Protokoll – Jurysitzung nextcity 2010 – 13. Oktober 2010
Juryprotokoll als .pdf zum Download (236kb; Stand: 04.11.10)
Präsentation zur Preisverleihung als .pdf zum Download (2,2 mb, Stand: 04.11.10)
Anwesend:
Preisrichter:
Ursula Hochrhein, München
Prof. Klaus Humpert, Freiburg
Prof. Franz Pesch, Stuttgart
Prof. Andreas Quednau, Stuttgart
Prof. Peter Zlonicky, München
Thomas Hoffmann-Kuhnt, Freiburg
Entschuldigt:
Prof. Heinz Nagler (Cottbus); Prof. Markus Neppl (Karlsruhe); Francesca Ferguson (Basel)
Vorprüfung:
Dipl.-Ing. Britta Hüttenhain
Dipl.-Ing. Johannes Kappler
Feststellung des Preisgerichts
Insgesamt wurden 73 Beiträge aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zum Wettbewerb „nextcity – Innovationen für die Stadt von Morgen“ eingereicht. Eine Arbeit lag nur digital vor. Bei einzelnen Teilnehmern fehlten Immatrikulationsbescheinigungen. Einige Arbeiten haben den erlaubten Umfang überschritten. Die Jury entschied, alle Arbeiten zuzulassen. Bei fehlender Immatrikulationsbescheinigung wurde beschlossen, die Arbeit gegebenenfalls unter Vorbehalt auszuzeichnen. Bei Überschreitung der zur Verfügung stehenden Fläche wurde der Umfang der Arbeit reduziert.
Die Jury war erfreut vom inhaltlich breiten Spektrum der eingereichten Arbeiten, die bei unterschiedlichen Lehrstühlen / Universitäten erarbeitet wurden. Einige Lehrstühle hatten spezielle Entwurfsthemen herausgegeben.
Das Preisgericht hat sich bemüht, das Augenmerk auf innovative Ansätze zu richten und Antworten zur nächsten Schicht der Stadt bei der Auswahl der Arbeiten abzubilden. Die engere Wahl und besonders die mit Preisen und Anerkennungen ausgezeichneten Arbeiten bestechen in diesem Sinne durch eigenständige Ideen und Entwurfshaltungen. Sie präsentieren Lösungen, die einen Beitrag zur Stadt von Morgen leisten.
Vorgehensweise
Die Jury tritt um 9.30 Uhr zusammen.
Herr Pesch begrüßt das Preisgericht am Städtebau-Institut der Universität Stuttgart. Mit einstimmigem Beschluss wird Andreas Quednau (bei seiner Enthaltung) zum Preisgerichtsvorsitzenden bestimmt.
Als Verfahrensweise wird ein positives Auswahlverfahren beschlossen. In einem Informationsrundgang wird jede Arbeit von der Vorprüfung wertfrei vorgestellt. In einem ersten Wertungsrundgang werden alle Wettbewerbsbeiträge kritisch betrachtet. Aus den 73 eingereichten Beiträgen werden 20 Arbeiten weiter verfolgt. Im zweiten Rundgang werden die verbleibenden Arbeiten erneut begutachtet und diskutiert. 13 Wettbewerbsbeiträge verbleiben in der engeren Wahl. In Kleingruppen werden diese Arbeiten vertieft begutachtet und schriftlich bewertet. In einem dritten Wertungsrundgang wird die Rangfolge festgelegt.
Es werden 3 Preise, 6 Anerkennungen vergeben; 4 interessante Beiträge verbleiben in der engeren Wahl. Die Preissumme wird um 200,- € erhöht, um drei gleichrangige Preise mit je 900,- € Preisgeld auszeichnen zu können. Preise und Anerkennungen werden in einem Sonderdruck von wettbewerbe aktuell veröffentlicht. Die engere Wahl wird namentlich genannt.
Bewertung der Preise und Anerkennungen
Preis (900,- €) – Wohnen unter Bäumen in Kivinokka, Helsinki
Julia Kolk, Lea Schanz – Universität Stuttgart
In ihrem Bebauungsvorschlag für die finnische Halbinsel Kivinokka gelingt es den Entwurfsverfasserinnen, die Topographie des Ortes zu inszenieren und die einzelnen Wohnquartiere in das bewegte Relief einzubetten. Lichtungen, die den öffentlichen Stadtraum bilden, werden aus dem vorhandenen Wald herausgeschnitten und vier Quartiersinseln eingestellt, die jede für sich aufgrund differenzierter Gebäudetypologien und Bebauungsdichten individuelle Nachbarschaften generieren.
Als Beitrag für die zukünftige Schicht der Stadt steht das Thema der Nachhaltigkeit im Zentrum der Überlegungen. Dieses Thema wird vielschichtig mit innovativen Lösungen zu den Aspekten Mobilität, Energieversorgung und Konstruktionsweisen nachgewiesen. Die Präsentation der vorgeschlagenen Maßnahmen beschränkt sich nicht nur auf die Darstellung einer technischen Lösung. Die Entwurfsverfasser zeigen das Potential, mit diesen Mitteln einen prägnanten Stadtraum zu generieren und die zukünftigen Bewohner der Halbinsel für eine nachhaltige Lebensweise zu sensibilisieren. Das Thema der Nachhaltigkeit wird nicht von außen auf die Halbinsel appliziert, sondern entwickelt sich aus den besonderen Begabungen des Ortes.
Preis (900,- €) – Wohnhybride
Claudia Heß – Technische Universität Berlin
Als städtebauliches Gegenbild zu den Monostrukturen der Berliner Plattenbauten entwirft die Verfasserin eine neue urbane Textur. Die Wohnhybride, die nach einer gründlichen, auch Referenzprojekte reflektierenden Analyse vorgestellt werden, weisen über die übliche Nutzungsmischung hinaus. Die klassischen Zutaten funktionsgemischter Quartiere – Wohnen und Arbeiten – werden mit öffentlichen Einrichtungen und Freizeitangeboten für alle Altersgruppen angereichert. Im Ergebnis entstehen skulpturale Gebäude, die mit urbaner Vielfalt auf den öffentlichen Raum ausstrahlen und eine Belebung ‚rund um die Uhr’ erwarten lassen. Die Jury würdigt einen innovativen Beitrag, der durch eine akribische Durcharbeitung besticht. Es wird überzeugend dargestellt, wie ein schwieriges Grundstück zwischen Plattenbauscheibe und S-Bahn-Bogen in einen urbanen Raum transformiert werden kann.
Stephan Burger, Daniel Gerber – Universität Stuttgart
Ein spannendes strategisches Konzept des Umbaus eines hoch belasteten Industrieareals an einer Wasserstraße zu einem grünen Rückgrat der angrenzenden Wohnquartiere. Drei Bausteine sind differenziert und anschaulich herausgearbeitet:
• die schrittweise Dekontamination und Zwischennutzung der Flächen am Kanal,
• die Verknüpfung und Gestaltung der Flächen zu einem wasserbegleitenden Grünzug und
• die Aufwertung der Quartiere mit kulturellen und sozialen Einrichtungen und mit neuen Wohnungen am Grünzug.
Die Arbeit überzeugt durch ihre sensible und ortsspezifische Vorgehensweise mit der die Umwertung des Gebiets schlüssig vorgeführt wird.
Anerkennung – Die Bleichert-Werke Leipzig: Eine Begegnung mit dem Leerstand
Anika Gründer – Bauhaus-Universität-Weimar
Eine sehr feinfühlige Arbeit die sich mit der Problematik alter leerstehender Fabrikhallen auseinandersetzt. Auf poetische, analytische und architektonische Art wird ein Weg aufgezeigt, wie unter anderem durch die Installation eines Versorgungsnetzes mit Basisstationen die Reanimierung eines geschichtsträchtigen, vom Abriss bedrohten Gebäudes zu einem lebendigen Ort in der Stadt schrittweise möglich werden könnte.
Anerkennung – Instant Kiez
Valentin Ott, Felix Yaparsidi – Universität Stuttgart
Um dem neuen Stadtquartier Identität zu geben und eine Vernetzung mit dem umgebenden Quartier zu schaffen, werden Türme gesetzt. In Verbindung mit diversen Zwischennutzungen ermöglichen sie eine große Nutzungsvielfalt während des möglicherweise langen Bauprozesses und verwachsen langfristig mit den neuen Baustrukturen als dauerhafte Türme zu einem der Bevölkerung bereits vertrauten Stadtraum. So entwickelt die Arbeit einen interessanten Ansatz für die Neuentwicklung eines Quartiers, das gleichzeitig durch Nutzungsflexibilität die Anpassung an sich verändernde Situationen ermöglicht.
Anerkennung – Flowing Bridgeport
Veronika Lachner, Robert Schneider – Technische Universität München
Die Verfasser befassen sich mit dem Strukturwandel der Industriestadt Bridgeport und stellen überzeugend dar, dass es wichtig ist die Qualitäten eines Ortes zu erkennen, Identitäten zu schaffen und Landmarks durch neue zu ergänzen. Über gezielt gesetzte Brücken werden die bisher getrennten, jedoch noch lebendigen Stadtteile verbunden. Die Flächen unter der bisher trennenden Bahntrasse werden durch öffentliche Nutzungen bespielt. Es wird die Orientierung der Stadt zum Fluß gestärkt und der Stadtraum entlang des Flusses durch Abbau der Spundwände zu einem attraktiven Ort entwickelt. Die Monumente des Industriezeitalters werden künstlerisch inszeniert. Überzeugend stellen die Verfasser dar, wie durch Umnutzung und Umwidmung die Potentiale bisher vernachlässigter Industrieareale für die zukünftige Entwicklung von Städten aktiviert werden können.
Anerkennung – Lodz-Manhattan: Reurbanisierung einer Großsiedlung
Jakub Pakula – Universität Stuttgart
Der Verfasser nimmt die Großsiedlung Manhattan, die den Maßstab der Stadt Lodz sprengt und zu unbefriedigenden Außenräumen führt, zum Anlass, um einerseits den Angeboten der fortschreitenden Suburbanisierung einen Gegenvorschlag anzubieten und andererseits lokal den Stadtraum zu reparieren. Durch Entkernung der Hochhausscheiben bietet der Verfasser 3-geschossige Einfamilienhäuser mit Garten in bester Innenstadtlage an, die durch ortstypische Langhofhäuser erweitert werden und den Straßenraum wieder klar definieren. Das Preisgericht würdigt die Arbeit, da es ihr gelingt, durch zwei einfache Maßnahmen auf die Probleme des sozialistischen Städtebaus und aktuelle Dynamiken gleichermaßen kritisch zu reagieren.
Anerkennung – Produktive (Stadt)Landschaften – Algengärten von Cadiz
Melanie Hammer, Waschma Sahin – Technische Universität München
Das Ziel der Arbeit ist ein Umbau einer Salzgewinnungslandschaft in Cadiz in eine Region für Algenproduktion. Damit sollen die speziellen ökologischen Besonderheiten der Salzlandschaft in ihrem Wert erhalten bleiben. Die städtebauliche Innovation soll in ein Projekt einer neuen ökologischen Produktion integriert werden. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt in der Neu- und Umstrukturierung einer Region, die durch die Salzgewinnung beherrscht wurde. Die städtebaulichen Beiträge sind diesem Oberziel untergeordnet und eher ein Nebenprodukt.
Anerkennung – Landshutopenspace
Felix Erlbeck, Johann-Christian Hannemann, Felix Ziegler – Technische Universität München
Die Autoren nehmen den Aspekt der Energiegewinnung zum Ausgangspunkt ihres Projektes. Dabei wählen sie einen begrüßenswerten Ansatz: sie wollen durch Gestaltung des Nützlichen zur Schönheit der Stadtlandschaft beitragen. Am Beispiel der Stadt Landshut benennen die Verfasser Problemfelder im Stadtgebiet und zeigen in aufeinander folgenden Phasen wie mit verschiedenen Mitteln der Energiegewinnung (Energiepflanzen, Energieholz, Solaranlagen, Windkraft) verschiedene Gebiete in der Stadt, wie beispielsweise die Wolfgangsiedlung oder die Brache des westlichen Bahnhofs mit zukunftsfähigen nutzungen belegt und Aufgewertet werden können. Die Jury würdigt den Ansatz zur Gestaltung von Energielandschaften als interessanten Beitrag, da es den Verfassern gelingt, eine nächste Schicht der Stadt in Erlebnisreiche Stadträume zu verwandeln.
Engere Wahl
Im Dickicht der Stadt
Franz Müllner, Miriam Stümpfl – Technische Universität München
Komm zur Quelle
Nadine Kostewa – Universität Stuttgart
Kivinokka re-coded
Deborah Brinkschulte, Carolin Pröpper
Proletaria
Christopher Diebold – Technische Universität Darmstadt
