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b) Das Studienangebot in Soziologie an der Universität Stuttgart
c) Zur Geschichte der Soziologie an der Universität Stuttgart
Die Soziologie gehört ebenso wie die Politik- und Wirtschaftswissenschaften zu der großen Gruppe der Sozialwissenschaften. Allerdings konzentriert sie sich nicht auf einen bestimmten Ausschnitt des sozialen Lebens, wie z.B. auf die politischen Institutionen einer Gesellschaft, sondern sie befasst sich generell mit dem Zusammenleben von Menschen und den daraus erwachsenen Formen von Gemeinschaft und Gesellschaft. Zur Analyse dieser Prozesse zerlegt die Soziologie die soziale Wirklichkeit in deren kleinste Bausteine und untersucht die Prinzipien, nach denen diese miteinander verbunden werden und nach denen sowohl sehr einfach strukturierte wie auch hochkomplexe soziale Systeme entstehen (wie z.B. die moderne postindustrielle Gesellschaft). Einer der wichtigsten Bausteine des Sozialen ist für die Soziologie das soziale Handeln einzelner oder mehrerer Akteure. Soziologie ist also die Wissenschaft von den sozialen Systemen, die sich durch soziales Handeln herausbilden und die wiederum die institutionellen Bedingungen für weiteres soziale Handeln bzw. für fortgesetzte soziale Systembildung schaffen.
ei der Erforschung der sozialen Systeme benutzt die Soziologie sowohl allgemeine, theorie-bestimmte Analysekonzepte als auch Methoden und Instrumente der Empirischen Sozialforschung. Zu den theorie-bestimmten Analysekonzepten gehören u.a. Theoriemodelle, mit denen erklärt wird, warum Akteure in bestimmten Handlungssituationen (wie z.B. bei der Wahl einer bestimmten Studienrichtung zu Beginn eines Universitätsstudiums) eine bestimmte Handlungsalternative auswählen und andere Möglichkeiten unberücksichtigt lassen. Und zu den Methoden der Empirischen Sozialforschung gehören u.a. Verfahren, mit denen Skalen zur Messung von sozialen Einstellungen konstruiert werden können, aber auch die Verfahren, mit denen entsprechende empirische Skalenwerte ermittelt werden und sodann statistisch ausgewertet werden können.
Dementsprechend organisiert die Abteilung für Soziologie und empirische Sozialforschung (Sozialwissenschaften IV) schwerpunktmäßig Lehrveranstaltungen zu folgenden Bereichen des Stuttgarter Soziologie-Studiums:
- klassische und moderne Theorien der Soziologie (allgemeine soziologische Handlungs- und Systemtheorien),
- Erhebungs-, Meß- und Auswertungsverfahren der empirischen Sozialforschung (Methodik, Statistik, EDV-Einsatz),
- Theorie, Methodik und Anwendung von Verfahren zur Analyse moderner Sozialstrukturen und des Zusammenhangs von Sozialstruktur und sozialem Verhalten.
In der Forschung konzentriert sich die Abteilung für Soziologie und empirische Sozialforschung (Sozialwissenschaften IV) insbesondere auf folgende Themenbereiche:
- Struktur und Dynamik von sozialen Einstellungsmustern und der Zusammenhang von Einstellungen und sozialem Handeln (Einstellungsforschung),
- Ursachen und Folgen des sozialen Wandels im Bereich gesellschaftlicher Institutionen (sozialer Wandel und soziale Ungleichheit),
- Entwicklung und Anwendung von quantitativen Verfahren zur statistischen Analyse sozialer Strukturen und Prozesse (statistische Modellierung).
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Sie können Soziologie an der Universität Stuttgart in vier Varianten studieren:
- als Hauptfach im Bachelorstudiengang "Sozialwissenschaften"
- als Nebenfach in einem Bachelorstudiengang
- als Fächergruppe im Masterstudiengang "empirische Politik- und Sozialforschung" (ab WS 2006/2007)
- als Lehrgebiet im deutsch-französischen BA/MA-Studiengang "Sozialwissenschaften"
Das soziologische Studienangebot in allen drei Studiengängen umfasst mit unterschiedlichen Gewichtungen die Lehrbereiche "Grundlagen der Soziologie", "klassische und moderne Theorien der Soziologie", "Methoden der empirischen Sozialforschung" (einschließlich obligatorischer EDV-Kurse) sowie Inhalte der speziellen Soziologien:
- Sozialstrukturanalyse
- Technik- und Umweltsoziologie
- Arbeits- und Organisationssoziologie
Das vertiefende Studium von Inhalten dieser drei speziellen Soziologien verbindet die theoretisch orientierte Analyse sozialer Strukturen, Probleme und Prozesse mit der praxisorientierten Anwendung von Methoden der empirischen Sozialforschung.
Ergänzt wird das soziologische Lehrangebot durch weitere Veranstaltungen aus anderen Wissenschaftsbereichen. Dies sind (u.a.):
- Städtebau und Architekturplanung
- Umweltschutztechnik
- Arbeitswissenschaft
- Technologiemanagement
Die Lehrinhalte von Magister- und Diplomstudiengang berücksichtigen die Anforderungen verschiedener gesellschaftlicher Berufsfelder, in denen Bedarf an praxis-relevantem und soziologischem Wissen besteht. Dazu gehören folgende Berufsfelder:
- Referententätigkeit (u.a. in
Verwaltungen, Verbänden, Parteien, Kirchen)
- Markt- und Meinungsforschung
- Personalplanung und
Personalentwicklung
- Medien- und Kulturarbeit
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1969
Unter den alten Universitäten gehört die Universität Stuttgart - sie besteht seit ca. 175 Jahren - zu den letzten, die einen Lehrstuhl für Soziologie einrichten. Im Jahre 1969 wird Prof. Dr. Rolf E. Vente zum Ordinarius für Soziologie berufen. Er baut eine Abteilung für Sozialplanung innerhalb des Instituts für Sozialforschung auf und integriert das Lehrfach "Soziologie" in mehrere, bereits bestehende Studiengänge der Universität Stuttgart. Auf einen eigenen Hauptfachstudiengang für Soziologie wird damals ganz bewusst verzichtet. Soziologische Forschung und Lehre wird als "sozialwissenschaftliche Dienstleistung" für die Ausbildung in anderen Studienfächern verstanden.
1980
Die Tradition einer auf Integration ausgerichteten "Stuttgarter Soziologie" wird von Prof. Dr. Günter Endruweit fortgesetzt, der die Nachfolge von Rolf E. Vente antritt. Mit einer äußerst knapp bemessenen personellen Ausstattung gelingt es unter seiner Leitung, die Institutsabteilung "Soziologie und Sozialplanung" weiter auszubauen und zu festigen. Soziologische Lehre und Forschung wird als Serviceleistung für verschiedenste geistes- und ingenieurwissenschaftliche Studiengänge angeboten. Dieses Modell eines Soziologieangebots als zusätzliches Ausbildungsmodul für andere Studiengänge ist vor allem dadurch gekennzeichnet, dass es die Lehre im Hauptstudium auf vier anwendungsorientierte, spezielle soziologische Forschungsrichtungen konzentrierte. Dazu gehören die Entwicklungs-, Gemeinde-, Industrie- und Organisationssoziologie.
1994
Prof. Endruweit wechselt an die Universität Kiel, und Prof. Dr. Dieter Urban wird als sein Nachfolger an die Universität Stuttgart berufen. Mit der Berufung von Prof. Urban verändern sich Form und Inhalte der soziologischen Lehre und Forschung an der Universität Stuttgart. Die Stuttgarter Soziologie wird schrittweise zu einem eigenständigen und vollwertigen Magister-Lehrfach entwickelt, das sich auch inhaltlich an den Standards einer professionell ausgerichteten, soziologischen Lehre und Forschung orientiert. Diese Neukonzeption kann deshalb verwirklicht werden, weil es in Folge der Berufung von Prof. Urban gelingt, zwei neue Professuren für Soziologie an der Universität einzurichten (s.u.).
1994
In Kooperation mit der neu entstandenen Akademie für Technikfolgenbewertung des Landes Baden-Württemberg wird der Lehrstuhl für Technik- und Umweltsoziologie eingerichtet und mit Prof. Dr. Ortwin Renn besetzt. Im Jahre 1996 wird nach dem gleichen Kooperationsmodell der Lehrstuhl für Arbeits- und Organisationssoziologie neu gegründet, auf den Prof. Dr. Hans-Joachim Braczyk berufen wird. Mit den drei in Stuttgart lehrenden Soziologie-Universitätsprofessoren, einem Honorarprofessor (Prof. Dr. Albrecht Ungerer) sowie insgesamt sechs wissenschaftlichen Mitarbeitern und mehreren ständigen Lehrbeauftragten kann der Soziologie in Stuttgart eine inhaltlich und organisatorisch neue Ausrichtung gegeben werden. Dieses "Stuttgarter Modell der Soziologie" ist insbesondere durch vier Merkmale gekennzeichnet:
- Konzentration der Lehre auf die drei Lehr- und Forschungsbereiche: empirische Sozialstrukturanalyse, Technik- und Umweltsoziologie sowie Arbeits- und Organisationssoziologie.
- Intensive Ausbildung im Bereich der quantitativ verfahrenden Methoden der empirischen Sozialforschung (incl. Forschungsmethodik, Statistik, EDV, Projektseminare).
- Verknüpfung von soziologischen Lehrinhalten mit technik- und ingenieurwissenschaftlich relevanten Fragestellungen
- Enge Verzahnung von soziologischen Lehrinhalten und Forschungsaktivitäten (u.a. in Form von Forschungs- und Projektseminaren).
1998
Die drei Abteilungen für Soziologie werden mit dem Stuttgarter Institut für Politikwissenschaft zu einem neuen Forschungsinstitut zusammengeschlossen. Es wird das "Institut für Sozialwissenschaften der Universität Stuttgart" (SOWI) gegründet, in dem die soziologische Lehre und Forschung in drei eigenen Abteilungen für Soziologie organisiert und koordiniert wird. Größere Forschungsprojekte, die am Institut durchgeführt werden, analysieren u.a. den Wandel von sozialen Beziehungen und Einstellungen während der gesellschaftlichen Transformationsprozesse in Ostdeutschland (Prof. Urban), untersuchen neue Formen der Bürgerbeteiligung bei der Implementation von neuen Umwelttechnologien (Prof. Renn) und erkunden die regionalen Optionen für neue Innovationsregime in Baden-Württemberg (Prof. Braczyk). Die Ergebnisse der soziologischen Forschung aus Stuttgart werden in drei selbständigen Veröffentlichungsreihen publiziert (SISS - Schriftenreihe des Instituts für Sozialwissenschaften, Stuttgart; SPS - Stuttgarter Beiträge zur Politik- und Sozialforschung, Stuttgarter Beiträge zur Risiko- und Nachhaltigkeitsforschung).
1998
Es wird der deutsch-französische Diplom-Studiengang "Sozialwissenschaften" eingerichtet. Dieser internationale Studiengang wird gemeinsam von allen Stuttgarter Abteilungen für Soziologie und Politikwissenschaft in Kooperation mit dem l`Institut d'Etudes Politique de Bordeaux (IEP Bordeaux) angeboten. Er wird von deutschen und französischen Studierenden bei jährlichem Ortswechsel sowohl in Stuttgart als auch in Bordeaux studiert.
1999
Tod von Prof. Dr. Hans-Joachim Braczyk. Die Vertretung seines Lehrstuhls übernimmt Frau Privat-Dozentin Dr. Birgit Blättel-Mink. Im Frühjahr 2004 wird die Finanzierung der Vertretungsstelle eingestellt. Gleichzeitig beschließt das Wissenschaftsministerium, die Professur für Organisations- und Arbeitssoziologie einzusparen, so dass die entsprechende Abteilung am Institut für Sozialwissenschaften geschlossen werden muss. Jedoch kann der Lehrstuhl für Umwelt- und Techniksoziologie (besetzt mit Prof. Renn), der im Zuge der Schließung der Akademie für Technikfolgenbewertung ebenfalls gefährdet war, erhalten bleiben und nunmehr mit einer kompletten Ausstattung am Institut für Sozialwissenschaften als eigenständige Abteilung angesiedelt werden.
2003
Im Wintersemester 2003/2004 beginnt an der Universität Stuttgart die Umstellung aller Studiengänge auf das angelsächsisch-orientierte Bachelor/Master-Modell. Das Institut für Sozialwissenschaften bietet dementsprechend ab dem WS 2003/04 einen sechs-semestrigen Bachelorstudiengang "Sozialwissenschaften" an, der ausgewählte Lehrinhalte aus Politikwissenschaft, Soziologie, sozialwissenschaftlicher Methodenlehre umfasst. Dieser Studiengang ist interdisziplinär-sozialwissenschaftlich mit starken praxis-orientierten Anteilen ausgerichtet, wobei die praxis-orientierten Inhalte sowohl fachwissenschaftliche Komponenten (z.B. starke Methodenorientierung mit einer obligatorischen Statistik- und EDV-Ausbildung) als auch berufsrelevante, extrafunktionale Fertigkeiten (u.a. Kommunikations- und Präsentationstechniken) betrifft. In der Folge dieser Restrukturierung werden an der Universität Stuttgart die "alten" Magisterstudiengänge im Wintersemester 2005/06 für Studienanfänger komplett geschlossen und können nur noch von Magister-Studierenden in höheren Fachsemestern bis zum Magister-Examen fortgeführt werden.
2006
Im Wintersemester 2006/07 eröffnet das Institut für Sozialwissenschaften einen neuen, 4-semestrigen Master-Studiengang. Der Masterstudiengang "Empirische Politik- und Sozialforschung" bietet deutschen und ausländischen Absolventen sozialwissenschaftlicher Bachelor-Studiengänge eine einzigartige Chance für einen integrierten deutschsprachigen Studiengang in Soziologie und Politikwissenschaft mit einer forschungsgeleiteten Orientierung und einem Schwerpunkt auf theoriegeleiteter Empirie. Der Studiengang ist einerseits an den internationalen Standards für sozialwissenschaftliche Ausbildungsgänge angelehnt, andererseits aber auch auf die besonderen Bedürfnisse einer sozialwissenschaftlich geprägten Berufspraxis ausgelegt. Neben theoretischen und methodischen Grundkenntnissen vermittelt der Studiengang auch kommunikative und praxisorientierte Kompetenzen.
2009
Es werden ein neuer Lehrstuhl und eine neue Institutsabteilung für “Organisationssoziologie und Innovationssoziologie” eingerichtet. Der Lehrstuhl wird mit Prof. Dr. Ulrich Dolata besetzt. Damit wird das Lehrfach “Soziologie” an der Universität Stuttgart wieder mit drei Lehrstühlen unterrichtet.
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