Forschungsprojekte des Lehrstuhls Stadtplanung und Entwerfen, Prof. Dr. Martina Baum

Themenfeld Elektromobilität: Elektromobilität im Stauferland - integriert in Stadtentwicklung und Klimaschutz. (EMiS)

Elektromobile Stadt

Projektleiter:

Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Rid

Ansprechpartner:
Andreas Braun
Michael Grausam

Laufzeit / Status:
2013-2015

Art der Forschungsarbeit:
Auftragsforschung
Begleitforschung

Projektbeteiligte:
Universität Stuttgart, Städtebau-Institut;
Stadtverwaltung Göppingen Stabsstelle Wirtschaftsförderung (Konsortialführerschaft);
Stadtverwaltung Schwäbisch Gmünd;
Energieversorgung Filstal GmbH & Co. KG (EVF);
Stadtwerke Schwäbisch Gmünd GmbH (STWGD);
Gesellschaft im Ostalbkreis für Abfallbewirtschaftung mbH (GOA), Schwäbisch Gmünd;
Entsorgungs- und Transport GmbH (ETG) in Göppingen-Holzheim; Heldele GmbH, Salach;
Wohnbau GmbH Göppingen (WGG)


Die beiden Mittelstädte Göppingen und Schwäbisch Gmünd liegen als „Stauferstädte“ im Einzugsgebiet der Region Stuttgart. Die beiden Städte haben gemeinsam mit weiteren sechs Partnern sowie dem Städtebau Institut der Universität Stuttgart das Projekt „EMiS – Elektromobilität im Stauferland – integriert in Stadtentwicklung und Klimaschutz“ ins Leben gerufen. Ziel des Projekts ist es, den Beitrag der Elektromobilität zu städtischen Entwicklungs- und Klimaschutzzielen zu erproben. Die Evaluation erfolgt auf Basis einer integrierten Analyse von Stadt-, Mobilität- und Energie-Systemen.

Das Städtebau-Institut analysiert im Projekt EMiS die Wechselwirkungen zwischen Stadtstruktur und (Elektro-)Mobilität.

Dazu wird zunächst die Ausgangssituation in den beiden Städten beschrieben, insbesondere im Hinblick auf die Aufbereitung bestehender Stadtentwicklungs-Konzepte in den beiden Städten, die Ziele der städtischen Entwicklungspfade, integriertes Stadtentwicklungskonzeption sowie Klimaschutzkonzepte und –ziele. Zudem wird der Datenbestand des städtischen Geoinformationssystems hinsichtlich der Möglichkeiten räumlich expliziter Analysen überprüft.

Aufbauend auf der vom Städtebau Institut entwickelten allgemeinen „elektromobilen Quartierstypologie“ wird die Typologie auf die beiden Mittelstädte übertragen. Ziel ist es, eine auf andere deutsche Mittelstädte übertragbare Typologie zu entwerfen, die die Potentiale und Grenzen der Elektromobilität in der Stadtstruktur verankert. Im Ergebnis kann aus der Stadtstruktur anderer Mittelstädte in Deutschland auf die dortigen Potentiale der EM geschlossen werden, insbesondere im Hinblick auf Klimaschutz- bzw. Stadtentwicklungsziele.  

Um die Systeme Stadtstruktur und Mobilität in den Zusammenhang des Energieverbrauchs zu stellen, werden die Elektrofahrzeuge sowohl mit GPS- als auch mit CAN-Daten-Loggern ausgerüstet. Somit können die Energieverbräuche der Fahrzeuge in den Kontext der Stadtstruktur gestellt und analysiert werden, wie sich Elektromobilität im Vergleich zu konventionellen Fahrzeugen oder auch anderen Formen der nachhaltigen Mobilität im Hinblick auf den Energieverbrauch darstellt. Das Thema Elektromobilität wirft zudem die Frage der Bereitstellung von Strom aus regenerativen Quellen auf. Hier wird ebenfalls auf den Anker der „Quartierstypologie“ zurückgegriffen, um zu analysieren, in welchem städtischen Kontext und in welchem Maße geeignete Flächen zur Produktion regenerativer Energie zur Verfügung stehen. Die Ergebnisse des Arbeitspaketes „Energie“ fließen in die Klimaschutzkonzeption der Städte ein und zeigen die Möglichkeiten und Grenzen auf, wie Elektromobiltiät zur Umsetzung energieautarker Städte und Regionen beitragen kann.

Der Mensch als Nutzer von Mobilitätsdienstleistungen hat entscheidenden Einfluss auf die Verkehrs- und dadurch induzierten Energieströme: Daher werden in EMiS die Nutzer der Elektrofahrzeuge nach ihren Mobilitätsgewohnheiten befragt. Im Vordergrund stehen dabei Fahrtzwecke- und –wege, Nutzung intermodaler Angebote sowie Nutzung von Sharing-Systemen.

Gemeinsam mit den Partnern werden unterschiedliche Fallstudien erarbeitet und damit die Nutzung von Elektromobilität praxisnah getestet: Beispielsweise wird ein Wohnortnahes eCarSharing System erprobt werden, das den in einem neuen Wohnbauprojekt dezentral produzierten Strom (Kraft-Wärme-Kopplung) mit der Betankung von eCarSharing-Fahrzeugen verbindet. Es wird ein Hybrid-Abfallsammler eingesetzt, um die energetischen Einsparmöglichkeiten bei kommunalen Nutzfahrzeugen zu untersuchen sowie Möglichkeiten der Erweiterung der Leerungszeiten durch leiseren Entsorgungsverkehr. Zur Analyse der Nutzung von Elektrofahrzeugen werden nicht nur die Fahrer der neuen EMiS-Flotte befragt, sondern zudem diejenigen Halter von Elektrofahrzeugen, die bereits seit Jahren, teilweise Jahrzehnten, ein Elektrofahrzeug besitzen (“Early Adopters“).

Jeder Partner bzw. jedes Fallstudienprojekt liefert Daten über die Nutzen der unterschiedlichen Elektrofahrzeuge (Geodaten; Energie- und CO2-Verbrauch etc.), die vom Städtebau Institut in eine Gesamtmodellierung der Potentiale und Grenzen von Elektromobilität im Hinblick auf Stadt- und Klimaschutzziele eingebunden werden. Die Modellierung wird zusätzlich mit Sekundärdaten aus Gemeindestatistiken ergänzt und mit den Daten der Nutzerbefragungen kalibriert.

Die Ergebnisse werden in Form eines Handlungsleitfadens für Kommunen dargestellt, in dem praxisnah aufgezeigt werden soll, wie sich eine Kommune zur „elektromobilen Stadt“ entwickeln kann. Die Projektlaufzeit beträgt 24 Monate, der Projektstart erfolgte am 01. September 2012.

aktualisiert: 16.02.2013