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Bereits in den 80er Jahren konnte nachgewiesen werden, dass es
möglich ist, Teilchen von einigen Mikrometern Durchmesser im
Brennpunkt eines starken Laserstrahls zu fangen und gegen die
Erdanziehungskraft zu bewegen. Diese als optische Pinzetten
bezeichneten Systeme erlauben eine schonende, kontaktlose Manipulation
von biologischen und nichtbiologischen Objekten. Derzeit sind erste
optische Pinzetten in den Labors im Einsatz. Die holografische Pinzette
- eine Weiterentwicklung der optischen Pinzette - erhöht die
Flexibilität und Genauigkeit eines solchen Systems und
ermöglicht eine schonendere Manipulation der Objekte.
Prinzip der optischen Pinzette |
Die Eigenschaft von Licht, Energie zu transportieren, ist allgemein
bekannt. Die Wirkung der optischen Pinzette beruht jedoch auf der
weniger bekannten Eigenschaft der Impulsübertragung:
Tritt Licht in ein Objekt ein (Abbildung 1), so wird der Strahl
abgelenkt. Beim Richtungswechsel wird ein Impuls auf das Objekt
übertragen. Die Summe der Impulsänderungen bewirkt eine Kraft
(die so genannte Gradientenkraft), die für Objekte mit
höherem Brechungsindex als das umgebende Medium in Richtung der
höchsten Intensität wirkt. Das Objekt wird somit zum Ort
höchster Intensität gezogen. Wird der Lichtstrahl stark
fokussiert, so wird ein hoher Intensitätsgradient in z-Richtung
erzeugt. Dies ermöglicht das Fangen in drei Dimensionen.
Abbildung 1: Strahlenoptische Betrachtung des Einfangprinzips der optischen Pinzette
Innovation: Holografische Pinzette |
Um mehrere optische Fallen unabhängig voneinander zu bewegen,
können unter anderem zum Beispiel lenkbare Spiegel eingesetzt
werden. Solche mechanischen Systeme werden jedoch bei optischen
Pinzetten mit mehr als zwei Fallen äußerst komplex. Abhilfe
schaffen akkustooptische Deflektoren oder ein räumlicher
Lichtmodulator (SLM, spatial light modulator), der in der Fourierebene
der Objektebene plaziert wird. Durch Einschreiben eines entsprechenden
Fourierhologramms kann eine nahezu beliebige Anzahl von Fallen
unterschiedlichster Formen erzeugt werden. Durch dynamische
Änderung des Hologramms können diese Fallen unabhängige
voneinander in drei Dimensionen bewegt werden. Eine solche
Realisierung der optischen Pinzette nennt sich holografische
Pinzette.
Abbildung 2 zeigt den schematischen Aufbau der holografischen Pinzette.
Der Lichtmodulator wird mit einem kollimierten Laserstrahl beleuchtet
und liegt in einer zur hinteren Brennebene des Mirkoskopobjektivs
konjugierten Ebene. Das vom Modulator reflektierte Licht wird durch das
Mikroskopobjektiv in das gewünschte Lichtfeld transformiert.
Aus dieser Anordnung ergeben sich eine Reihe von Vorteilen: Die
optischen Fallen lassen sich ohne aufwändige Mechanik, wie sie bei
konventionellen optischen Pinzetten benötigt wird, unabhängig
voneinander in 3 Dimensionen bewegen. Zudem lässt sich die Anzahl
der Fallen ist frei wählen und Fallenprofile lassen sich in
Videoechtzeit verändern. Dies eröffnet die Möglichkeit
der Aberratioskorrektur.
Abbildung 2: Schema der holografischen Pinzette
Optische Pinzetten werden vor allem in biologischen Anwendungen wie zum
Beispiel zur gezielten Manipulation von Zellen angewendet. Neben diesem
Betätigungsfeld eröffnen sich jedoch immer mehr neue
Anwendungen in der Mikrosystemtechnik, der Mikroreaktorik und der
Mikrofluidik.
Zurzeit werden verschiedene Forschungsschwerpunkte im Zusammenhang mit der holografischen Pinzette verfolgt.
Aberrationskorrektur
Zum einen kann durch den Einsatz des Lichtmodulators eine Aberrationskorrektur ( Details
) verwirklicht werden. Der Brechungsindex innerhalb einer Probe kann
sowohl zeitlich als auch örtlich variieren. Neben den statischen
Abbildungsfehlern des Systems werden hierdurch dynamische Abberationen
eingeführt, die die Fangkraft vermindern. Durch Änderung des
in das SLM eingeschriebenen computergenerierten Hologramms können
diese Aberrationen ausgeglichen werden.
Abbildung 3a zeigt im oberen Bereich eine Lichtfalle. Abbildung 3b
zeigt die korrigierte Lichtfalle. Wird der Abbildungsstrahlengang
ebenfalls über den Lichtmodulator gelenkt, so kann man auch die
Aberrationen eines abgebildeten Objektes korrigieren (Abbildung 4)
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| Abbildung 3: a) zeigt rechts oben die nicht korrigierten, b) die korrigierte optische Falle |
Abbildung 4: unten: Objekte oben: korrigierte 1. Beugungsordnung der Abbildung |
Angepasste Lichtfelder
Ein
weiteres Forschungsziel ist die Optimierung von Lichtfeldern. Oft
sollen Objekte möglichst stabil eingefangen werden. Dies ist
möglich durch Erhöhung der Laserleistung, die jedoch oft zu
Schädigungen von biologischen Proben führt. Da sich
biologische Objekt in Größe und Form sehr voneinander
unterscheiden können, ist ein beugungsbegrenzter Fokus nicht immer
die ideale Fallenform. Hier können äußerst komplexe
Fallengeometrien bei geringerer Lichtleistung eine starke Kraft auf ein
Objekt ausüben. Aus diesem Grund ist es vorteilhaft, die
Lichtfelder dem Objekt anzupassen und somit durch Verringerung der
Lichtleistung eine Schädigung von biologischen Proben zu
vermeiden. Die Effektivität einer Falle kann durch eine Messung
der auf das Objekt ausgeübten Kraft ermittelt werden:
Eine optische Falle übt eine begrenzte Kraft auf ein Objekt aus,
so dass das gefangene Objekt sich aufgrund Brownscher Bewegung
innerhalb der Falle bewegen kann. Bewegt das Objekt sich aus der Falle
heraus, so wirkt eine Rückstellkraft, die umso größer
ist, je stärker die auf das Objekt ausgeübte Fangkraft ist.
Dadurch verringert sich die Auslenkungen durch die Brownsche Bewegung.
Durch Messung der Positionsschwankungen eines Objekts lassen sich somit
Rückschlüsse auf die Kraft ziehen. Dies ist eine der
genauesten Möglichkeiten, Kräfte zu messen. Die messbaren
Kräfte liegen hierbei im Piconewtobereich.
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Abbildung 5:
Schematisches Energieprofil einer optischen Falle. Das Objekt
erfährt eine thermische externe Kraft und eine
Rückstellkraft, die es in die Falle zurückzieht |
Referenzen
[1]
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Ashkin, A.; Dziedzic, J.M.; Bjorkholm, J.E. and Chu, S., "Observation
of a single-beam gradient force optical trap for dielectric
particles",Optics Letters, 1986 , 11 , 288-90
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[2]
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[3]
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Liesener, J.; Reicherter, M.; Haist, T. and Tiziani, H., "
Multi-functional optical tweezers using computer-generated holograms
", Optics Communications, 2000 , 185 , 77-82
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[4]
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Reicherter, M.; Liesener, J.; Haist, T. and Tiziani, H., "
Advantages of holographic optical tweezers",SPIE, 2003 , 5143 , 76-83
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[5]
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Reicherter, M.; Gorski, W.; Haist, T. and Osten, W. , "
Dynamic correction of aberrations in microscopic imaging systems using an artificial point source",SPIE, 2004 , 5462 , 68-78
|
© Institut für Technische Optik
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