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MINT-Grundstudium

Die Mehrzahl der Studienabbrüche im MINT-Bereich kann auf eine Reihe konkreter Ursachen zu Beginn des Studiums zurückgeführt werden. Die stetig anwachsende Zahl der Studienanfänger an der Universität Stuttgart tritt das Studium nicht nur mit im Durchschnitt schwächeren, sondern vor allem auch mit immer heterogeneren fachlichen Vorkenntnissen an. Wachsende Defizite sind insbesondere bei der Fähigkeit zum selbständigen, organisierten und strukturierten Lernen zu beobachten. Gleichzeitig wird der Studienbeginn durch anspruchsvolle Vorlesungen mit oft mehreren Hundert Hörern geprägt. Deren Form und die notwendigerweise von Grundlagenwissen dominierten Inhalte entsprechen nicht immer der Erwartungshaltung der Studienanfänger an ein natur- oder ingenieurwissenschaftliches Studium. Ein signifikanter Anteil der Studierenden ist dieser Situation sowohl fachlich als auch methodisch nur unzureichend gewachsen. Es fehlt ihnen an Kenntnissen, Lernkompetenz und mangels Erfolgserlebnisse auch bald an Motivation, um die Anforderungen eigenständig bewältigen zu können. Aus diesen für MINT-Fächer typischen standortunabhängigen Herausforderungen resultiert zum Teil auch die unterdurchschnittliche Zufriedenheit der Studierenden mit der Studieneingangsphase. Hinzu kommt bis 2017 die Notwendigkeit, die doppelten Abiturjahrgänge zu bewältigen, was neben der erhöhten Studentenzahl auch das Nebeneinander von Studierenden mit 8-jähriger und mit 9-jähriger Gymnasialausbildung beinhaltet.

Somit ergibt sich dringender Handlungsbedarf für eine bessere inhaltliche und methodische Betreuung in der Studieneingangsphase. Es ist von hoher Bedeutung für die Hochschulen, den sich ändernden Voraussetzungen der Studienanfänger besser gerecht zu werden, ohne jedoch den Anspruch an eine solide Grundausbildung auf hohem Niveau aufzugeben. Der Handlungsschwerpunkt liegt insbesondere bei den zentralen Veranstaltungen des ersten Studienjahrs. Zudem sollen die erfolgreichen Brückenkurse Mathematik sowohl mit Präsenz- als auch mit Online-Angeboten stabilisiert und ausgebaut werden.

Mit dem Übergang zu Bachelor- und Masterstudiengängen hat sich die Prüfungshäufigkeit während des gesamten Studiums erhöht. Fehlleistungen wirken sich im Studienverlauf stärker aus, denn eine eventuelle Wiederholung einzelner Studienleistungen kollidiert mit der größeren Anzahl fortlaufend anfallender Leistungsnachweise. Dies betrifft insbesondere Prüfungsvorleistungen, deren Erwerb den erneuten Besuch von Lehrveranstaltungen erfordert. Je nach Turnus werden diese aber erst nach einem Jahr erneut angeboten. So können zum Beispiel Übungsscheine zur Vorlesung Höhere Mathematik I jeweils nur im Wintersemester und die Übungsscheine Höhere Mathematik II nur im Sommersemester erworben werden, was zu großen Verzögerungen führt. Daher besteht Bedarf für eine verbesserte Wiederholbarkeit von Prüfungsvorleistungen, damit die betroffenen Studierenden schneller in den planmäßigen Prüfungsrhythmus zurückfinden und sich fachliche Defizite zu Studienbeginn nicht mehr so stark auf den zeitlichen Ablauf des gesamten Studiums auswirken oder gar zum Studienabbruch führen.

Mehrere zentrale Grundvorlesungen nehmen eine zentrale Stellung in der Lehre an der Universität Stuttgart ein. Entwicklungen und Defizite in diesem Bereich betreffen eine große Anzahl von Studierenden in der sensiblen Studieneingangsphase. Diese Veranstaltungen werden jeweils von mehreren Hundert Studierenden aus einer Vielzahl verschiedener Studiengänge besucht, und der reibungslose Ablauf der Veranstaltungen erfordert neben dem fachlichen auch ein beträchtliches organisatorisches Know-how. Sowohl neue spezialisierte Studiengänge als auch der bevorstehende doppelte Abiturjahrgang verstärken den Koordinationsbedarf z.B. bei der Erstellung von Stundenplänen. Deshalb sollen geeignete strukturelle Maßnahmen helfen, der herausgehobenen Bedeutung dieser Veranstaltungen besser gerecht zu werden – von der Verstetigung organisatorischer Abläufe bis hin zur direkten Rückkopplung auf Ebene der zentralen Universitätsleitung.

Der Mathematikausbildung in den ingenieur- und naturwissenschaftlichen Studiengängen kommt dabei sowohl inhaltlich als auch organisatorisch eine wichtige Rolle zu. Aus dem jetzigen Umfang der Veranstaltungen und der entwicklungsfähigen Erfolgsquote ergibt sich zusätzlicher Handlungsbedarf.

Für eine Vielzahl von ingenieur- und naturwissenschaftlichen Studiengängen sind Grundlagenpraktika Bestandteil des ersten Studienjahres. Diese Veranstaltungen stellen ebenfalls hohe Anforderungen an das Personal und die Infrastruktur. Zum jetzigen Zeitpunkt ist es nur bedingt möglich, bei der Auswahl und Durchführung der Versuche die spezifischen Anforderungen der einzelnen Studiengänge ausreichend zu berücksichtigen. Eine Stabilisierung und ein Ausbau dieses Angebotes sind geboten.

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