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Forschungsprojekt MAPS

Meta-Analyse zum Stand der empirischen Erforschung psycho-sozialer Ursachen von pädosexueller Delinquenz

(Meta-analysis concerning the developments of empirical research on psychosocial causes of becoming a perpetrator of sexual child abuse)

Projektdaten

Projektlaufzeit

2 Jahre (01.10.2010 bis 31.09.2012)

Finanzierung

gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG)

Leitung

Prof. Dr. Dieter Urban

Wissenschaftliche Mitarbeiter

Joachim Fiebig, Dipl.-Soz.Wiss.
Stephanie Sauer, Dipl.-Soz.Wiss.

Studentische Hilfskräfte

Manuela Marquart

Vanessa Pfau

Gerrit Rüdebusch

Kontaktadresse

Universität Stuttgart
SOWI - Abteilung f. Sozialwissenschaften IV
Seidenstr. 36
70174 Stuttgart
Tel.: 0711-685-83578
Fax: 0711-685-82768



Arbeitspapiere/Publikationen

Projektpaper 1:
Erstellung des Screeningschemas - Dokumentation der Entwicklung und der Tests

Projektpaper 2:
Durchführung der Literaturrecherche zur Identifikation von Primärstudien

Projektpaper 3:
Stand der meta-analytischen Forschung

Projektpaper 4:
Methoden der quantitativen Meta-Analyse. Effektstärken, das "klassische" Meta-Analyse-Verfahren und das Verfahren der Mehrebenenanalyse

Inhalt des Projekts

In der sozialwissenschaftlichen Forschung wird pädosexuelle Viktimisierung häufig als eine psycho-soziale Ursache pädosexueller Delinquenz postuliert ("Opfer-Täter-Transitions-Hypothese"). Die empirischen Forschungsergebnisse sprechen zum Teil für einen Zusammenhang zwischen pädosexueller Viktimisierung und pädosexueller Delinquenz (u.a. Dhaliwal, Gauza, Antonowicz/Ross,1996; Seghorn, Prentky/Boucher 1987; Urban/Lindhorst 2003, 2004; Urban/Fiebig 2010, 2011). Allerdings variiert die Stärke der gefundenen Zusammenhänge und es existieren Forschungsergebnisse, die dem postulierten Zusammenhang wiedersprechen (u.a. Hanson/Slater 1988; Schneider 1999; Slater, McMillan, Richards, Talbot, Hodges, Bentovim, Hastings, Stevenson/Skuse 2003).

Vorrangiges Ziel des MAPS-Projekts ist deshalb die Untersuchung der Ergebnisse empirischer Studien zum Zusammenhang von pädosexuellen Opfererfahrungen und pädosexueller Delinquenz mit der Methode der quantitativen Meta-Analyse, die die Zusammenfassung verschiedener Untersuchungsergebnisse zu einem wissenschaftlichen Forschungsgebiet ermöglicht.

Die Datenanalyse einer Meta-Analyse besteht zum einen aus der Integration der Einzelergebnisse von Primärstudien und zum anderen aus der Untersuchung der Varianz dieser Einzelergebnisse. Zur Integration der Einzelergebnisse dienen Effektstärkeindizes (z.B. Odds Ratio), die die Stärke und das Ausmaß der Ergebnisse messen, die sich in Primärstudien einstellen. Bei der Untersuchung der Varianz geht es hingegen darum festzustellen, inwiefern sich die Merkmale der jeweiligen Studien, auf die vorgefunden Zusammenhänge auswirken. Somit erlaubt dieses quantitative Verfahren die Analyse potenzieller Erklärungsfaktoren für die unterschiedlichen Forschungsergebnisse. In Form von Moderatoranalysen kann der Einfluss von Studienmerkmalen (z.B. unterschiedliche Operationalisierung von "pädosexueller Viktimisierung" und "pädosexueller Delinquenz" in den einzelnen Primärstudien), Probandenmerkmalen (z.B. Geschlecht oder Alter) oder Merkmalen der Viktimisierung (z.B. mit vs. ohne Gewaltanwendung) auf den Zusammenhang zwischen pädosexueller Viktimisierung und pädosexueller Delinquenz getestet werden.

Der Fokus des Forschungsinteresses des Projekts liegt auf folgenden Aspekten:

  • Auswertung der vorhandenen Daten zur Schätzung der Effektstärke pädosexueller Opfererfahrung auf die Entstehung pädosexueller Delinquenz.

  • Analyse potenzieller Moderatorvariablen (Studien-, Probanden- und Viktimisierungsmerkmale).

  • Erarbeitung eines systematischen Überblicks über die sozialwissenschaftlichen Forschungsarbeiten und Ergebnisse im Bereich der Entstehung pädosexueller Delinquenz unter Angabe der dabei ermittelten bedeutsamen Korrelate und Moderatorvariablen, die als Ausgangspunkt für weitere Forschungsarbeiten dienen können.

Literaturnachweis:

Dhaliwal, G. K. /Gauzas, L. /Antonowicz, D. H. /Ross, R. R., 1996: Adult Male Survivors of Childhood Sexual Abuse: Prevalence, Sexual Abuse Characteristics, and Long-Term Effects. Clinical Psychological Review 19, 619-639.

Hanson, R. K. /Slater, S., 1988: Sexual victimization in the history of child sexual abusers: A Review. Annals of Sex Research 1, 485-499.

Schneider, H. J., 1999: Kriminologie der Sexualdelikte - Teil 1. Kriminalstatistik 53, 233-238.

Seghorn, T. K. /Prentky, R. A. /Boucher, R. J., 1987: Childhood Sexual Abuse in the Lives of Sexually Aggressive Offenders. The American Academy of Child and Adolescent Psychiatry 26, 262-267.

Slater, D. /McMillan, D. /Richards, M. /Talbot, T. /Hodges, J. /Bentovim, A. /Hastings, R./Stevenson, J. /Skuse, D., 2003: Development of Sexually Abusive Behaviour in Sexually Victimised Males: A Longitudinal Study. The Lancet 361, 471-476.

Urban, D./Fiebig, J., 2011: Pädosexueller Missbrauch: wenn Opfer zu Tätern werden. Eine empirische Studie. Zeitschrift für Soziologie 40(1): 42-61.

Urban, D./Fiebig J., 2011: Pädosexuelle Viktimisierung und pädosexuelle Straffälligkeit. Ein „harter“ empirischer Hypothesentest. Schriftenreihe des Instituts für Sozialwissenschaften der Universität Stuttgart, SISS No. 1/2011.
Volltext
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Urban, D./Fiebig, J., 2010: Wird pädosexuelles Verhalten in jungen Jahren erlernt? Eine empirische Fall-Kontroll-Studie. Soziale Probleme 21(2): 221-240.

Urban, D./Lindhorst, H., 2004: Erhöht ein Opfer-Täter-Zyklus das Risiko, Sexualstraftaten als pädosexuelle Straftaten zu begehen? Ergebnisse einer ereignisanalytischen Pilotstudie. SISS - Schriftenreihe des Instituts für Sozialwissenschaften der Universität Stuttgart 1/2004.
Volltext (pdf iconpdf -205 kB)

Urban, D. /Lindhorst, H., 2003: Vom Sexualopfer zum Sexualtäter? Unterscheiden sich pädosexuelle Straftäter von anderen Sexualstraftätern durch ein erhöhtes Opfer-Täter-Risiko? - Eine empirische Pilotstudie. Soziale Probleme 14 (2), 137-161.