Vier Pfoten fürs Studium: Ein Erfahrungsbericht (1)

Wer kann einem solchen Hundeblick widerstehen..?

Wer kann einem solchen Hundeblick widerstehen..?

Die Hundemenschen unter euch kennen es bestens: Wer einmal einen Hund hatte, der ihm oder ihr am Herzen lag, der kennt die Sehnsucht nach einem vierbeinigen, fellnasigen Gefährten, der einem zur Seite steht, ganz gleich, in welche Richtung das Leben einen verschlägt. Der dich mit seinen treuen Augen – man möge mir die Gefühlsduselei verzeihen – anblickt und dich nicht bewertet, in Schubladen steckt oder sich anmaßt, über dich zu urteilen.

Ich bin mit Hunden aufgewachsen. Sie begleiten mich zeitlebens durch den Alltag, durch die Höhe- und Tiefpunkte, die großen und kleinen Erlebnisse, die lauten und stillen Stunden des Lebens. Entsprechend empfand ich es durchaus als eine Umstellung, als ich für das Studium von zuhause aus- und in meine erste WG einzog. Ohne Hund, versteht sich.

Neben der Neuorientierung, die der Umzug in eine neue Stadt in der Regel mit sich bringt, die Gewöhnung an den Übergang vom Schüler- zum Studentenstatus sowie das erstmalige Gefühl tatsächlicher Freiheit und Unabhängigkeit, galt es gerade in den ersten Monaten ein immenses Arbeitspensum zu bewältigen. Neue Eindrücke wollten verarbeitet, neue Menschen kennen gelernt, Vorlesungs- und Seminarstoffe bearbeitet, Fachbücher gelesen, die Stadt erkundet werden. Das Studium forderte seinen Tribut und damit meine völlige Aufmerksamkeit.

Dementsprechend zogen die ersten Monate des Studiums mit gefühlter Lichtgeschwindigkeit an mir vorbei, zumindest bis das erste Weihnachtsfest anbrach und ich wie das Gros der zugezogenen KommilitonInnen in die Heimat zurückkehrte.

Trautes Heim, Glück allein?

Mit der Bahn in die Heimat.

Mit der Bahn in die Heimat.

Und da war sie, die Fellnase, die ich vermisst hatte, ohne es bemerkt zu haben. Wer nicht mit Hunden zusammengelebt hat, wird kaum nachvollziehen können, was ich meine – aber diejenigen unter euch, die ebenfalls mit Vierbeinern groß geworden sind, teilen meine Einschätzung wahrscheinlich:

Kaum ein Wetter ist zu miserabel, kaum ein Tag zu düster und kaum ein Morgen zu früh, wenn freudige Hundeaugen sich auf dich richten und Schwanzwedeln, Nasestupsen oder spielerisches Knabbern an den Ärmeln dir unmissverständlich suggerieren, dass jetzt die beste Zeit ist, um eine längere Runde um den Block zu drehen. Mindestens. Unabhängig von Wind, Wetter und persönlicher Verfassung.

Wie in den Semesterferien – oder vielmehr der vorlesungsfreien Zeit – üblich, war der Abstecher in die Heimat nur von kurzer Dauer und ehe ich es mich versah, fand ich mich zusammen mit einer gefühlten Tonne Lernunterlagen in meiner WG wieder. Mit liebenswerten Mitbewohnerinnen, keine Frage. Aber ohne Hund. Und er fehlte schmerzlich.

Mir war bis dato völlig schleierhaft, wie ich das Studium einerseits und die artgerechte Haltung eines Hundes andererseits unter einen Hut bringen sollte, da sich die Tage, in denen ich von 8 Uhr morgens bis 19 oder 20 Uhr abends gerade in den ersten Semestern wie die Perlen einer Kette ununterbrochen aneinanderreihten. Aber mir war bereits damals klar – über kurz oder lang würde ein Vierbeiner einziehen, denn wenn ich eines im Studium sehr vermisst habe, dann war es das unbeschreibliche Gefühl des Nach-Hause-Kommens, einem Zuhause, das nicht nur aus menschlichen MitbewohnerInnen besteht, sondern aus einer Fellnase, deren gefühltes Zentrum man darstellt. Ich entsinne mich dabei eines Zitats von Picasso, das mir nicht nur das Herz erwärmt, sondern das auszudrücken vermag, was Hundemenschen im tiefsten Inneren fühlen:

Auf leisen Pfoten stehlen sich Hunde in dein Herz.

Auf leisen Pfoten stehlen sich Hunde in dein Herz.

Hunde kommen in unser Leben, um zu bleiben. Sie gehen nicht fort, wenn es schwierig wird, und auch, wenn der erste Rausch verflogen ist, sehen sie uns noch immer mit genau diesem Ausdruck in den Augen an. Das tun sie bis zu ihrem letzten Atemzug. Vielleicht, weil sie uns von Anfang an als das sehen, was wir wirklich sind: Fehlerhafte, unvollkommene Menschen. Menschen, die sie sich dennoch genau so ausgesucht haben. Ein Hund entscheidet sich einmal für den Rest seines Lebens. Er fragt sich nicht, ob er wirklich mit uns alt werden möchte. Er tut es einfach. Seine Liebe, wenn wir sie erst verdient haben, ist absolut.
(Picasso)

Wie es dann tatsächlich trotz des Studiums zu meinem Vierbeiner und Seelenhund gekommen ist, erzähle ich euch im nächsten Teil. Bis dahin!

Romy

Ich bin Romy, 29 Jahre alt und studiere Psychologie, meine zweite große Leidenschaft neben der Literatur. Zuhause bin ich vor allem in der Prosa, betreibe gelegentlich Lyrik und blogge außerdem seit einigen Jahren zu literarischen und psychologischen Themen. Mein Erststudium habe ich in Deutscher Literatur und Slavistik (BA) und anschließend Literaturwissenschaft: Germanistik (MA) abgeschlossen. Herzliche Grüße an alle Mitstudierenden! PS: Wir lesen uns.

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