einer Erdbeere

Bunte Nudeln zum Selbermachen. Gar nicht so einfach!

Bunte Nudeln zum Selbermachen. Gar nicht so einfach!

Dort angekommen wurde mir klar, dass ich nicht die einzige mit dieser Idee war. Aus einem vorgefertigten eingefärbten Teig konnte man sich hier seine eigenen Nudeln designen. Aufgezogen mit einer kleinen Spritze und abgegeben in kaltes Wasser sollten hier die buntesten Kreationen entstehen – was sich aber laut der Jungdesignerinnen als sehr schwierig entpuppte. Am anderen Ende des Raums faltete fleißig Groß und Klein: aus verschiedenen Papiervorlagen konnte sich jeder seinen eigenen „Lieblingsvirus“ basteln. Fingerspitzengefühl und Geduld waren gefragt, da überkam auch den ein oder anderen Papa die Begeisterung zum Schneiden, Falten und Zusammenkleben. Ich gesellte mich eine Weile zu den Kaviarproduzenten.

Rektor Prof. Dr. Ressel der Uni Stuttgart interessierten die Gene der Erdbeere.

Rektor Prof. Dr. Ressel der Uni Stuttgart interessierten die Gene der Erdbeere.

Aus Wassermelonen sollte hier das als sonst so dekadent geltende Nahrungsmittel hergestellt werden. Zum Schluss diente ich als Vorkosterin: tatsächlich hatte der Wassermelonen-Kaviar Ähnlichkeit mit dem bereits bekannten. Allerdings nicht ganz so salzig. Aber ganz schön cool: wer kann schon behaupten, er hätte schon mal Kaviar selbst gemacht? Bis ins kleinste Detail ging es bei der Betrachtung der Gene einer Erdbeere. Ziel war es, herauszufinden, ob in den Genen tatsächlich steht, dass Erdbeeren die Farbe Rot tragen. Das interessierte auch unseren Rektor, Prof. Dr. Ressel. Dieser war sich nämlich nicht zu schade, sich die Schürze umzubinden und sich selbst ein Bild zu machen.

Zauberei oder doch Physik?

Dr. Wolf Wölfel führte Groß und Klein spielerisch an die Physik heran.

Dr. Wolf Wölfel führte Groß und Klein spielerisch an die Physik heran.

Auch in diesem Jahr begeisterte der „Zauber-Physiker“ Dr. Wolf Wölfel die Besucher von der Bühne aus. Besonders für die Jüngsten galt seine Show „Physik oder Zauberei?“ als großartige Attraktion. So zeigte er zum Beispiel, wie man mit einem erhitzten, runden, länglichen Glas Musik machen kann und wie viele Luftballons in einen eiskalten Topf passen. Neben den vielen Angeboten, sich selbst an verschiedenen Arten der Wissenschaft zu versuchen, stellte der Tag der Wissenschaft auch für Studieninteressierte die Möglichkeit dar, sich über die Studiengänge zu informieren. Von der Chemie über die Fahrzeug- und Motorentechnik bis hin zur Medieninformatik ist im Standort Vaihingen alles möglich. Großes Interesse weckte nach wie vor der Studiengang Luft- und Raumfahrttechnik. Vor dem Infostand traf ich Marcel, 18 Jahre alt, gerade sein Abi in der Tasche. „Ich wollte schon immer Luft- und Raumfahrttechnik studieren“, sagte er. „Ich habe schon früher Modellbau gemacht und mich reizt die Zukunftorientierung. Bis jetzt gefällt mir auch die Uni super, aber hier sind ganz schön viele Baustellen in Stuttgart …“. Ja lieber Marcel, das wird vermutlich auch noch eine ganze Weile so bleiben.

Eis aus dem Chemielabor

Das fertige Maracuja-Eis: Lecker!

Das fertige Maracuja-Eis: Lecker!

Eis aus flüssigem Stickstoff - nur mit Schutzbrille!

Eis aus flüssigem Stickstoff – nur mit Schutzbrille!

Noch viel kälter wurde es am Stand der Jungchemiker der Uni Stuttgart. Die scheuten nämlich keine Mühe und mixten Eis für die Gäste einfach vorort. Was es mit der qualmigen Vorstellung auf sich hatte, erklärte mir Chemie-Student Jens. „Als Basis verwenden wir ganz normale Milch, ein bisschen Sahne und Zucker“, erläuterte er. „Je nach dem, ob wir Schokoeis machen wollen oder ein Fruchteis, verwenden wir zusätzlich Schoko- oder Fruchtpulver. Das Besondere an unserem Eis ist, dass wir flüssigen Stickstoff unterrühren, der in diesem Zustand -194 Grad hat. So haben wir innerhalb von ein paar Minuten fertiges Speiseis.“ Geschmeckt hat mein giftgrünes Maracuja-Eis tatsächlich ziemlich gut. Yammi! Und ein Geheimtipp an alle, die sich überlegen, Chemie zu studieren: ich habe mir sagen lassen, dass es auf den Doktor-Parties viiiiel Eis gibt.

 

Elena

 

Für alle die es nicht geschafft haben, vielleicht nächstes Jahr mal vorbeischauen oder in Erinnerungen schwelgen möchten: HORADS 88,6 Redakteurin Teresa und USUS Bloggerin Elena berichteten auch auf Horads 88,6 vom Tag der Wissenschaft:

Hallo Welt! Mein Name ist Elena, 21 Jahre alt, Germanistik und Soziologie im vierten Semester. Vermutlich der klassische Fall von "geschrieben und fotografiert habe ich schon immer gerne." Ich liebe Spontanität, Streifenshirts, Obstsalat, manchmal den Tatort, Menschen, die nicht wissen, wie schön sie sind und verabscheue Zähneknirschen und Einbahnstraßen.

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