Nach
dem bekannten
Abbe-Limit ist die Auflösung eines Mikroskops dadurch
begrenzt, dass mindestens zwei Beugungsordnungen
in
das mikroskopische Objektiv fallen
müssen. Aufgrund dieser Begrenzung stoßen
herkömmliche optische Methoden bei der
Charakterisierung
von nanostrukturierten
Oberflächen, wie sie in der heutigen Halbleiterindustrie zum
Standard geworden sind,
schnell an ihre Grenzen. Der
Wunsch nach
einem einfach anzuwendenden, zerstörungsfreien
Abbildungssystem, das mit sichtbaren
Wellenlängen
oder im
nahen IR-Bereich arbeitet und höchstaufgelöste
mikroskopische Abbildungen erzeugt, ist daher ungebrochen.
Entscheidend
für
die Umsetzung eines solchen Systems sind die theoretischen
Untersuchungen von V. G. Veselago [1], der 1967 in
einer
Veröffentlichung erstmals vorschlug, Materialien mit negativem
Brechungsindex in der Optik einzusetzen. Durch eine negative
dielektrische
Permittivität ε und magnetische
Permeabilität
µ würde laut Veselago auch die
Brechzahl
negativ. Daraus resultiert unter
Anderem, dass der
Poynting-Vektor S in
die entgegengesetzte Richtung des Wellenvektors zeigt und dass das
Dreibein
aus k, H und E
linkshändig orientiert ist.
Die Anwendungsgebiete, die durch Materialien mit negativem
Brechungsindex entstehen sind vielfältig.
Für das ITO sind die optischen Eigenschaften von Materialien
mit negativem Brechungsindex besonders interessant,
ermöglichen sie doch theoretisch eine perfekt abbildende Linse
[2].
|  |  |  |  | | Verhalten
einer TM-Welle in einem Material mit negativem
Brechungsindex | |
Perfekte Linse aus einem Material
mit
n=-1 nach J. B. Pendry
Prinzip
| |
Da Materialien mit negativem
Brechungsindex in der Natur nicht
existieren, müssen sie künstlich hergestellt werden.
Für
die Realisierung solcher, so genannter Metamaterialien kommen
periodische
Nanostrukturen in Frage, deren Periode deutlich unterhalb der
Wellenlänge liegt. Für Anwendungen im
sichtbaren Bereich liegen die Strukturgrößen in der
Größenordnung von 100nm. Besonders vielversprechend
zeigen sich hufeisenförmige
„Split-Ring Resonatoren“ und
„Doppel-Split-Ring Resonatoren“ sowie
mäanderförmige Strukturen, die elektrische
Resonatoren
für optische Frequenzen darstellen.
 |  |  |  |  | | Split-Ring
Resonator | | Doppel-Split-Ring
Resonator | | mäanderförmige
Struktur |
Derartige
Metamaterialstrukturen könnten dazu verwendet
werden,
Informationen der evaneszenten Moden vom Nahfeld in das
Fernfeld
zu übertragen. Um ein vergrößertes
Bild einer
sub-λ-Struktur
zu erhalten, ist es weiterhin notwendig, dem
Metamaterial eine geometrische Überstruktur zu
geben.
Eine
solche Überstruktur könnte eine gekrümmte
Fläche,
ähnlich einer gewöhnlichen Glaslinse,
oder
eine
schiefe Ebene
sein [3]. Ebenso denkbar sind Strukturen mit variabler Periode
(ähnlich einer Fresnellinse) basierend auf
mäanderartigen
Metamaterialien. Optische Elemente, die weit besser als das
Beugungslimit auflösen können, werden
„Superlinsen“
genannt. Schaltet man eine solche „Superlinse“ vor
ein geeignetes
Lichtmikroskop, könnten sub-λ-Strukturen
zerstörungsfrei und ohne Verwendung eines Rasterverfahrens
abgebildet werden.
Überstrukturen
für die
Nahfeld-Fernfeld-Transformation:
Gekrümmte Flächen bestehend aus
alternierenden
Dielektrikum-
und Metallschichten [3] (links), Resonant-wechselwirkende
mäanderförmige
Strukturen, ähnlich einer
Fresnel-Linse
(rechts)
Der
Schlüssel zum physikalischen Verständnis der
abbildenden
Eigenschaften der Metamaterialstrukturen besteht darin, die
Wechselwirkung der elektronischen Anregungen (Plasmonen)
einer
Metamaterialstruktur mit dem elektromagnetischen Feld mittels
Simulation im Detail zu verstehen. Besonders geeignet sind
rigorose
Methoden, wie RCWA (Rigorous Coupled Wave Algorithm), die in der am ITO
entwickelten Software MicroSim
eingesetzt werden. Abbildende und vergrößernde
Metamaterialstrukturen
sollen am
ITO entwickelt, simuliert und optimiert werden. Da die
Berechnungen
sehr komplex und langwierig sind, spielen außerdem
Konvergenzverbesserungen zur Reduktion der Rechenzeit,
insbesondere bei Metallstrukturen, eine wichtige Rolle. Die Funktion
der Strukturen soll
mittels optischer Messung überprüft und die
ermittelten Parameter zur weiteren Verbesserung der Simulation
verwendet werden.Das
Ziel ist die Realisierung einer „Superlinse“ auf
der Basis von
Nanostruktur-Fabrikationsmethoden.
Simulation einer
gekrümmten
Überstruktur aus
alternierenden
Dielektrikum- und Metallschichten
[1] | V.G.
Veselago, The electrodynamics of substances with
simultaneously negative values of ε and μ, Sov.
Phys. Usp. 10, 509
(1968) | [2]
| J.B. Pendry, Negative
Refraction Makes a Perfect Lens, Phys. Rev.
Lett. 85, 3966 (2000) | [3] | A.
Salandrino, N. Engheta, Far-field subdiffraction optical
microscopy using metamaterial crystals: Theory and simulations, Phys.
Rev. B. 74, 075103 (2006) |
|