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Syntax

Die Syntax interessiert sich vor allem für die Regeln, nach denen sich aus Wörtern Sätze bilden lassen. Dass es Regeln geben muss, ist offensichtlich. Man kann Wörter nicht beliebig miteinander kombinieren. So ist die folgende Wortkette kein Satz des Deutschen:
 

In immer der ist steht nicht Zeitung was wahr


Aus genau denselben Wörtern lässt sich jedoch ein grammatischer Satz herstellen:
 

Was in der Zeitung steht, ist nicht immer wahr.


Dass die Wortkette oben reiner Wortsalat ist, aber der zweite Satz korrektes Deutsch darstellt, sagt uns unser »Gefühl«, unser Sprachgefühl.Jedoch sind wir im Allgemeinen nicht in der Lage, jemandem die Regeln zu erklären, gegen die die Wortkette oben verstößt.

Aber wie steht es mit folgender legendären Äußerung, die ein nicht ganz unprominenter Fußballer vor ein paar Jahr von sich gegeben hat:

Was in der Zeitung stimmt, war einfach falsch.



 

Wir müssen schmunzeln, aber was ist es genau, das uns erfreut?
Hat er hier nur nicht das richtige Wort an der geeigneten Stelle zur Verfügung gehabt, oder hat er auch gegen die Syntax des Deutschen verstoßen? Oder amüsiert uns vielleicht die Tatsache, dass der Satz trotz Versprecher irgendwie richtig klingt aber unsinnig scheint?

Unser Sprachgefühl sagt uns oft klar, ob etwas ein Satz des Deutschen ist oder nicht, ob er, einfacher gesagt, "gut" oder "schlecht" ist. Oft hört man, dass Leute kein richtiges Deutsch können oder dem Deutschen Gewalt antun, die folgendermaßen reden:

Es regnet. Weil - die Strasse ist nass.


Wenn man mal darauf achtet, wie Leute wirklich reden, dann sieht man schnell, dass dies sehr verbreitet ist. Geht es also mit den Deutschen bergab? Dass das Deutsche, salopp gesagt, den Bach runter geht, ist ein weit verbreitetes Vorurteil - an dem kaum ein Körnchen Wahrheit haftet. Das Wörtchen weil kann einen Nebensatz einleiten, aber es kann auch am Anfang eines Hauptsatzes stehen. In dieser zweiten Verwendung kann man Dinge ausdrücken, die man mit dem Nebensatz-"weil" nicht kann. So kann man die Äußerung oben nicht wie folgt umformen:

Es regnet, weil die Straße nass ist.


Ist die Grundlage für die Abwertung dieser "Weil"-Sätze wirklich unser Sprachgefühl oder ist es die Abweichung von einem schwer erlernten "So was tut man nicht!"? Die moderne Syntax stellt keine Gesetze auf, wie man sprechen darf, sie will vielmehr untersuchen, wie wir wirklich sprechen; ohne zu werten, ob jemand Dialekt- oder Standardsprache oder irgendwie eigentümlich spricht. Dafür ist Bastian Sick zuständig.