Digitale Integration am Campus

Der Campus ist in jeder Hinsicht weit mehr als nur ein Ort für Vorlesungen oder zur Prüfungsvorbereitung. Hier finden neben Partys und Sportveranstaltungen auch verschiedene Kolloquien oder außeruniversitäre Veranstaltungen statt. Natürlich hat man die Möglichkeit all diese Informationen auf diversen Websites und auf Aushängen zu finden. Trotz bester Vernetzung, durch Smartphones und andere Mobilgeräte, ist der Zugriff auf die ständig steigende Informationsdichte nicht immer einfach.

Dem praktischen Nutzen steht häufig die Vielzahl von Anwendungen entgegen, die eine einheitliche Übersicht erschweren. Wir haben uns deshalb gefragt, wie man diese Daten in einem System vereinen und zentralisieren kann, und so überall Zugriff darauf hat.

Wie könnte ein Echtzeit Campus Informationssystem (ECI) aussehen? Wir sind bei unseren Überlegungen auf das US-Unternehmen Multimodal Logic gestoßen. Mit TransitScreen und SmartWalk zeigen sie, dass kleine intelligente Dinge und Anwendungen einen großen Unterschied machen können. Wobei die Anwendungen erst einmal nichts Besonderes machen, außer Nutzer in Echtzeit zu informieren. Die Anwendung SmartWalk ist dafür konzipiert, öffentliche Flächen, egal ob vertikal oder horizontal, in aktive Fahrgastinformationsflächen zu verwandeln, die mit Echtzeitinformationen gespeist werden.

Photo: TransitScreen/ SmartWalk

Was vielleicht auf den ersten Blick etwas umständlich wirkt und auf dem Boden fehlplatziert erscheint, könnte in vielen Bereichen sinnvoll und umfangreich eingesetzt werden. Das Potential dieser digitalen Anwendung ist enorm. Die Integration auf dem Hochschulgelände für einen „SmartCampus“ wäre ein hervorragender Anwendungsbereich – für weitaus mehr als nur Abfahrtszeiten von Bus und Bahn.

Das multimodale Auskunftsystem würde am Campus die wichtigsten Daten auf einen Blick liefern, und das standortabhängig. Inhalt und Reihenfolge der Informationen würden je nach Standort variieren. Die angezeigten Echzeitinformationen würden zum Beispiel Raumänderungen und Vorlesungen anzeigen. Eine farbliche Kodierung der Daten würde die Übersicht erleichtern und könnte zudem als Wegweiser eingesetzt werden. Dies wäre auch für fremde und ausländische Studierende hilfreich, da dies die Orientierung am gesamten Campus erleichtern würde. Darüber hinaus wäre der digitale Wegweiser auch bei außeruniversitären Veranstaltungen praktisch. So könnte ein Leitsystem von den öffentlichen Verkehrsmitteln oder des Parkplatzes bis zum Veranstaltungsort erleichtert werden. Aushänge oder zusätzliche Schilder würden entfallen. Außerhalb der Vorlesungszeit oder bei abendlichen Veranstaltungen könnte während der Veranstaltung das ganze Display als Wegweiser umfunktioniert werden und auch Zeitplan und verfügbare Sitzplätze anzeigen. Auch wenn das System autark von anderen Geräten arbeitet, würde sich die Verbindung mit einer App als Routensystem für das eigene Smartphone umsetzen lassen. Das gesuchte Gebäude würde dann beispielsweise über einen QR-Code gewählt werden. An den jeweiligen Gebäuden würden dann Displays zur Verfügung stehen, die einrichtungsabhängig Daten anzeigen, wie zum Beispiel die Raumbelegung oder Lehrveranstaltungen. Vor großen Hörsälen würde dies ein Projektor übernehmen.

Natürlich würde sich der Inhalt nicht nur auf das Lehrangebot und Veranstaltungen beschränken. Neben dem Speiseangebot der Mensa würden Echtzeitinformationen für Bus und Bahn sowie die Verfügbarkeit des Carsharing-Anbieters Car2Go angezeigt werden. Nutzererfahrungen sowie Bewertungen könnten für sämtliche Angebote integriert werden.

Informationen zu Vortragsreihen, Hochschulsport sowie Prüfungs- und Anmeldefristen würden ebenfalls ein Bestandteil des „SmartCampus“ werden. Zudem könnten die Fachschaften ihre Partys in den Veranstaltungskalender eintragen. Auch der Verkauf von Prüfungsunterlagen könnte über diesem Weg beworben werden. Darüber hinaus könnten sonstige allgemeine Informationen integriert werden. Ein Lageplan mit Raumübersicht, sowie Institute und Personalplan bis hin zum Vorlesungsverzeichnis. Weitere Informationen durch Social Media, Newsfeed oder das Wetter würden diese Softwarelösung vervollständigen.

 

In Verbindung mit einer App könnte das SmartWalk System, neben der Routenfunktion, erkennen, welches Student oder Mitarbeiter gerade an dem Display vorbeiläuft und ihm auf Wunsch Vorschläge zu alternativen oder ausfallenden Veranstaltungen anzeigen. Auch standortbezogen Informationen auf das eigene Smartphone zu erhalten wäre umsetzbar. Diese Funktionen nutzen andere Apps , wie z.B. „SmartPlaces“, bereits.

Bei hoher Nutzerdichte, wie z.B. bei Events oder nach Vorlesungen, würden sich jedoch eher große Projektionsflächen anbieten. Hier wäre eine Darstellung auf dem Boden wohl eher hinderlich. Der Projektor könnte hierfür eigenständig, z.B. durch eine schwenkbare Einheit, die Anzeige auf die Wand projizieren. Einen weiteren Vorteil bietet das System durch die mögliche versteckte Integration am Campus. Wenn die Projektoren ausgeschaltet sind, sind die Projektionsflächen unsichtbar. Bei nicht idealen Lichtverhältnissen am Tag oder bei einfallendem Sonnenlicht könnte Rückprojektion helfen. Auch wenn es inzwischen zum Alltag gehört, dass Mobiltelefon ständig greifbar zu haben, ist es vorteilhaft, dass das ganze System auch unabhängig von Endgeräten arbeiten kann. Dennoch wäre eine Kooperation mit Smartphones praktisch.

Photo: TransitScreen/ SmartWalk

Auch wenn die ständige und weitreichende Information der Campusbesucher praktisch und anwendungsorientiert ist, gibt es dennoch einige Kehrseiten. So wirft ein umfangreicher Datenaustausch und die Interaktion mit dem Anwender die Frage des Datenschutzes auf. Vor allem wenn das Display mit der Smartphone des Benutzers interagiert. Und natürlich ist die Information mittels Projektion nicht immer die optimale Lösung. Auch die Wartung des Projektors ist recht kostspielig. Durch die Lebensdauer der Leuchtmittel, die zwischen 2000 – 5000 Stunden liegt, ist die Betriebszeit auf drei bis sieben Monaten begrenzt.

 

 

Photo: TransitScreen/ SmartWalk

Gruppenarbeit: ECI in Vorlesungen
Auch wenn in Vorlesungen eher zugehört und mitgeschrieben wird, könnte man die Anwendung auch hier vielseitig einsetzen. Die SmartPlaces Funktion würde es dem Studierendes ermöglichen sich zu Beginn der betreffenden Vorlesung einzuloggen. So könnte man sich vor Vorlesungsbeginn über Inhalt und Verlauf der Vorlesung informieren und auch die online gestellten Folien herunterlade, um sich in diesen direkt mit dem Tablet Notizen zu machen. Darüber hinaus würde während der Veranstaltung die Möglichkeit bestehen, dem Vortragenden ein Feedback zu geben. Die ist bereits bei der MOFIAS App möglich. Falls man etwas nicht mitgekommen hat, wäre während der Vorlesung ein Datenaustausch unter den Studierenden möglich, der natürlich während Klausuren abgeschaltet ist 😉 Zum Semesterende könnte auch die Evaluation anonymisiert über die Smartphones erfolgen.

Ortsspezifisch: ECI in den Instituten
Um die Vernetzung nicht nur auf die großen Hörsäle zu beschränken, könnten die einzelnen Institute mit dem UniDisplay verbunden werden. Hier würden Anwesenheitszeiten oder Raumnummern angezeigt werden. Auch Sprechstunden wären sicher hilfreich. In den Institutsräumlichkeiten wäre der Einsatz von Touchscreens eine Möglichkeit, dem Nutzer Details zu den angezeigten Informationen zur Verfügung zu stellen. Dies würde sich sicher bei angebotenen Projektarbeiten oder offenen Bachelor- und Masterthesen anbieten. Auch HiWi Stellen, die nicht unbedingt immer auf den Insitutsseiten zu finden sind, könnten dort eingebunden werden. Die Mitarbeiter könnten die Stellen direkt auf dem Display ausschreiben, und würden den Studenten die Suche im Institut ersparen. So könnten natürlich alle Jobangebote der Universität online über das Netzwerk angezeigt werden.
Da viele Institute ihr eigenes Design pflegen, wäre eine individuelle Anpassung der Oberfläche und des Layouts problemlos umsetzbar. Auch die Freigabe der Daten könnte so individuell angepasst werden.
Natürlich wäre auch an Insituten eine Integration von SmartPlaces umsetzbar. So könnten hier Videos von Projekten oder Informationen zu Forschungsarbeiten präsentiert werden.

Photo: Campusscreen/ Uni-Hamburg; SocialMediaLabor

Nach der Uni: ECI im Wohnheim
Auch wenn die meisten Studierenden glücklich sind nach den Vorlesungen nicht mehr am Campus zu sein, könnte man die Vernetzung in angrenzenden Wohnheimen oder sämtlichen Studentenunterkünften mit anbieten. Hier läge der Hauptfokus auf außeruniversitäre Freizeitgestaltung und Aktivitäten. Auch Tausch- und Verkaufsangebote wie Möbel oder gebrauchte Literatur könnten eingebunden werden. Such- und Angebotsanzeigen für Lerngruppen oder Nachhilfe wären sicher auch sinnvoll. So hätte man sofort ein digitales „Schwarzes Brett“ in den Wohnheimen. Morgendliche Infos zu ausfallenden Veranstaltungen sowie tagesaktuelle News zur Uni wäre natürlich nicht ausgeschlossen. Den umliegenden Nahverkehr, Störungen des Netzes und Veranstaltungen im Stadtgebiet würden in Echtzeit angezeigt. Damit keine Außenstehenden auf dem CampusScreen zufreifen können, wäre eine Schnittstelle mit der Universitätsdatenbank hilfreich. Die Identifikation des Nutzers würde dann über den Uni Login (abc12345@stud.uni-stuttgart.de) erfolgen. So könnten sich auch fremden Studenten leichter mit anderen Studenten zu vernetzen.

Photo: TransitScreen/ SmartWalk

Die Softwarelösung von TransitScreen benötigt grundlegend erst mal nur eine Internetverbindung und einen Stromanschluss. Die Informationen lassen sich auf jedem Display von 10 Zoll, HDTV-Displays bis hin zum Projektor wiedergeben. Die Anwendung funktioniert natürlich auch auf jedem PC, sowie auf allen Smartphones und Tablet`s. Selbstverständlich ist eine eigens entwickelte Softwarelösung ebenfalls umsetzbar. Die Einbindung am Campus würde keinesfalls eine externe Lösung erfordern. Zudem könnte die Uni in Zusammenarbeit mit den Instituten die Anwendung in Eigenregie weiterentwickeln und noch zielgerichteter anpassen und optimieren.

Auch wenn so ein umfangreiches Projekt vielleicht nicht kurzfristig umzusetzen ist, wäre eine digitale Integration ein spannendes und interessantes Projekt. Eine unmittelbare und weit verzweigte Umsetzung würde wohl eher einem digitalen Overkill gleichkommen, die den Anwender wohl eher abschrecken oder sogar überfordern würde. Auch wenn wir erst einen kleinen Teil dieser Anwendungslösung betrachtet haben, sind die Anwendungsmöglichkeiten jedoch theoretisch noch vielfältiger und das Potential bei weitem noch nicht ausgeschöpft.

Was hältst du von dieser Lösung und den Ideen? Wo siehst du weiteres Potential und wo vielleicht sogar Probleme?

_Stefan

Fotos: , SmartWalk, TransitScreen, Universität Stuttgart, Universität Hamburg

ist 2010 aus Westfalen für das Studium der Fahrzeugtechnik nach Stuttgart gekommen und arbeitet nebenher als wissenschaftliche Hilfskraft. Ansonsten fanatisch technikbegeistert und leidenschaftlicher Ruderer. Die restliche Freizeit wird vorzugsweise mit Musik und Literatur gefüllt :)

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