Vier Pfoten fürs Studium: Ein Erfahrungsbericht (2)

Ein Hund auf Erden.

Ein (B) Engel auf Erden.

Und hier kommt die angekündigte Fortsetzung: Den Bachelor in der Tasche und die Aussicht auf das Master-Studium in Literaturwissenschaft: Germanistik in Stuttgart – endlich rückte der Traum vom eigenen Hund in greifbare Nähe, denn nach dem Bachelor-Studium stand der Umzug in eine Wohnung an, in der Haustiere zur großen Abwechslung erlaubt (!) sind. Nach reiflichem Überlegen und dem Durchspielen aller Konsequenzen fasste ich deshalb den Entschluss, mir diesen Traum zu erfüllen, aller Schwierigkeiten und Einschränkungen zum Trotz.

Zu meinem großen Glück erwies sich das Master-Studium um ein Vielfaches flexibler, obwohl ich im Gegensatz zum vorigen Studium zur Uni pendeln muss. Also begab ich mich nach dem ersten Semester tatsächlich auf die Suche nach (m)einer Fellnase. Fest stand für mich von Anfang an, dass es sich um einen Hund aus dem Tierschutz handeln sollte. Und so stieß ich nach wochenlanger Recherche auf eine Tierschutzorganisation, die ich als seriös einstufte und schließlich auch kontaktierte. Denn ich hatte meinen Seelenhund gefunden, so wie viele ihre Lebens- und Liebespartner in der heutigen Zeit finden: Übers Netz. Ein Foto und einige Zeilen über das Findelkind genügten, um mein Herz im Sturm zu erobern und meine Zweifel beiseite zu schieben, die mich während dieser Tage immer wieder überkamen.

Hund und Studium unter einen Hut kriegen

Hund und Studium unter einen Hund kriegen? Ich zerbrach mir den Kopf darüber, wie ich den Hund allmählich eingewöhnen und ihm gleichzeitig beibringen könnte, einige Zeit alleine zu verbringen. Denn das Studium pausierte auch während der Semesterferien nicht (vom Berufsleben ganz zu schweigen). Und wenn ich erst einmal mit dem Studium fertig wäre, würden sich meine Pläne augenblicklich zerschlagen, denn wie soll ein drei- bzw. viermonatiger Welpe von einem Tag auf den anderen alleine bleiben – und das auch noch über mehrere Stunden hinweg (gerechnet auf einen ’normalen‘ Arbeitstag sind das mit der Hin- und

(M) Ein haariger bester Freund - unersetzlich.

(M) Ein haariger bester Freund.

Herfahrt inklusive Pause rund 10 bis 12 Stunden)? Das wäre kein Hundeleben mehr, sondern ein Albtraum. Nichts, was ein(e) verantwortungsvolle(r) Haustierhalter(in) seinem bzw. ihrem Vierbeiner bei halbwegs klarem Verstand zumuten würde.

Wann im Leben würde ich jemals wieder über so viel frei einteilbare Zeit verfügen wie jetzt, der Vorlesungszeit und den Semesterferien? Während der Rente vielleicht – vorausgesetzt, ich würde diese überhaupt noch erleben. Und so kam das eine zum anderen.

Welpen: Kleinkinder im Hundekostüm

Mittlerweile sind drei Jahre vergangen, seit mein Seelenhund bei mir eingezogen ist und das vorneweg: Es war nicht immer einfach. Ganz im Gegenteil. Wer schon einmal mit Welpen zu tun hatte, weiß ganz genau, wovon ich spreche. Ja, Welpen sind in der Tat verdammt niedlich. Das Kindchenschema hat Männlein und Weiblein fest im Griff, das hat die Natur geschickt eingefädelt, als sie Kulleraugen verteilte. Nicht zu vergessen der schief gelegte Kopf in Kombination mit einem entwaffnend unschuldigen Ausdruck, der besagen soll: War das wirklich ich? Bestimmt nicht! Ich bin lieb, nett und stelle nichts an! Aber Welpen ähneln auch in vielen anderen Dingen kleinen Kindern: Sie machen Blödsinn, stecken sich alles Mögliche (und Unmögliche) in ihre Schnute, sind flink und gewitzt und tun als Nächstes garantiert das, womit du gerade nicht rechnest. Dasselbe Modell quasi, nur in haarig (Mütter dieser Welt – verzeiht mir).

Welpen müssen immer. Ständig. Und ganz egal, wie gut es dir gelingt, die gefühlte Erbsenblase eines Welpen im Blick zu behalten, es genügen zwei Sekunden, in denen du dich einer anderen Sache zuwendest (oder einem Gedanken nachhängst) und schon ist das Malheur passiert. Und dein Part besteht dann darin, bis zehn zu zählen, dabei sauer in dich hineinzulächeln, zu wischen und zu wedeln, denn Mist hast du gebaut, nicht der Hund.

Mein Tipp: Wischlappen und Eimer in Reichweite halten. Oder die Argusaugen niemalsnimmernicht abwenden, nicht einmal für den Bruchteil einer Sekunde, denn dieser Bruchteil – fragt mich nicht, wie – genügt für den nächsten Einsatz von Putzutensilien. Okay, ich übertreibe, aber ich schätze, ihr versteht, worauf ich hinauswill.

Organisation und sorgfältige Planung ist alles

Den Terminkalender stets im Blick. Leere Seiten sind passé!

Den Terminkalender stets im Blick. Leere S/Zeiten sind passé!

Aber das war das geringste aller Probleme, denn es war schließlich nur ein temporäres. Was Millionen von Müttern tagtäglich in ihrer Funktion als ‚Familienmanagerin‘ meistern, wurde innerhalb kürzester Zeit meine neueste Spezialität: Universitäre, berufliche und private Termine noch akribischer timen, HundesitterInnen organisieren, Uni-Veranstaltungen so legen, dass der Vierbeiner nie zu lange am Stück alleine ist, flexibel fürs Studium und den Nebenjob bleiben und nebenbei den Hund erziehen. Eine große Erleichterung ist es deshalb, dass sich das Studium in meinem Fall – wenn man von Seminaren und Vorlesungen absieht, versteht sich – zum Großteil im Homeoffice bewältigen lässt. Lucky me! Und im Hinblick aufs Berufsleben gilt nach wie vor: Eine gute Betreuung während meiner Abwesenheit ist das A und O. Für mein Seelenheil und das meines Hundes.

Long story short: Würde ich es noch einmal machen? Ja. Definitiv ja. Trotz der Einschränkungen und Schwierigkeiten, die das bedeutet. Vor und nach einem harten Tag gibt es einfach nichts Schöneres, als mit deinem Vierbeiner eine lange Runde durch die Felder zu drehen, um den Kopf freizubekommen. Und Tag für Tag in zufriedene Hundeaugen zu blicken. Dann spürst du genau, dass du dich richtig entschieden hast. So long!

Romy

5 thoughts on “Vier Pfoten fürs Studium: Ein Erfahrungsbericht (2)

  1. SAB sagt:

    Hallo Romy, ich gehe nächstes Jahr an die Uni und werde wahrscheinlich dann in ca. einem Jahr nach Studienbeginn auch ausziehen. Gerne würde ich mir auch einen Hund holen, den Familienhund kann ich nämlich nicht mitnehmen. Natürlich muss ich vorerst einen Nebenjob haben und schauen, ob es mit dem Stundenplan und Finanziell und zeitlich überhaupt möglich ist. Du studierst ja Psychologie und ich nehme an, da bist du auch einige Zeit zu Hause und musst viel lesen. Ich würde gerne Englisch studieren und als Nebenfach Psychologie nehmen. Hast du Freundinnen die Englisch studieren und verbringen die viel Zeit zu Hause oder eher in der Uni? Und ist es echt so unglaublich schwierig wie alle meinen? Ich meine es gibt Leute die haben ein Baby und einen Hund, arbeiten nebenbei und kriegen das mit dem Studium trotzdem hin. Was meinst du dazu? Danke dir für deinen Beitrag. Das ist sehr wichtig für mich.

    Freundliche Grüsse
    Sab

    1. Romy sagt:

      Hallo Sab,
      deinen Wunsch nach einem Hund kann ich absolut nachvollziehen – umso wichtiger ist es, dass du dir vorab ein paar Gedanken dazu machst, was es bedeutet, mit Hund und Nebenjob zu studieren. Und ja, Englisch solltest du vom zeitlichen Aufwand her nicht unterschätzen, aber es hängt natürlich auch stark davon ab, wie schnell deine Auffassungsgabe ist und welches Pensum du pro Semester anstrebst. Gerade wenn du BAföG beziehen möchtest, musst du dein Studium in Regelstudienzeit abschließen.

      Ein Vollzeitstudium bedeutet oftmals, dass du sehr, sehr viel Zeit an der Uni selbst verbringen wirst und dabei Seminare, Übungen, Tutorien und Vorlesungen besuchst.
      Die reine Anwesenheitszeit solltest du daher nicht unterschätzen. Je nachdem, wie weit entfernt du von der Uni wohnen wirst, kommt die Fahrtzeit für die Hin- und Rückfahrt hinzu. Wenn du noch zusätzlich jobben möchtest, geht auch hier Zeit für die Arbeit und die Fahrtzeit drauf.
      Gerade in den ersten Semestern wird dein Stundenplan sehr dicht sein, weshalb ich dir raten würde, mindestens ein Semester (besser zwei) zu warten, bevor du deinen Wunsch in die Tat umsetzt, damit du den Workload bzw. Arbeits- und Zeitaufwand einschätzen kannst.

      Das ist der rein zeitliche Aspekt. Mein Rat daher: Erst einmal an die Studiensituation akklimatisieren und Struktur in deinen (Studien-) Alltag bringen. Denn besonders das Planen deiner Zeit wird oberste Priorität haben, wenn du dem Studium, deinem Hund, dem Nebenjob und was immer sonst noch bei dir ansteht, gerecht werden willst.

      Weitere Fragen, die du dir stellen solltest, sind unter anderem:
      – Wer passt auf den Hund auf, wenn du länger als 4 bis 5 Stunden an der Uni bist? (Gerade Welpen kannst du anfangs so gut wie gar nicht alleine lassen und auch junge/ältere Hunde, die du aufnimmst, müssen allmählich ans Alleinsein gewöhnt werden. Hunde sind Rudeltiere und sie längere Zeit am Stück alleine zu lassen, ist für sie eine Qual.)
      – Wer kümmert sich um den Hund, wenn du ins Krankenhaus musst, in den Urlaub möchtest und/oder ein Praktikum oder Auslandssemester planst? (Tiersitter, Tierhotel/-pension, deine Familie? Knüpfe vorab ein Netzwerk, das für die Betreuung einspringen kann.)
      – Hand aufs Herz: Wie viel Zeit hast du, die du aktiv mit dem Hund verbringen kannst? Hunde brauchen viel Auslauf, wollen körperlich und geistig gefordert werden – und das mehrmals am Tag.
      – Was sagt dein Partner oder deiner Partnerin zu einem Hund? Was passiert mit ihm im Fall einer Trennung?
      – Findest du eine Wohnung oder ein WG-Zimmer, in dem Haustiere gestattet sind? Nur weniger Vermieterinnen und Vermieter sind dazu bereit.
      – Kannst du einem Hund wirklich gerecht werden – zeitlich und finanziell? (Und zwar unabhängig von der Stärke deines Wunsches.)
      – Was ist, wenn der Hund krank wird und du zum Tierarzt oder gar in die Tierklinik musst? Es kommen sehr schnell Beträge zusammen, die tausende von Euros erreichen.
      – Was geschieht mit dem Hund nach dem Studium, wenn du ins „richtige“ Berufsleben einsteigst? Wer passt in der Zwischenzeit auf ihn auf?

      Außerdem fällt neben der Hundesteuer auch eine Tierhaftpflichtversicherung an, dazu Futterkosten, eventuell Kosten für den Besuch einer Hundeschule, Kosten für Tiersitter etc.
      Da solltest du sehr realistisch herangehen – wie hoch wird dein Einkommen sein und wie hoch deine Ausgaben? Kannst du alle Kosten, die zusätzlich zum Studium anfallen, überhaupt stemmen? Was ist im Falle eines Notfalls? All diese Überlegungen solltest du in deine Entscheidung einfließen lassen.

      Ich wünsche dir alles Gute.

      Romy

      1. SAB sagt:

        Danke dir Romy für deine Tipps! Ich werde alles sehr lange in Erwägung ziehen und auf jeden Fall auf das Wohlergehen des Hundes achten. Lg Sab

  2. Isi sagt:

    Hallo Romy, ich bin auch Besitzerin einer Tierschutzhündin und derzeit am Bewerbungen schreiben für mein Bachelor Studium. Lange habe ich im Internet nach „Studium mit Hund“ gesucht und 99% der Zeit nur schlechte Dinge gelesen, das funktioniert niemals, der arme Hund, und und und. Da ich mir aber sicher war, Studium und Hund lässt sich vereinbaren und ich meinen Vierbeiner auch nie wieder hergeben würde, suchte ich weiter und stieß auf diese Seite. Nun wollte ich wissen ob es eventuell die Möglichkeit gibt Kontakt zu dir (per E-Mail) aufzunehmen, da ich dir gerne noch ein paar Fragen stellen würde.
    Mit freundlichen Grüßen, Isi und Alaska 🙂

    1. Romy sagt:

      Hallo Isi,

      ich kann mir gut vorstellen, wie bedrückend es sein kann, wenn von beinahe allen Seiten dazu geraten wird, sich den Hundewunsch (vorerst) aus dem Kopf zu schlagen. Gleichzeitig teile ich durchaus die Bedenken, die bei den meisten vorherrschen:

      Sich einfach einen Hund „zulegen“ und darauf zu hoffen, dass das schon irgendwie wird, funktioniert in den seltensten Fällen. Und die Leidtragenden sind nun einmal die Hunde.
      Deshalb ist es wichtig, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Vor allem mit den Fragen, wo und wie der Hund unterkommt, wenn man die Uni besucht, krank wird (bis hin zu mehrtägigem Krankenhausaufenthalt) und/oder nebenher jobben muss, um sein Studium zu finanzieren. Und natürlich auch, wenn man verreisen willst oder Praktika absolviert. Das alles muss vorab berücksichtigt werden.

      Gerade beim allerersten Hund unterschätzen viele Menschen a) den tatsächlichen Zeitaufwand und b) lassen sie vor lauter Verklärung völlig außer Acht, dass sie jeden – wirklich JEDEN – einzelnen Tag für den Hund und dessen Bedürfnisse verantwortlich sind, unabhängig von Wind und Wetter, Lust oder Unlust – oder vollem Terminkalender.

      Hunde sind in der Regel eng an den Menschen gebunden – wie kaum ein anderes (Haus-) Tier. Längere Zeit von ihrem/ihren Menschen getrennt zu sein, bedeutet oftmals moderaten bis großen Stress für sie.

      Alle Aktivitäten müssen zeitlich koordiniert werden und unter Umständen bist du die erste, die eine Veranstaltung verlässt, weil zu Hause dein Hund auf dich wartet. Das mag anfangs kein Problem sein, aber wenn du jemand bist, der oder die gerne oft und lange ausgeht, dann kommst du nicht umhin, dir entweder eine/n vertrauenswürdige und zuverlässige Tiersitterin bzw. Tiersitter zu suchen oder dich gegen einen Hund zu entscheiden.

      Nichtsdestotrotz verstehe ich es, wenn du alle negativen „Begleitumstände“ in Kauf nimmst, weil für dich das Leben mit einem Hund alle möglichen Nachteile bzw. Konsequenzen aufwiegt.
      Wenn du weitere Fragen hast, kannst du mir gerne schreiben – ich schicke dir eine kurze Nachricht an deine E-Mailadresse.

      Liebe Grüße
      Romy

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