Das wird teuer: Wie ich in die Falle der privaten Krankenversicherung getappt bin

Wer sich an einer (Fach-)Hochschule immatrikuliert braucht eine Krankenversicherung

Wir schreiben das Jahr 2009. An einem grauen Tag im September sitze ich im Großraumbüro der örtlichen AOK und unterschreibe den Antrag auf Befreiung von der gesetzlichen Krankenversicherung. Ein großer Fehler. Ein sehr großer Fehler.

Wer sich bereits einmal im Leben an einer (Fach-)Hochschule immatrikuliert hat, weiß: Studenten brauchen eine Versicherung. Sie sind dazu verpflichtet, sich bei einer gesetzlichen Krankenkasse anzumelden. Will ein Student jedoch nicht bei einer gesetzlichen, sondern bei einer privaten Krankenkasse versichert sein, so muss der Antrag auf Befreiung von der GKV, der gesetzlichen Krankenversicherung, gestellt werden. Und genau das habe ich getan.

Wieso ich mich dazu entschieden habe, mich privat versichern zu lassen

Falls du jetzt kopfschüttelnd vor dem Bildschirm sitzt und dich fragst, wie ich auch nur auf die Idee kommen konnte, mich als angehende Studentin privat, also vermeintlich teuer, versichern zu lassen – hier ist meine Geschichte.
Wie jedes Kind unter 25, so hatte auch ich im Alter von 22 Jahren das Recht, mich bei meiner Mutter (Beamtin, privat versichert) mitversichern zu lassen. So eine Mitversicherung ist – ganz unabhängig davon, ob gesetzlich oder privat – vor allen Dingen eines: billig. Für etwa 10 Euro im Monat genoss ich also das volle Leistungsspektrum einer privaten Krankenversicherung. Super, oder? Nun ja nicht ganz.

Wie meine Alternative aussah

Der Wechsel in die Private Krankenersicherung will sehr gut überlegt sein.

Hätte ich damals den Antrag auf Befreiung von der GKV nicht unterschrieben, hätte ich mich ganz normal gesetzlich versichern müssen. Der monatliche Beitrag lag im Jahr 2009 so um die 75 Euro (nagelt mich nicht fest, es ist schon etwas her). Ich hatte also die Wahl zwischen einem monatlichen Beitrag von 10 Euro in der privaten Versicherung und einem monatlichen Beitrag von 75 Euro in der gesetzlichen Versicherung. Mal ganz abgesehen von den vielen Vorteilen, die man in einer privaten Krankenversicherung genießt, war das natürlich finanziell sehr verlockend. Eine WINWIN-Situation, oder nicht?

Was der Antrag auf Befreiung von der GKV tatsächlich bedeutet

Leider nein. Der Antrag auf Befreiung von der GKV kann nämlich nicht zurück genommen werden. Das bedeutet: Ich habe freiwillig auf das Anrecht einer gesetzliche Krankenversicherung verzichtet und das bis zum Ende meines Studiums. Weil genau das der Knackpunkt ist, sage ich es gerne nochmal: Bis zum Ende meines Studiums.

Ab 25 beginnt die Altersdiskriminierung

Klar, meine Rechnung schien aufzugehen. Im Oktober 2009 begann ich mein Bachelorstudium. Im Juli 2012, also genau nach sechs Semestern, schloss ich das Studium ab. Im September 2012 stand mein 25. Geburtstag an, alles lief nach Plan. Was dann kam, hatte ich jedoch nicht bedacht.
Der aufmerksame Leser hat es schon mitbekommen: Die Mitversicherung bei den Eltern endet ab dem 25. Geburtstag. Oder mit anderen Worten: Ab 25 beginnt die Altersdiskriminierung. Nicht nur, dass man sich als Student ab 25 Jahren selbst versichern muss, nein, nein, als Sahnehäubchen oben drauf endet hier auch noch die monatliche Zahlung des Kindergeldes. Ich rechne dir das mal vor:

Die Höhe meines Kindergeldes als zweitgeborenes Kind belief sich auch etwa 180 Euro.
Die Höhe der GKV für Studenten belief sich auf etwa 75 Euro.
Zusammen macht das dann mal eben, ähm, ja genau: Ein Minus von rund 255 Euro in der Tasche. Happy Birthday!

Ich entscheide mich für ein Masterstudium und es wird richtig teuer

Ab 25 Jahren gibt es kein Kindergeld mehr und auch die Mitversicherung bei den Eltern fällt weg.

Halt! Stopp! Wieso rechne ich jetzt mit der GKV und wieso überhaupt Studentenbeitrag? Richtig, da stimmt was nicht. Weil ich mich im Oktober 2012 zu einem Masterstudium entschieden hatte, ging meine Unilaufbahn nahtlos weiter. Mit mittlerweile 25 Jahren hatte ich weder Anrecht auf mein liebgewonnenes Kindergeld, noch auf die Mitversicherung bei meinen Eltern. Nur versichern musste ich mich natürlich trotzdem. „Kein Problem! Dann wechsle ich jetzt eben in die gesetzliche Krankenversicherung und zahle den Studentenbeitrag von rund 75 Euro.“, so dachte ich. Doch ich wurde eines Besseren belehrt. Wie schon gesagt, der Antrag auf Befreiung von der GKV gilt bis zum Ende des Studiums. Zwar hatte ich mein Bachelorstudium beendet, weil ich aber nahtlos vom Bachelor in den Master überging, war ich die gesamte Zeit über immatrikuliert. Mit anderen Worten: Ich habe nie aufgehört, Student zu sein. Meine ganz persönliche Rechnung sieht deshalb so aus:

Kein Kindergeld mehr seit dem 25. Geburtstag: -180 Euro
Beitrag Studentenbeitrag zur PKV, der privaten Krankenversicherung: -200 Euro
Zusammen gerechnet macht das mal eben schlappe 380 Euro Miese und das jeden Monat! Dumm gelaufen, oder!?

Was jetzt? Gibt es da kein Schlupfloch?

Natürlich war ich entsetzt, als ich das ganze Ausmaß der Katastrophe nach und nach begriff. Ohne Protest wollte ich das nicht auf mir sitzen lassen und so suchte ich Rat bei einer befreundeten AOK-Mitarbeiterin. Was sie mir sagte, hat mir zuvor kein Krankenkassenmitarbeiter verraten. Hätte ich mein Masterstudium an einer anderen Uni begonnen oder mich einfach für die Monate der Semesterferien exmatrikuliert, so wäre mein Studentenstatus kurzzeitig unterbrochen gewesen und ich hätte zurück in die gesetzliche Krankenkasse wechseln können.
Hätte, hätte, Fahrradkette. Leider kam dieser gute Rat für mich zu spät.
Deshalb hoffe ich, vielleicht dem ein oder anderen Leser geholfen zu haben und ansonsten gilt: Augen auf bei der Wahl der Krankenversicherung!
Noch Fragen? Im Netz bin ich auf eine ziemlich gute Seite zu diesem Thema gestoßen. Schau doch mal rein.

Simone

Hi! Ich bin Simone und studiere seit nunmehr sechs Jahren an der Uni Stuttgart. Momentan befinde ich mich auf der Zielgeraden zum Master: Literaturwissenschaft. Wenn ich meine Zeit gerade nicht der Uni oder meinem Nebenjob widme, bin ich eine dieser rastlosen Reisenden, die ihre Erlebnisse und Erfahrungen auf einem Reiseblog in die Welt hinaus schreiben. Als gebürtige Stuttgarterin bin ich aber auch ein Schwabenmädchen durch und durch. Für die Neigschmeckten unter euch habe ich deshalb sicherlich den ein oder anderen Geheimtipp parat. :-)

4 thoughts on “Das wird teuer: Wie ich in die Falle der privaten Krankenversicherung getappt bin

  1. Lukas Striefler sagt:

    WICHTIGE ANMERKUNG!
    Erstmal danke Simone für den sehr wichtigen Hinweis!
    Ich habe gerade einige recherchen angestellt da ich selbst gerade am Ende meines Bachelors bzw. Anfang meines Masters stehe und privat familienversichert bin. Nach einem Telefonat mit der Versicherung hat sich jedoch herausgestellt, dass sich für privat familienversicherte Studenten deren Eltern KEINE BEAMTE sind, mit dem Erreichen des 25. Lebensjahres nichts verändert. Die Versicherung läuft also mit dem selben Tarif weiter.

  2. Simon sagt:

    Was ist denn, wenn ich während des Studiums arbeite und Sozialversicherungsbeiträge zahle? Dann bin ich doch gesetzlich versichert? Klappt das nicht?

    1. Wenn der Werkstudentenstatus nicht (mehr) greift und die Beschäftigung sozialversicherungspflichtig wird, ist eventuell sogar ein Wechsel in die gesetzliche Krankenversicherung möglich.
      Dies ganz in Kürze – ausführliche Infos zu solchen und ähnlichen Fragestellungen gibt es bei mir bei der Sozialberatung des Studierendenwerk Stuttgart, siehe https://www.studierendenwerk-stuttgart.de/sozialberatung

  3. Andy sagt:

    Hallo Simone, vielen Dank für deinen sehr ausführlichen Beitrag. Mir scheint bei dir ist so alles schief gelaufen, was hätte schief laufen können. Kindergeld hin oder her, ist es natürlich schon blöd gewesen das dir keiner den Tip gegeben hatte dich nach deinem Erststudium abzumelden und danach den Master mit dem Zweitstudium beginnen zu lassen. Denn dann wäre es natürlich eine perfekte Angelegenheit für dich gewesen. Trotzdem vielen Dank für deine Story.

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