Forschungsprojekt TEACAN

Tracing Early American Captivity Narratives (TEACaN) ist ein interdisziplinäres Projekt an den Schnittstellen von Literatur- und Kulturwissenschaft, Computerlinguistik und Geoinformatik. Gegenstand des Forschungsprojekts ist das oft als Gründungsgenre der amerikanischen Literatur- und Kulturgeschichte verstandene Captivity Narrative und dessen Rolle für die imaginierten Gemeinschaften in Nordamerika. Ausgangspunkt bilden Berichte von Gefangenen verschiedener „Kontaktzonen“ der westlichen Hemisphäre, die die europäischen Metropolen mit Asien und Afrika sowie Nord- und Südamerika verbinden. Ausgehend von den Ergebnissen der einschlägigen „analogen“ Forschung, erweitert TEACaN das Feld der transnationalen Captivity Studies durch eine computergestützte Analyse von ca. 400 Gefangenschaftserzählungen zwischen 1500 und 1900.
Ziel ist es, topologische und topographische Demarkierungen und Verbindungen aufzuzeigen und somit die multidimensionalen Beziehungen der Captivity Narratives untereinander sowie ihre geographische Ausbreitung zu erfassen. GIS-gestützte Software, web-basierte Lese- und Textanalyse Umgebungen sowie computerlinguistische Verfahren zur Bestimmungen von Handlungsstrukturen sollen Aufschluss geben zu a.) transnationalen literaturhistorischen Entwicklungen, b.) Fragen der Autorschaft im Verhältnis zur Handlungsmacht der erzählenden Subjekte und c.) der spezifischen „Grammatik“, der Ereignis- und Motivstruktur von Captivity Narratives in transhistorischer und transnationaler Perspektive. Neben intertextuellen Zusammenhängen stehen dabei paratextuelle Beziehungen im Fokus, die wiederum Aufschluss geben über die konstitutive Bedeutung der Captivity Narratives für den Literaturmarkt des frühen Amerika.