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Quelle: Deutsch-französische Wechselwirkungen, Sommersemester 2001, S. 42f. UND AUSSERDEM...DEUTSCH-FRANZÖSISCHER ÜBERSETZERPREIS AN JUDITH YACARDer Übersetzerpreis zur Förderung der deutsch-französischen Beziehungen, den
die Stuttgarter DVA-Stiftung seit 1986 alle zwei Jahre verleiht, ging in diesem
Jahr an die in Stuttgart lebende Französin Judith Yacar sowie an Jadja Wolf aus
Berlin. Der mit 20.000 DM je Preisträgerin dotierte Preis wurde am 14. März bei
einem Empfang im Pariser Palais Royal verliehen, zu dem die französische
Ministerin für Kultur und Kommunikation Catherine Tasca und Außenminister
Hubert Védrine anläßlich des Salon du Livre, bei dem Deutschland als Ehrengast
auftrat, eingeladen haben.
Die 1971 in Lyon geborene Judith Yacar hat in Saint Etienne und in Kiel
Germanistik studiert. Sie ist seit 1996 am Institut für Linguistik/Romanistik
der Universität Stuttgart als Lektorin tätig. Neben Texten zu Geschichte und
Architektur hat sie bisher die Dissertation von Heiner Wittmann "Sartre
und die Kunst" ins Französische übersetzt.
Die DVA-Stiftung will mit diesem Preis nicht längst bekannte und anerkannte
intellektuelle Bewegungen, eher die Werke von bislang zu Unrecht übersehenen
"Querdenkern" besonders fördern. Er wird an jüngere Übersetzer für
die Vorlage eines Übersetzungsprojekts aus den Geistes- und
Sozialwissenschaften verliehen, das als Schlüsselwerk innerhalb seiner
Disziplin gelten kann. Wenn Judith Yacar die "Aesthetica" (1965) des
Stuttgarter Philosophen und Mathematikers Max Bense ins Französische bringt und
Jadja Wolf "Les lois de l'imitation" (1890) des französischen
Soziologen Gabriel de Tarde in ihre Muttersprache übersetzt, dann kann damit
die interkulturelle Debatte durch theoretische Aspekte bereichert werden, die
außerhalb der eingeführten Denkrichtungen in Kunsttheorie und Soziologie
liegen, heißt es in der Begründung der deutschfranzösischen Jury des
Preises.
In seiner Theorie der modernen Ästhetik rehabilitiert Max Bense (1910 - 1990)
den rationalen, naturwissenschaftlichen Ansatz bei der Beurteilung von Kunst,
der in der traditionellen hermeneutischen Vorgehensweise weitgehend
unberücksichtigt bleibt. Da nicht die Objekte selbst, sondern die vermittelnden
Zeichen schön sind, versucht Max Bense sie mathematisch meßbar zu machen und
Kunstproduktion als eine Spielart der Kommunikation zu beschreiben. Seine
mathematische, semiotische
Vorgehensweise, die später auch den Rezipienten der Kunst miteinbezog, liegt
quer zu den beiden kunsttheoretischen Hauptströmungen, dem her-meneutisch
geprägten Ansatz ebenso wie zur heideggerianisch orientierten Theorie de
l'art. So ist Max Bense, der Zeit seines Lebens regen Austausch mit
französischen Schriftstellern und Philosophen pflegte, in der französischen
Kunst- und Kulturdiskussion heute neu zu entdecken.
Unter dem Thema "Querdenken - Empêcher de penser en rond" haben die
beiden Preisträgerinnen zusammen mit Fachwissenschaftlern am 16. März 2001 auf
dem Salon du Livre, der Pariser Buchmesse, ihre Projekte vorgestellt. Beteiligt
waren außerdem Elisabeth Walther-Bense, emeritierte Philosophieprofessorin und
Ehefrau des verstorbenen Max Bense, Eric Alliez, Herausgeber der Werke von
Gabriel de Tarde in Frankreich, Fritz Nies, Professor für romanische
Literaturwissenschaft, Düsseldorf, und Mitglied der Jury des Preises, sowie
Horst Frank, Geschäftsführer der DVA-Stiftung. Die Veranstaltung stand unter
der Schirmherrschaft von Kulturministerin Catherine Tasca, Erziehungs- und
Forschungsminister Jack Lang sowie des Deutsch-Französischen Kulturrats.
Die gemeinnützige DVA-Stiftung unterhält regelmäßige Programme zur Vertiefung
des kulturellen Austauschs zwischen Deutschland und Frankreich. Neben dem
Übersetzerpreis für geisteswissenschaftliche Projekte, dem einzigen Preis
dieser Art, schreibt sie seit 1997 ebenfalls alle zwei Jahre den
André-Gide-Preis für deutsch-französische Literaturübersetzungen aus und
initiierte das jährliche Programm Theater-Transfer - Übersetzerstipendien für
zeitgenössische Theaterstücke. Seit 1989 finanziert sie eine französische
Gastprofessur an der Universität Stuttgart. Dr. Erika Mursa, DVA-Stiftung, Stuttgart, erika.mursa@dva-stiftung.de |
| Letzte Änderung: 18.4.2001 (ilr) | |