Die
zeitsequentielle Speckle Pattern Interferometrie TSPI die auf der
punktweisen Änderung der optischen Weglänge basiert kann auch
zur Messung von Schwingungen herangezogen werden. Für eine
sinusförmige mechanische Schwingungen ergibt sich ein
frequenzmodulierter Intensitätsverlauf für das
Interferenzsignal.
Im Experimenten konnten wir mit einem
faseroptischen Punktsensor bereits sehr gute Ergebnisse erzielen. Mit
einer 40MHz A/D Wandlerkarte und einem Bidirektionalmodul (λ =
1550nm) kommt man in eine technisch interessanten Bereich von einigen
kHz mit Amplituden im 100µm Bereich.
Die TSPI ist eine Weiterentwicklung der Digitalen Speckle Pattern
Interferometrie (DSPI). Sie stellt ein neuartiges optisches
Messverfahren dar, mit dem sowohl Deformationen als auch Topographien
von technischen Objekten gemessen werden können. Grundlage des
Verfahrens ist die Phasenänderung innerhalb von Speckle
während der Bewegung des Objektes. Es werden dabei aber nicht wie
bisher nur eine Aufnahme vor und eine nach der Deformation gemacht,
sondern eine ganze Sequenz von Interferogrammen während der
Deformation aufgenommen. Die Messpunkte werden anschliessend einzeln
ausgewertet, so dass keine räumlichen Nachbarschaftsbeziehungen
herangezogen werden müssen. Dies ermöglicht es auch Objekte
mit Unstetigkeiten und Löchern zu vermessen.
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a) Ein Frame der Specklebildersequenz |
b) Intensitätsverlauf an einem Pixel bei konstanter Deformationsgeschwindigkeit |
| Abbildung 1 |
Im
Vergleich zu herkömmlichen Speckle Pattern Verfahren, die
gewöhnlich auf Intensitätskorrelationsmethoden basieren, ist
die TSPI ein Phasenkorrelationsverfahren, welches zur Phasenauswertung
besonders geeignet ist. Dies in Kombination mit der Auswertung des
gesamten zeitlichen Phasenverlaufs reduziert den Einfluss der
Dekorrelation, sowohl solcher mit Informationsverlust als auch solcher
ohne, deutlich. Dies setzt allerdings voraus, das sie im Spektrum
deutlich vom Signal getrennt sind. Das heisst, die Variation durch die
Dekorrelation muss gegenüber der Variation durch die
Phasenänderung langsam sein. Bei herkömmlicher
Specklemesstechnik (z.B. ESPI) führt Dekorrelation zu einem stark
eingeschränkten Messbereich von typischerweise unter 10 μm [1]. Die TSPI dagegen ermöglicht einen Messbereich von über 100 μm [2].
Ausgenutzt wird die Tatsache, dass die Dekorrelation zwischen den
Einzelinterferogrammen vernachlässigbar klein ist. In einer ersten
Arbeit [3], die noch auf Phaseshifttechnik basiert,
konnte bereits der Dekorrelationseffekt für die Gesamtmessung
verringert werden. Bei der TSPI, wie sie am ITO entwickelt wurde [4], geschieht die Auswertung über die Fouriermethode, wie sie auch bei [5]
beschrieben ist. Im Gegensatz zur phasenschiebenden Speckle Pattern
Interferometrie werden bei ihr keine aufwendigen Phasenschiebeeinheiten
benötigt, auch eine bezüglich der Wellenlänge
durchstimmbare kohärente Lichtquelle wie bei der
Wellenlängenscan-Absolut-Interferometrie [6] ist nicht erforderlich.
Innovation : TSPI Schwingungsmessung
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Mit dem Ziel einen kostengünstigen out-of-plane Punktsensor
aufzubauen, wurde ein „Bi-Direktional Modul“ (
Abbildung 2a) verwendet, wie es in der optischen Nachrichtentechnik standardmässig eingesetzt wird
[7]. Das Modul ist ein Bauteil, mit dem man Nachrichten senden und empfangen kann.
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| Abbildung 2: Eingesetztes faseroptisches Bidirektionalmodul mit Laserdiode und Photodetektor. |
Eine
Laserdiode und eine Photodiode sind über einen Strahlteiler an
eine Singelmodeglasfaser angeschlossen. Die Wellenlänge liegt bei
1550nm. Das Funktionsprinzip (Abbildung 2b) ist das
eines Fizeauinterferometers. Die Referenz kommt dabei von der Reflexion
am Faserende. Diese überlagert sich mit dem vom Objekt kommenden
Specklemuster. Um vom Messsignal auf die Auslenkung oder deren
Geschwindigkeit zu gelangen, können Frequenz- oder
Phasendemodulationsverfahren eingesetzt werden. Im folgenden haben wir
die Frequenzauswertung [5,7] eingesetzt.
Mit
diesem faseroptischen out-of-plane TSPI Sensor hat man einen einfachen,
kostengünstigen und kleinen Schwingungssensor, der darüber
hinaus robust und kompakt ist und auch bei hohen Frequenzen eingesetzt
werden kann. Der gesamte erforderliche optische Aufbau ist hier in
einem Modul integriert. Der Sensor eignet sich deshalb auch
hervorragend für die portable Interferometrie. Gemessen werden
kann auf rauen Oberflächen die genügend Licht reflektieren.
Man kann den Sensor also zum Beispiel zur Schwingungsanalyse im
Maschinen- und Fahrzeugbau einsetzten.
Gemessen
wurde die Schwingung einer Lautsprechermembran. Um genügend Licht
von der Oberfläche in die Faser zurück zu bekommen wurde eine
Retroreflektorfolie auf die Lautsprechermembran geklebt. Ausserdem war
bei den Messungen der Abstand vom Faserende zur Oberfläche < 2
mm. Die Laserdiode wurde stromstabilisiert bei 31 mA betrieben. Am Ende
der Faser wurde eine Leistung von 22 mW gemessen.
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| a) Detektorsignal der Messung |
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| b) Ergebnis der Messung mit Vergleichsmessung mit einem hochgenauen Laservibrometer |
| Abbildung 3 |
Abbildung 3a
zeigt das Interferenzsignal, das mit einer AD-Wandlerkarte bei einer
Abtastrate von 200 kHz gemessen wurde. Die grössten
Momentanfrequenzen waren dabei noch mit ca. 8 Messpunkten pro Periode
abgetastet. Nach der Auswertung ergab sich die rote Kurve in Abbildung 3b. Die blaue Kurve in Abbildung 3b
ist das Ergebnis einer Vergleichsmessung mit einem
Präzisionslaservibrometer, die parallel zur Messung mit dem
Bi-Direktional Modul durchgeführt wurde.
Da bei der Messung
keine Trägersignal, z.B. aufmoduliert durch einen AOM, vorhanden
war, kann das Vorzeichen der Bewegungsrichtung durch die Messung nicht
rekonstruiert werden. Dennoch stimmen Schwingungsform und Amplitude
sehr gut überein. Selbst die Oberschwingungen des Lautsprechers
sind bei der Messung gut zu erkennen.
Oberfläche: reflektierende glatte bis raue Oberflächen
Schwingungsamplitude: einige 10µm
Schwingungsfrequenz: einige kHz
Arbeitsabstand: < 2mm
[1]
Joenathan C., “Speckle Photography, Shearography and ESPI”,
in Rastogi, P. K. (Ed.), “Optical Measurement Techniques and
Applications”, Artech House, London (1997)
[2]
Joenathan C., Franze B., Haible P., Tiziani H. J.; “Speckle
interferometry with temporal phase evaluation for measuring
large-object deformation” Appl. Opt. 37, 2608-2614, 1998
[3]
Floureux T., “Improvement of electronic speckle finges by adding
of incremental images”, Optics & Laser Technology Vol25, No
4, pp255-258, 1993
[4] Tiziani H. J., “Progress in temporal speckle modulation”, Optik 112, No 9, 370-380, 2001
[5]
Takeda M., Ina H., Kobayashi S., “Fourier-transform method of
fringe-pattern analysis for computer-based topography and
interferometry”, J. Opt. Soc. Am., Vol. 72, No. 1, 156-160, 1982
[6]
Franze B., “Formmessung basierend auf Interferometrie mit
durchstimmbaren Laserdioden”, Dissertation, in Berichte aus dem
Institut für Technische Optik, 36, Stuttgart, 1998
[7]
Kauffmann J., Tiziani H.J., “Temporal Speckle Pattern
Interferometry for Vibration Measurement”, SPIE Proc. Vibration
Measurements by Laser Techniques: Advances and Applications, Vol.
4827-19, 133-136, 2002
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