Der
Begriff der Scatterometrie wird als Oberbegriff für
mehrere nichtabbildende optische Messverfahren zur
Rekonstruktion von periodischen Strukturen bis in den Nanometerbereich, d.h. auch
unterhalb der Abbeschen Auflösungsgrenze, verwendet.
Aus diesem Grund hat sich die
Scatterometrie unter anderem als wesentliche Säule
der Prozesskontrolle in der
Halbleiterindustrie etabliert.Bei der
Scatterometrie handelt es sich um eine
Reflexionsmessung wobei zusätzlich zur klassischen
Reflektometrie,
als zusätzlicher Informationskanal, die Änderungen in der
Polarisation
berücksichtigt werden. Auf diese Weise
können auch Strukturen, die mit einem
Mikroskop nicht mehr aufgelöst werden, rekonstruiert
werden [1][2]. Dies
erreicht man durch Lösen des sogenannten inversen
Problems: Gemessene und
simulierte Spektren von polarisationsoptischen
Größen werden verglichen und aus der besten Übereinstimmung
können
dann die Strukturparameter rekonstruiert
werden. Für die Messungen gibt es
verschiedene verbreitete Messkonfigurationen,
die sich oftmals lediglich in
Messgrößen und -parametern
unterscheiden. Einige
der wichtigsten sind in den folgenden Abbildungen
dargestellt. Fig. 1: Verschiedene
Scatterometrie
Konfigurationen
Das ITO besitzt
ein
kommerzielles
Spektralellipsometer der
Firma Horiba Jobin Yvon. Damit können ebenfalls Scatterometrie
Messungen
durchgeführt werden. Dabei wird der Einfalls-/Ausfallswinkel
eingestellt und dann eine wellenlängenabhängige
(spektrale) Messung
verschiedener Messgrößen
durchgeführt.
Fig.
2: Spektralellipsometer der Firma Horiba Jobin Yvon
Das Messprinzip beruht darauf, dass
periodisch strukturierte
Oberflächen die Polarisation des eingestrahlten Lichtes verändern.
Die Änderung
des Polarisationszustandes bei der Wechselwirkung von Licht und Materie
lässt
sich im nicht depolarisierenden Fall durch das
Jones-Matrix-Kalkül beschreiben: 
Der elektrische Feldvektor E
einer einfallenden ebenen Welle wird
durch die Jones-Matrix J
verändert, die sowohl den Einfluss der
zu untersuchenden Struktur als auch verschiedene optische Komponenten
des
Messaufbaus berücksichtigt. Als Ergebnis
erhält man den Feldstärkevektor der
reflektierten bzw. gebeugten Welle. Liegen Ein- und
Ausfallsrichtung in einer
Symmetrieebene der untersuchten Struktur, dann wird die Jones-Matrix
diagonal
und man kann die sogenannten ellipsometrischen Winkel Ψ und ∆ als
typische Messgröße eines Ellipsometers definieren: 
Zur Simulation von
Scatterometrie-Messungen wird, das am ITO
entwickelte und seit einigen Jahren verwendete Simulationstool MicroSim
verwendet
[3]. MicroSim simuliert die optische Beugung an periodischen Strukturen
mit
Hilfe der RCWA (rigorous coupled wave analysis) [4].
Aktuelle
Forschungsschwerpunkte in unserer Arbeitsgruppe
befassen sich, in Kooperation mit verschiedenen Industriepartnern,
u.a. mit dem
Einfluss von Strukturrauhigkeiten auf die
Rekonstruktionsqualität von
Strukturparametern [5][6], sowie mit den Grenzen und
Erweiterungsmöglichkeiten
der Scatterometrie bei der Prozesskontrolle für
zukünftige Technologieknoten in
der Halbleiterindustrie [7]. Modell (Aufsicht) einer Linienstruktur mit Kantenrauheit sowie die Simulation des Nahfeldes
Fig.3: Modell (Aufsicht) einer Linienstruktur mit Kantenrauheit sowie die Simulation des Nahfeldes
Fig. 4:
Modell einer Halbleiter-Linienstruktur
(Querschnitt) und Gegenüberstellung von gemessenem
und simuliertem Spektrum an
solchen Strukturen, sowie die extrahierten Strukturparameter
aus der Simulation
mit der besten Übereinstimmung.
[1]
|
T. Schuster, J. Kauffmann, N.
Kerwien, H.
Tiziani, W. Osten and P. Reinig, "Scatterometrie
an Kreuzgitterstrukturen",
Proc. DGaO 2006
| | | | [2] |
T.
Schuster, S. Rafler, W. Osten, P. Reinig, T. Hingst, "Scatterometry from
crossed grating structures in different configurations", Proc. SPIE 6617,
661715-1 – 661715-9 (2007)
| | | | [3] |
M. Totzeck: "Numerical
simulation of high-NA quantitative polarization microscopy and
corresponding near-fields", Optik 112 (9), 399-406
(2001) | | | | [4] |
T.
Schuster, J. Ruoff, N. Kerwien, S. Rafler, W. Osten, "Normal
vector method
for convergence improvement using the RCWA for crossed gratings",
J. Opt.
Soc. Am. A 24(9), 2880-2890 (2007)
| | | | [5] |
T.
Schuster, N. Kerwien, W. Osten, P. Reinig, M. Moert, T. Hingst, and U.
Mantz,
"Effect of linewidth
fluctuations and sidewall roughness in
scatterometry", Talk on "Conference on Lasers and
Electro-Optics"
(CLEO Europe), Munich 12-17 June 2005
| | | | [6] |
T.
Schuster, S. Rafler, K.
Frenner, W. Osten, “Influence
of line edge roughness (LER) on angular resolved
and on spectroscopic scatterometry”, Proc. SPIE
7155, 71550W (2008)
| | | | [7] |
V.
Ferreras Paz, T. Schuster, K. Frenner, L. Szikszai, M.
Mört, W. Osten, "
Sensitivity analysis and
simulation based results of extendability of scatterometry towards
smaller
technology nodes", Talk on " 245. PTB Seminar on
Scatterometry and
Ellipsometry on Structured Surfaces", Braunschweig 8 - 19 March 2009
| |