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Abteilung für Politische Systeme und Politische Soziologie (SOWI I)

Profil

Die Abteilung Politische Systeme und Politische Soziologie beschäftigt sich mit politischen Prozessen und Institutionen und deren Einfluss auf Wirtschaft und Gesellschaft. Diese werden im Wege theoriegeleiteter empirischer Forschung untersucht. Die dazu angewandten Untersuchungsmethoden reichen von der statistischen Auswertung von Umfragedaten und Dokumentanalysen über Fallstudien zu Experimenten unter Laborbedingungen. In der Regel werden dabei international vergleichende Daten analysiert. Die Forschungsaktivitäten der Abteilung sind drei Clustern zugeordnet: Interessenvermittlung und Lobbying, Bürgerbeteiligung und demokratische Innovation sowie Einstellungen zu Policies.

In liberalen Demokratien gibt es eine Vielzahl organisierter Interessen, die darauf abzielen, Regierungshandeln durch Lobbying zu beeinflussen. Dies hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen und wird zunehmend professioneller. Lobbystrategien reichen von Gesprächen auf Elitenebene bis hin zu medienwirksamen Massenprotesten. Laufende Forschungsprojekte im Cluster Interessenvermittlung und Lobbying befassen sich mit dem Verhältnis zwischen den politischen Standpunkten von Bürgern und Verbänden einerseits sowie den Schwerpunkten von Regierung und Gesetzgebung andererseits (siehe Projektbeschreibung Agendas and Interest Groups). Ferner werden die politischen Betätigungen der Unternehmen unter die Lupe genommen und mit den sozialen Selbstverpflichtungen der Unternehmen („Corporate Social Responsibility“) abgeglichen (siehe Projektbeschreibung Borderless Politics). Ein drittes Projekt befasst sich mit dem Einfluss unternehmerischer und gesellschaftlicher Akteure auf die Gesetzgebung der Europäischen Union (siehe Projektbeschreibung INTEREURO). Weitere Forschungsarbeiten in diesem Cluster behandeln die Interessenvertretung in Baden-Württemberg, die politische Rolle der Wirtschaftskammern, transnationale Wirtschaftsverbände sowie das Verhältnis von Lobbyismus und Korruption.

Das Cluster Bürgerbeteiligung und demokratische Innovation beschäftigt sich mit der Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern an gesamtgesellschaftlichen Entscheidungen – einem zentralen Wesensmerkmal von Demokratien. Wahlen sind die zentrale Form politischer Beteiligung in repräsentativen Demokratien. Vermehrt erfolgen gesamtgesellschaftliche Entscheidungen – vor allem auf kommunaler Ebene – auch in Form von unmittelbaren Abstimmungen der Bürger (direkte Demokratie). Darüber hinaus finden wir in der Praxis eine zunehmende Nutzung kooperativer (dialogischer) Beteiligungsmöglichkeiten. Hier haben die Bürgerinnen und Bürger zwar kein Entscheidungsrecht; sie werden aber in die Vorbereitung von Entscheidungsprozessen frühzeitig einbezogen. Zu diesen Verfahren gehören u.a. Runde Tische, Zukunftskonferenzen, Planungszellen oder Bürgerhaushalte. Laufende Forschungsprojekte in diesem Cluster beschäftigen sich mit der Frage nach der automatisierten Erfassung dialogischer Beteiligungsformen mittels Web-Scraping (siehe Projektbeschreibung Datenbank dialogische Bürgerbeteiligung), mit den Folgen von direkter Demokratie und dialogischen Beteiligungsformaten sowie den Einstellungen verschiedener Akteure zu diesen Beteiligungsformen (siehe Projektbeschreibung Wirkungen von Bürgerbeteiligung).

Im Cluster Einstellungen zu Policies werden Orientierungen der Bevölkerung gegenüber Inhalten aus unterschiedlichen Politikfeldern untersucht. Ein laufendes Forschungsprojekt befasst sich mit Einstellungen zu Freiheitsrechten und Policies der Inneren Sicherheit in Deutschland (siehe Projektbeschreibung Civil Liberties). Konkret wird mithilfe von Umfragedaten und vielfältigen Experimenten in Umfragen erörtert, in welchen Situationen und aus welchen Gründen (z.B. Angst vor terroristischer Bedrohung) die Bevölkerung bestimmte Einschränkungen von Freiheitsrechten durch Maßnahmen der Inneren Sicherheit akzeptieren würde. Darüber hinaus werden Einstellungen zu wohlfahrtsstaatlicher Politik untersucht, wobei insbesondere die Rezeption von Veränderungen dieser Politikinhalte (z.B. Reformen von Alterssicherung oder Familienleistungen) im Mittelpunkt bisheriger Arbeiten stand. Weitere Forschungsarbeiten in diesem Cluster befassen sich mit dem Zusammenhang zwischen spezifischen Politikinhalten (z.B. Rechte für Homosexuelle) und Einstellungen zu diesen Policies. Sie gehen unter anderem der Frage nach, wie der Einfluss von Orientierungen der Bürger gegenüber Policies auf entsprechende Politikinhalte aussehen könnte.

In der Lehre bietet die Abteilung im Rahmen der sozialwissenschaftlichen Bachelor- und Master-Programme sowie des deutsch-französischen Doppelstudiengangs (FIFA) regelmäßig Vorlesungen und Seminare zur vergleichenden Analyse der politischen Systeme Deutschlands und andere Länder an. Außerdem werden vielfältige Veranstaltungen in den Bereichen Bürgerbeteiligung, Wahlen und Parteien, Interessenvertretung, Public Policy, politische Kultur und politisches Verhalten, Demokratisierung und Regimewechsel, Kommunalpolitik, Abschluss- und Examenskolloquien sowie Forschungsmethoden angeboten [Link zu den aktuellen Veranstaltungen]. Die Abteilung ist auch beteiligt an der Lehre im Masterstudiengang Planung und Partizipation.