Spitzensport und Studium: Mit dem Degen nach Rio

Constantin Böhm kreuzt hauptberuflich die Klingen - und nebenbei studiert er noch Maschinenbau

Constantin Böhm kreuzt hauptberuflich die Klingen – und nebenbei studiert er noch Maschinenbau

Constantin Böhm studiert Maschinenbau im Master an der Uni Stuttgart. Gleichzeitig ist er fechtender Leistungssportler im Bundeskader in Tauberbischofsheim. Den Spagat zwischen den beiden Vollzeit-Aufgaben Studium und Spitzensport meistert er mit einer Mischung aus Disziplin, Leidenschaft und Pragmatismus. Und mit einem großen Ziel vor Augen: Teilnahme bei Olympia in Rio 2016.

„Zeitmanagement ist alles“, sagt Constantin Böhm und lacht. Momentan ist der Maschinenbaustudent der Uni Stuttgart in einem Urlaubssemester, um sich ganz seiner sportlichen Karriere zu widmen. Aber mit der Normalvorstellung von „Urlaub“ hat das nicht viel zu tun.  Es ist gar nicht so einfach einen Termin mit ihm zu vereinbaren, denn an sechs Tagen in der Woche trainiert er zweimal. Fechten, Mentaltraining, Krafttraining, und wieder fechten, so lässt sich sein Pensum kurz zusammenfassen. Seit etwa einem Jahr bereitet sich Constantin nun intensiv auf das Ziel „Olympia Rio 2016“ vor. In London 2012 war er bereits als Trainingspartner mit dem Sportgerät Degen dabei und nun möchte er das Ganze auch mal als Athlet erleben. Was ihn daran begeistert? „Da treten die Besten der Besten an. Und es ist eine wahnsinnige Atmosphäre: Wenn man in dieser Halle steht, dann kann man sich  belohnen für die harte Arbeit, die man vorher in Kauf nehmen musste, um da hin zu kommen.“

Stuttgart, der perfekte Ort

Ein klares Ziel vor Augen: Rio 2016

Ein klares Ziel vor Augen: Rio 2016

Die Möglichkeit, diesen Traum zu realisieren, ist zum Greifen nah: Seiner Einschätzung nach sei es im Einzel ziemlich schwer in den Kader zu kommen, aber in den Mannschaftsdisziplinen stünden seine Chancen gut: Sechs Fechter für den Team-Wettbewerb stehen momentan zur Auswahl – er ist einer davon – und vier werden das Ticket nach Rio lösen. „Also sieht doch ganz gut aus“, zeigt sich Constantin optimistisch.

Für ihn ist die Uni Stuttgart der optimale Studienort. „Aber nicht nur wegen der Uni an sich“, erklärt Constantin, „sondern weil ich in 1,5 Stunden in Tauberbischofsheim bin – meinem Trainingsort“. Die Pendelei ist natürlich ein Zeitfresser, andererseits genießt er es, wenn er dann in Stuttgart auch etwas Distanz zum Sport bekommt. An welches berufliche Ziel ihn seine akademische Laufbahn führt, dass weiß er noch nicht genau. Grundsätzlich stehen ihm mit einem Ingenieurs-Studium ja viele Türen offen, was er sehr gut findet. Er könne sich auch vorstellen zu promovieren. „Aber es muss halt mit dem Sport vereinbar bleiben“, stellt er klar.

Viele seiner Kommilitonen würden sich gerne von Constantins Disziplin, die nötig ist um beide Welten unter einen Hut zu kriegen, eine Scheibe abschneiden. „Für Prüfungen lernen ist wie Training – man muss sich halt hinsetzen und das machen“, sagt er ganz pragmatisch. Dass er einen größeren Zeitdruck für die Vorbereitung aufs Studium und auf Klausuren hat, das stresst ihn nicht, sondern motiviert ihn: „Ich plane das vorher durch, wann ich was lerne und ich weiß dann auch, wenn ich die eingeplante Zeit nicht nutze, dann ist das Zeitfenster zu“.

Wie alle, nur anders

Das Gefühl, dass ihm etwas vom so genannten „Studentenleben“ fehle, hat er nicht: „Ich mache halt andere Erfahrungen, als die anderen und reise viel“, sagt Böhm. „Und wenn der Wettkampf am Turnierort vorbei ist, dann genießt man auch den Spaß mit seinen Teamkollegen – ganz normal. Außerdem haben wir ja auch ne Sommerpause“, grinst der 23-Jährige.

Constantin (rechts im Bild) in Action.

Constantin (rechts im Bild) in Action.

Reisen, Turniere, Ausrüstung: Da kommt einiges an Kosten zusammen. Wie finanziert Constantin das? Sein Heimatverein (Heidenheimer Sportbund) unterstützt ihn und auch die Deutsche Sporthilfe ist im Boot. Ein Stipendium bekommt er dazu noch von der Deutschen Bank, die „duale Athleten“  – also solche die studieren und Spitzensport betreiben – fördert. Von der Universität Stuttgart wird Böhm nicht in einem speziellen Maße gefördert, allerdings konnte er in Einzelfällen mit den Profs Absprachen treffen, wenn es Terminüberschneidungen mit Klausuren und wichtigen Turnieren gab. „Da sind alle bemüht eine Lösung zu finden – das hilft schon viel, eine ‚Sonderbehandlung‘ möchte ich eigentlich gar nicht“, so der Fechter.

Trotz aller sportlicher Erfolge ist Constantin bescheiden geblieben: Sein Ansinnen ist es nicht, sich ins Rampenlicht zu setzen; eigentlich möchte er in erster Linie anderen Studierenden Mut machen, die wie er mit einer Doppelbelastung kämpfen müssen. „Geht in die Öffentlichkeit und macht auf euch aufmerksam, nur dann könnt ihr auch Unterstützung finden. Ich kenne viele Studenten, die neben ihrem Studium noch wahnsinnige Sachen im Verborgenen leisten, auch Nicht-Sportler. Wenn man nicht wahrgenommen wird, das macht es schwerer als es sein müsste“, so der 23-Jährige.

 

Christina

Interview mit Constantin Böhm bei horads 88,6 im Campusmagazin der Uni Stuttgart:

 

 

arbeitet in der Hochschulkommunikation der Universität Stuttgart. Hat Anfang der Nullerjahre in Tübingen und Berlin studiert und weiß seitdem: "Jetzt sind die guten, alten Zeiten, nach denen wir uns in zehn Jahren zurücksehnen."

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