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| Geschichte des Instituts für Kunstgeschichte | |
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aus: H. Röttgen, Nachvollziehende Gedanken zur Geschichte des Instituts für Kunstgeschichte, in: 125 Jahre Institut für Kunstgeschichte, hrsg. von J. Zahlten, Reihe: Reden und Aufsätze, Bd.41, S.28-42.)
Im Jahre 1865 "[...] wurde das Institut für Kunstgeschichte
der Universität Stuttgart begründet. Es ist das
älteste Institut an einer deutschen Technischen Hochschule.
Voran gingen ihm die Universitäten Göttingen, Wien
und Bonn sowie im deutschsprachigen Raum das Polytechnicum
Zürich. Es diente dem Gedanken der Einheit von technischer
und ästhetisch-künstlerischer Kultur. Wilhelm Lübke war der erste Lehrstuhlinhaber, vorher Nachfolger
Jacob Burckhardts auf dem Züricher Lehrstuhl und Kollege
Gottfried Sempers. 1876 schrieb er, daß die Bildung
des ästhetischen Geschmackes an den Sitzen der "gelehrten
Bildung" nichts zählte. Aber schon damals fehlte
es an Mitteln und dem nötigen Stellenausbau. Als Lübke
sich öffentlich darüber beklagte und auf den Ausbau
der Museen und der Kunstgeschichte in Berlin verwies, da wurde
der "norddeutsche Herr" bitter als Beleidiger der
demokratischen Gefühle Württembergs bekämpft.
Er ging 1885 an das Karlsruher Polytechnicum. Lübkes
Ausstrahlung auf das deutsche Bürgertum war gewaltig.
Sein "Grundriß der Kunstgeschichte" gehörte
damals in den besseren bürgerlichen Bücherschrank.
Er sah seine Aufgabe in der Vermittlung des, wie er sagte,
Ewiggültigen und wahrhaft Schönen als ästhetische
Entscheidung. Sein Kunstverständnis ist von einer überhistorischen
Ästhetik geprägt gewesen. Er war dabei fast natürlich
ein Bahnbrecher der Renaissance, zugleich aber auch, von nationalem
Gefühl geprägt, der mittelalterlichen Architektur.
Von ihm stammt [...] der Begriff der "deutschen Hallenkirche".
Es war eine Zeit stark emotional geprägten Erlebens der
Kunst in einer idealistischen Kunstgeschichtsschreibung. Schon sein Nachfolger Carl Lemcke (1885-1903) war ein Verfechter des Realismus, nicht nur der niederländischen Malerei, sondern als zeitweiliger Direktor auch des Museums der Bildenden Künste, Vorgängers der heutigen Staatsgalerie, auch der damals zeitgenössischen Kunst. Er kaufte zuerst Landenberger und andere. Auf Lemcke folgte 1904 der Gemäldekenner Heinrich Weizsäcker.
Bleibend ist sein Band "Kunst und Künstler in Frankfurt
a.M." mit den Auseinandersetzungen um die dort damals
zeitgenössische Kunst: Karl von Pidoll und Friz Boehle,
den Auswirkungen Hans von Marées' und Adolf Hildebrandts. Julius Baum, bei Weizsäcker habilitiert, schrieb
damals bereits über die Hölzelschule, schon über
Willy Baumeister und Ida Kerkovius. Die unmittelbare Gegenwart
war sozusagen für das Institut erworben. Nicht erworben,
sondern übernommen gehört dem Institut heute eine
Porträtradierung Weizsäckers von der Hand Max Ackermanns
1928. 1935 wurde Otto Schmitt aus Greifswald nach Stuttgart berufen. Seine Person hielt sich völlig frei von den Einflüssen und Forderungen des Nationalsozialismus. Ein zutiefst integrer Mann, erhielt er der Kunstgeschichte in diesen Jahren in Stuttgart die wissenschaftliche Seriosität in der Realienforschung. Er begründete das "Reallexikon zur Deutschen Kunstgeschichte", an dem noch heute in München weitergearbeitet wird. Otto Schmitt hat wesentliches beigetragen zur Kenntnis der mittelalterlichen Plastik im Südwesten, zur gotischen Skulptur des Straßburger und des Freiburger Münsters und zur oberrheinischen Plastik im ausgehenden Mittelalter. Nach dem Kriege wurde er der zweite Rektor der Universität Stuttgart - 1924 war schon einmal Weizsäcker Rektor gewesen -, was damals einem Geisteswissenschaftler an dieser Universität offenbar noch möglich war. Nach Schmitts vorzeitigem Tode folgte ihm sein langjähriger Mitarbeiter Hans Wentzel 1953 auf den Lehrstuhl. International war Wentzel durch seine Arbeiten über mittelalterliche Glasmalerei und über Steinschnitt ausgewiesen. Er war wesentlicher Mitbegründer des "Corpus Vitrearum Medii Aevi", dessen heutiges Zentrum in Freiburg ist. Er war ebenso geschätzt als Kenner wie als Lehrer. [...]" (S.36-40) Seit 1977 ist Herwarth Röttgen Ordinarius am Institut für Kunstgeschichte. Seit 1997 ist Beat Wyss Ordinarius am Institut für Kunstgeschichte. | |