Zur
adäquaten Erklärung
zahlreicher Phänomene der Optik genügen die skalare
Beschreibung, wie sie zum
Beispiel in der Beugungstheorie nach Fresnel und Kirchhoff
vorliegen. Der
Vektorcharakter des elektrischen Lichtwellenfeldes und die realen
physikalisch
optischen Randbedingungen werden dabei vernachlässigt. Durch
die
Miniaturisierung, insbesondere im Bereich der Halbleitertechnologie,
rücken
Strukturen in der Grössenordnung der Lichtwellenlänge
und darunter in den
Mittelpunkt des Interesses. In diesem Fall beeinflussen
physikalisch optische
Wechselwirkungseffekte zunehmend die Beugungsspektren von
transmittiertem oder
reflektierten Licht und können nur durch rigorose, vektorielle
Rechnungen
korrekt beschrieben werden. Anders als in der
skalaren Optik existieren im Bereich der rigorosen
Beugungstheorie praktisch keine analytischen Lösungen von
Problemen, so dass mit numerischen
Simulationen gearbeitet werden muss. Seit Ende der 90er Jahre
wird am
ITO intensiv auf dem Gebiet der rigorosen
numerischen Simulation von Beugungseffekten an periodischen
Strukturen gearbeitet. Das institutseigene Simulationstool
MICROSIM, das auf dem Prinzip der gekoppelten Wellenmoden, der
RCWA, basiert, wird seit dieser Zeit stetig
verwendet und weiterentwickelt.
 Modellbildung anhand von
SEM-Aufnahmen eines Kreuzgitters
Zunächst
war es als Hilfsmittel
zur polarisationsaufgelösten Simulation der
hochauflösenden Mikroskopie
konzipiert. In letzter Zeit wurde es vermehrt auch
für die Diffraktometrie eingesetzt
und speziell im Hinblick auf diese Techniken weiterentwickelt
und es lässt sich
nun die Beugung an Kreuzgittern mit beliebig geformten Elementarzellen
und
unterschiedlichen Perioden in den beiden Richtungen der
Periodizität
simulieren. Außerdem konnte auch eine Beschleunigung
der RCWA-Algorithmen
erzielt werden, die unmittelbar auf dem physikalischen
Verständnis der
Randbedingungen gemäß der Maxwell-Theorie
basiert. Durch einen Abgleich mit
verschiedenen Simulationstechniken und durch zahlreiche
Kooperationen wurde die
Software intensiv evaluiert. MICROSIM wird inzwischen von nationalen
und
internationalen Unternehmen und Instituten erfolgreich
in der Forschung und
Entwicklung eingesetzt. Neben der RCWA als Hauptanwendung kommen in der
Arbeitsgruppe auch Methoden wie Finite Elemente
(FEM) und Finite Difference
Time Domain (FDTD) zum Einsatz.  Rigorose Beugungsrechnung
eines Liniengitters
MICROSIM basiert auf einer
Fourier-Entwicklung
der Felder bei periodischen Strukturen und nähert jede
Struktur durch Quader
konstanter Brechzahl an. Damit wird die Lösung der
Maxwell-Gleichungen auf die
Lösung eines Eigenwertproblems reduziert.Durch die
Simulationsergebnisse liegt
dann die vollständige Information über die
Licht-Strukturwechselwirkung vor,
diese werden anschließend durch eine
vollständigen Simulation des
mikroskopischen Abbildungsprozesses weiterverarbeitet.
Simulation des
mikroskopischen Abbildungsprozesses
Vereinfacht gesprochen
wird hierbei das Ergebnis
der Beugungsrechnung, also die Beugungsspektren von Licht, das aus
allen im Aperturkegel der Beleuchtungsapertur
enthaltenen Richtungen auf die Probe
fällt, nach der Abbé'schen Theorie der
Bildentstehung zu einem kohärenten oder
inkohäherenten Bild zusammengesetzt. Da die komplette
Strukturinformation in
der Pupille vorliegt, können durch einen
(polarisationsaufgelösten)
Pupilleneingriff unterschiedlichste mikroskopische Bildgebungsverfahren
simuliert werden. Neben
polarisationsaufgelösten Betrachtung der optischen
Abbildung rücken zunehmend Methoden der
modellbasierten Objektrekonstruktion
wie Diffraktometrie bzw. Scatterometrie in den Mittelpunkt des
Interesses.
Hierbei wird das Beugungs- bzw.Streuspektrum (als Funktion
der Wellenlänge
oder des Einfallswinkels) genutzt, um einen oder wenige unbekannte
Parameter
bei vielen bekannten Parametern einer
(nano-)strukturierten Oberfläche zu
vermessen. 
Simulationsergebnisse: konfokaler Spot (l), Liniengitter
mit Defekt (r)
[1]
|
M.
Totzeck,
"Numerical
simulation of high-NA quantitative polarization microscopy and
corresponding near-fields", Optik, 112 (2001) 381-390 |
[2]
|
Reinig
P., Dost R.,
Mört M., Hingst, T., Mantz U., Schuster, T. Kerwien, N.,
Kaufmann
J., Osten W.: "Potential and limits of scatterometry: A study on bowed
profiles and high
aspect ratios", Scatterometry Workshop 2004, 3.-5.5.2004
Porquerolles,
Frankreich | [3]
|
R. Berger, J. Kauffmann, N. Kerwien, W. Osten, H.J. Tiziani: Rigorose
Beugungssimulation: Ein Vergleich zwischen RCWA, DTD und der Finiten
Elemente
Methode, 105. DgaO-Tagung 2004 P59 | [4]
|
Kerwien
N., Schuster T., Rafler S., Osten W.,
"Semi-rigorous Diffraction Theory: Realization of Classical Concepts in
the Framework of Electrodynamics", J. Opt. Soc. Am. A 24
(2007) No. 4
1074-1084 |
|