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Phonetik und Phonologie

Die Phonetik und die Phonologie beschäftigen sich beide mit sprachlichen Äußerungen, allerdings aus ganz unterschiedlichen Perspektiven.
Die Phonetik ist auf die Beschreibung sprachlicher Lautäußerungen beschränkt. Es gibt drei große Teilbereiche.

Als Erstes ist die Artikulatorische Phonetik zu nennen. Sie untersucht, welche Sprachorgane zwischen Zwerchfell und Lippen wie agieren, damit ein bestimmter Laut oder eine prosodische Eigenschaft der Stimme (Höhe, Lautstärke, Dauer, Qualität) produziert werden kann. Von den Schnalzlauten einiger Sprachen des südlichen Afrika (siehe z.B. hier) bis zu einem profanen 'e' (dem häufigsten Laut in den Sprachen der Welt) wird alles abgedeckt; heutzutage mit vielen hochtechnischen Experimenten - zur Not genügt es aber auch, den Gaumen mit einer handelsüblichen Nuss-Nougat Creme einzuschmieren, um feststellen zu können, welcher Teil der Zunge bei der Lautbildung involviert war.

Das zweite Teilgebiet ist die Akustische Phonetik. Sie untersucht die Struktur (Frequenz, Amplitude etc.) der komplexen Schallwellen, aus denen die einzelnen Laute bestehen. Außerdem kann man weitere akustische Eigenschaften wie zum Beispiel die Tonhöhe über die Dauer gesamter Äußerungen verfolgen.

Die Auditive Phonetik beschreibt schließlich, was passiert, wenn die Schallwellen das Ohr erreichen. Neben dem Vorgang des Hörens widmet sich diese Disziplin vor allem den sog. psychoakustischen Eigenschaften, also den besonderen Anpassungen des menschlichen Gehörs an die Wahrnehmung von Sprache.

Im Gegensatz zur Phonetik ist die Phonologie eine echt linguistische Disziplin, denn nur sie analysiert Sprachlaute und andere sprachliche Äußerungen innerhalb des Systems einer konkreten Sprache. Viele der messbaren phonetischen Unterschiede zwischen Lauten sind für die Phonologie irrelevant, da sie nicht zu Bedeutungsunterschieden führen. Das gerollte "r" eines Bayern klingt ganz anders als das "r" einer Schwäbin, trotzdem sind sie im Deutschen nicht bedeutungsunterscheidend. Dagegen unterscheidet sich ein "d" von einem "t" nur minimal, die beiden Laute sind aber sowohl im Schwäbischen, als auch im Bairischen bedeutungsunterscheidend (z.B. danken im Gegensatz zu tanken).

Die Phonologie beschäftigt sich außer mit Einzelsegmenten auch mit der Systematik größerer phonologischer Strukturen wie zum Beispiel dem Aufbau der Silbe oder mit Tonkategorien. Sie stellt sich z.B. die Frage, welche Kombinationen von Lauten in einer Sprache erlaubt sind und wie es z.B. in slawischen Sprachen möglich ist, dass Konsonanten wie /r/ oder /l/ den Kern einer Silbe bilden, etwa im tschechischen krk ‘Hals’ oder vlk ‘Wolf’.

Phonetik und Phonologie verbinden also Erkenntnisse über den unmittelbarsten Eindruck menschlicher Sprache, nämlich ihre Artikulation, Übertragung und Wahrnehmung, mit der Erforschung der entsprechende Repräsentationen im menschlichen Geist.