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Aufgaben und Zielsetzungen des Lehrstuhls
Stuttgarter Beiträge zur Risiko- und Nachhaltigkeitsforschung
Aufgaben und Zielsetzungen des Lehrstuhls
Die gesellschaftliche Entwicklung hat im 20. Jahrhundert eine Reihe
von Problemen hervorgebracht, mit deren Ursachen und Wirkungen sich
die Technik- und Umweltsoziologie befasst: Die Bevölkerungsexplosion
führte - zusammen mit starken sozialen Unterschieden zwischen
Industrie- und Entwicklungsländern und weltweit gestiegenen
Ansprüchen an Lebensstandard und Konsumchancen - zu Umweltkrisen
globalen Ausmaßes: Die Menschheit greift immer schneller und tiefer
in die natürliche Umwelt ein. Natur wird in diesem Prozess
konsequent als Ressource behandelt und in eine den materiellen
Bedürfnissen entsprechende Umwelt transformiert. So sind bereits
heute vom Menschen freigesetzte Schadstoffe bis in die letzten
Winkel der Erde nachweisbar. Der Rückgang der lebensnotwendigen
Ozonschicht hat ein globales Ausmaß angenommen, die Belastung der
Atmosphäre mit Treibhausgasen, die bei der Verbrennung fossiler
Brennstoffe entstehen, gefährdet das Weltklima. Aber auch ein
ungebremstes Artensterben, die Vernichtung der tropischen
Regenwälder, die Versauerung des Regens oder die Überfrachtung des
Weltwasserhaushalts mit östrogenäquivalenten Stoffen sind
Begleiterscheinungen des technischen und sozialen Wandels. Seine
Konsequenzen haben vor allem die nachfolgenden Generationen zu
tragen.
Im Zuge der Evolution wurden zugleich immer raffiniertere
Technologien entwickelt und zumeist sehr rasch industriell
umgesetzt. Die Einsatzgebiete von Technik sind vielfältig, ihre
erwünschten und unerwünschten Folgen nicht minder: Technik
durchzieht unser gesamtes Leben. Sie garantiert die
Aufrechterhaltung der materiellen Lebensbedingungen, Kommunikation,
Transport, aber auch Schnelligkeit, Bequemlichkeit, Lebensstandard
und -qualität. Auch aus dem Arbeitsleben ist Technik heute nicht
mehr wegzudenken. Auf der anderen Seite gelingt mittels Technik aber
auch die Intensivierung der Eingriffe in die Natur, wird Technik zum
Gegenstand von Katastrophen, und in den beiden Weltkriegen
entfaltete ihr Missbrauch bislang ungekannte Zerstörungspotentiale.
Die Technik- und Umweltsoziologie bearbeitet eine Vielzahl von
Fragestellungen: Welches sind die Motive, Leitbilder und Prozesse,
die bei der Entwicklung bestimmter Technologien eine Rolle spielen?
Welche Technik setzt sich überhaupt durch, welche Anwendungen
floppen? Wie nimmt die Bevölkerung Technik wahr und welche
Wertmaßstäbe werden herangezogen, um Technik, ihre Chancen und
Risiken zu bewerten? Warum finden manche Technologien und
Anwendungsgebiete großen Anklang in der Öffentlichkeit und warum
erscheinen den Menschen andere Produkte und Anwendungen
unakzeptabel? Welche Rolle spielen hierbei Annahmen über Risiken,
Natur- und Sozialverträglichkeit, Nutzen- und Schadenkalküle, das in
den Medien präsente Bild von Technik oder die Mitbestimmungschancen,
die der Öffentlichkeit bei der Projektierung großtechnischer Anlagen
eingeräumt oder verwehrt werden? Welche Probleme bei der
Konstruktion, Entwicklung und der gesellschaftlichen Anwendung von
Technik sind dafür verantwortlich, dass immer wieder
Technikkatastrophen passieren und welche Verfahren haben sich
bewährt, um (unerwünschte) Technikfolgen abschätzen, prognostizieren
und ggf. vermeiden zu können?
Die umweltsoziologische Kernfrage orientiert sich an der Idee
einer intergenerationellen Gerechtigkeit: Es erscheint weder fair
noch verantwortbar, den nachfolgenden Generationen eine schlechtere
Umweltqualität - und damit schlechtere Lebens- und
Selbstverwirklichungschancen - zu hinterlassen, als unsere
Generation sie vorgefunden hat. Dies ist der Kerngedanke des
Konzeptes »Nachhaltigkeit«, das weltweit als mögliche Richtschnur
für zukünftige Entwicklungen angesehen wird. Davon ausgehend werden
u.a. folgende Fragestellungen behandelt: Welches sind die
gesellschaftlichen Bedingungen dafür, dass die Menschheit Umwelt
vorwiegend als Ressource und Deponie instrumentalisiert? Wie ist es
erklärbar, dass etwa in Deutschland hohes Umweltbewusstsein nur in
sehr geringem Maße mit umweltverträglichem Verhalten korrespondiert?
Welche Maßnahmen ließen sich ergreifen um eine »Nachhaltige
Entwicklung« herbeizuführen, welches sind die Chancen, Risiken und
unbeabsichtigten Nebenfolgen der verschiedenen Strategien?
Diese und weiterführende Fragestellungen werden in turnusmäßig
angebotenen Vorlesungen und Seminaren theoretisch, teilweise auch
anhand empirischen Materials bearbeitet.
Stuttgarter Beiträge zur Risiko- und Nachhaltigkeitsforschung
Die Stuttgarter Beiträge zur Risiko- und Nachhaltigkeitsforschung
präsentieren neue Ideen, die zukünftige Forschung anregen sollen,
oder diskutieren aktuelle Resultate von Forschungen aus dem Bereich
des Lehrstuhls V Technik- und Umweltsoziologie. Alle Bände können hier eingesehen und heruntergeladen werden.
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