Lehrbereiche
- Politische Ideengeschichte
- Politische Theorien
- Analyse und Vergleich demokratischer Systeme
Politische Ideengeschichte
Gegenstand dieses Bereiches sind die Vielzahl politischer Ideen,
die die Menschen im Verlaufe ihrer Geschichte erstellt und mit denen
sie sich auseinandergesetzt haben. Im Mittelpunkt steht dabei die
europäische Geschichte. Darüber hinaus werden aber auch die
politischen Ideen der altorientalischen Reiche berücksichtigt.
Leitende Gesichtspunkte bei dem Studium der politischen Ideen sind
zum einen die gesellschaftliche Bedingungen, unter denen sie
entstanden sind und in denen sie wirkungsmächtig wurden. Zum anderen
wird gefragt, welche politischen Ideen auch in unserer heutigen Zeit
noch bedeutsam sind und welche historischen Kontinuitäten bestehen.
Die politische Ideengeschichte zeigt unter anderem, wie sich die
Vorstellungen einer guten und gerechten Ordnung im Laufe der Zeit
wandeln und wie die Auseinandersetzungen zwischen gesellschaftlichen
Gruppen um die entsprechende Deutungshoheit stattfinden. Die
Aneignung der politischen Ideen aus der Geschichte stellt eine
unverzichtbare Grundlage für das Verständnis der Politik unserer
Zeit dar.
Politische Theorien
Politische Theorien können in
normative und deskriptive Theorien unterteilt werden. Bei den
normativen Theorien geht es um Vorstellungen darüber, wie Politik
gestaltet sein sollte. Diese Theorien werden gemeinhin der
politischen Philosophie zugerechnet. Wichtige Vertreter der
politischen Philosophie der letzten Dekaden sind z. B. John Rawls,
Benjamin Barber, Charles Taylor und Jürgen Habermas. Diese
normativen Theorien können unter mehreren Gesichtspunkten analysiert
werden. Erstens, wie gut ihre Prämissen begründet sind und inwieweit
die darauf basierenden Aussagen logisch einwandfrei abgeleitet
werden. Zweitens, welche Wirkungen diese normativen Theorien in der
wissenschaftlichen und öffentlichen Diskussion gehabt haben,
drittens, welche Vorstellungen aus diesen Theorien von den Bürgern
der verschiedenen Länder akzeptiert oder abgelehnt werden. Die
beiden letztgenannten Gesichtspunkte beziehen sich schon auf den
Bereich der deskriptiven Theorien, obgleich ihr Gegenstand normative
Vorstellungen der Politik sind.
Deskriptive Theorien bestehen aus beschreibenden und erklärenden
Aussagen über die Wirklichkeit. Diese werden anhand von systematisch
erhobenen Daten und mit angemessenen Methoden empirisch überprüft
und auf diese Weise entweder bestätigt oder widerlegt. Innerhalb der
deskriptiven Theorien können allgemeine Theorien und
objektspezifische Theorien unterschieden werden. Eine wichtige
allgemeine Theorie stellt die Systemtheorie der Politik dar, wie z.
B. die von Luhmann und Easton. Diese ist allerdings eher als ein
theoretischer Bezugsrahmen für konkrete Analysen zu bezeichnen, weil
sie kaum erklärende Aussagen enthält. Eine andere wichtige
allgemeine Theorie, die gegenwärtig in der amerikanischen
Politikwissenschaft vorherrscht, ist die Rational-Choice-Theorie.
Diese geht von der grundlegenden Annahme aus, dass das Handeln der
Menschen auf der Grundlage von Nutzenkalkulationen geschieht.
Objektspezifische Theorien der Politik beziehen sich auf bestimmte
Gegenstandsbereiche und versuchen, beschreibende und erklärende
Aussagen darüber zu formulieren. Beispiele dafür sind die
verschiedenen Theorien des Wahlverhaltens und der politischen
Beteiligung insgesamt, politische Einstellungstheorien und Theorien
der Leistungsfähigkeit politischer Systeme.
Analyse und Vergleich demokratischer Systeme
Den Schwerpunkt der empirischen Forschung der
Abteilung bildet die Analyse und vor allem der Vergleich
demokratischer Systeme. Die wissenschaftliche Orientierung lässt
sich als eine theoriegeleitete Empirie kennzeichnen. Zur empirischen
Analyse wird zum einen auf schon vorhandene Theorien zurückgegriffen
und zum anderen werden Theorien auch erst erarbeitet. Bei diesem
Forschungsschwerpunkt existieren Anknüpfungspunkte zur Abteilung I.
Der wichtigste Unterschied der Forschungsprogramme beider
Abteilungen besteht in der Analyseebene: Während sich die Abteilung
I vor allem auf die Mikroebene der Bürger bezieht, steht bei der
Abteilung II die Makroebene der politischen Institutionen, des
demokratischen Regimes und der Muster der politischen Kultur in den
einzelnen Ländern im Vordergrund. Der Vergleich der demokratischen
Systeme soll vor allem empirische Evidenzen über die Qualität der
Demokratie in den einzelnen Ländern liefern und zur Klärung der
Frage beitragen, welche Form der existierenden Demokratien unter
normativen Kriterien vorzuziehen sei.