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Herkömmliche
Streifenprojektionsverfahren sind imstande, Topografien innerhalb des
Schärfentiefebereichs eines Objektivs zu vermessen. Sie sind
daher auf relativ flache Messobjekte bzw. -szenen beschränkt.
Weiterhin ergeben sich bei zu grossen Gradienten in der Topografie
Schwierigkeiten, da hier bei zu grossem Triangulationswinkel der
Streifenabstand zu gering wird, um ausgewertet werden zu
können. Beide Nachteile werden bei der tiefenscannenden
Streifenprojektion umgangen. Durch den Einsatz von lichtstarken
Objektiven wird die Schärfentiefe stark
eingeschränkt, was zu einem Verschwinden des
Streifenkontrastes bereits bei leichter Defokussierung führt.
Analog zur Weisslichtinterferometrie kann so punktweise aus
Hüllkurve und Phase eines Tiefenscan-Signals die Topografie
bestimmt werden. Durch den tiefenscannenden Ansatz kann ein relativ
grosser Tiefenbereich (ca. 3-5 m) erfasst werden. Durch einen geringen
Triangulationswinkel von z.B. α = 3,5° (bei einem
Abstand Objektiv - Objekt von 1 m) ist die Erfassung von
Flächen grosser Neigung möglich.
Prinzip der
Streifenprojektion |
Die Grundidee der Streifenprojektion wird in Abbildung 1
veranschaulicht. Ein Streifenmuster wird auf ein dreidimensionales
Objekt projiziert. Aus einer um den Triangulationswinkel α
verkippten Blickrichtung erscheinen die Streifen durch die Topografie
verbogen, d.h. die Höheninformation wird in die Phase des
detektierten, verformten Streifenmusters übersetzt. Durch
einen
der aus der Interferometrie bekannten statischen oder dynamischen
Algorithmen der Phasengewinnung kann zunächst die in einen
Wertebereich von - π .. π gefaltete
("wrapped") Phasenkarte
ermittelt werden, die dann durch das sogenannte Phase-Unwrapping in die
Topografie umgerechnet wird. Hierbei wird oft eine objektseitig
telezentrische Abbildung verwendet, deren Besonderheit darin besteht,
dass der Abbildungsmassstab über den gesamten Bereich der
Schärfentiefe konstant ist. Unter dieser Voraussetzung lassen
sich
unter Vernachlässigung von Abbildungsfehlern die
Pixelkoordinaten
(i, j) eines Streifenbildes auf einem CCD-Kamerachip über den
bekannten und konstanten Abbildungsmassstab in Objektkoordinaten (x, y)
umrechnen. Für die Höhen bzw. Tiefenkoordinate z
ergibt sich
die einfache Beziehung:
 | mit
der Triangulationswellenlänge
|  | wobei p die Streifenpereiode des
projizierten Streifengitters und φ die aus dem Streifenbild
ermittelte Phase ist.
 |
| Abbildung
1: Prinzip
der Streifenprojektion | Innovation:
Tiefenscan mit Phasenauswertung und 3D-Kalibrierung |
Tiefenscan mit Phasenauswertung
Um den Nachteil eines eingeschränkten Tiefenbereichs zu
umgehen,
kann nun die tiefenscannende Streifenprojektion eingesetzt werden, d.h.
die Schärfeebene im Objektraum wird durch eine Relativbewegung
zwischen Kamera-Chip und Beobachtungsobjektiv durch das gesamte
Messvolumen bewegt. In Analogie zur Weisslichtinterferometrie werden
hier zwei verschieden genaue Tiefenmassstäbe verwendet. Das
auszuwertende Signal ähnelt dem eines
Weisslichtinterferogramms:
Eine schnell modulierende Cosinus-Verteilung wird ausserhalb der
Schärfeebene durch eine seitlich abfallende
Einhüllende
gedämpft, siehe Abbildung 2. Im Fall der tiefenscannenden
Streifenprojektion wird der Abfall der Modulation durch die begrenzte
Schärfentiefe verursacht, im Fall der
Weisslichtinterferometrie
dagegen durch die kurze Kohärenzlänge der
Lichtquelle. Die
Einhüllende dient nun als grober Massstab, die Phase des
darunter
liegenden Cosinus-Signals als feiner.  |
| Abbildung 2:
Typischer Signalverlauf, der in einem Kamerapixel über der
Tiefe der Gitterposition gemessen wird |
Abbildung 3 zeigt den Experimentalaufbau schematisch, Abbildung 4 ein
Foto davon. Bei Beleuchtungs- und Detektionsobjektiv handelt es sich um
zwei identische Obkjektive mit einem grossen Pupillendurchmesser von
8 mm und bildseitiger Telezentrie, die im festen Abstand von
75 mm
montiert sind. Die CCD-Kamera sowie das mit einer Xenon-Lampe
beleuchtete Ronchi-Gitter werden in axialer Richtung so bewegt, dass
sie immer in derselben Ebene parallel zu der Hauptebene beider
Objektive liegen. Gleichzeitig sollte das Gitter lateral so geschoben
werden, dass die Phase am Maximum der Hüllkurve einen
konstanten
Wert annimmt. Dies vereinfacht die Signalauswertung mit
Berücksichtigung der Phaseninformation erheblich. Insgesamt
ergibt
sich als Bedingung für die Verschiebung des Gitters, dass es
entlang der Geraden gA (vgl. Abbildung 3) bewegt
werden muss.
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| Abbildung
3: Optisches Schema des 3D-Micro-Scan75 |
| Abbildung 4: Foto
des 3D-Micro-Scan75 | 3D-Kalibrierung Das Ziel der 3D-Kalibrierung des
3D-MicroScan75-Sensors ist die Transformation der gemessenen
Sensordaten, welche durch die Phaseninformation gegeben sind, in eine
systemunabhängige Darstellung als Punktwolke. Diese soll im
Rahmen der Betrachtung nahezu fehlerfrei sein. Dabei sind zwei Probleme
zu betrachten. Der Einfluss der Verzeichnung, die durch das
Kameraobjektiv bedingt ist, muss durch einen lateralen
Kalibrierungsansatz kompensiert werden. Die Transformation der
Phaseninformation in eine Höheninformation ist das Ziel der
Tiefenkalibrierung. In der klassischen Streifen-Triangulationstechnik,
welche den codierten Lichtansatz verwendet, werden diese beiden
Ansätze stets separat verwendet. Wir entwickelten einen
innovativen direkten Kalibrierungsansatz, um sowohl die laterale als
auch die Tiefen- Kalibrierung für den 3D-MicoScan75-Sensor
durchführen zu können. Dieser Ansatz erlaubt es
erstmalig, das Problem der lateralen Kalibrierung eines fokussierenden
Streifen-Triangulations-Systems zu lösen. Die direkte Kalibrierung des
3D-MicroScan75-Sensors wird im Array-Raum durchgeführt. Diese
basiert auf der Bestimmung von drei Transformationen Tx,
Ty und Tz zwischen den
gemessenen Koordinaten
und den korrespondierenden fehlerfreien Koordinaten , entsprechend
folgender Gleichung:
 | . | Dabei haben sich die
Polynom-Transformationen gemäss für diese Aufgabe als
sehr geeignet erwiesen.
Um die
Polynomkoeffizienten der drei Transformationen Tx,
Ty und Tz zu ermitteln,
kommt eine Kalibrierplatte zum Einsatz, auf welche
kreisförmige Zielmarken gedruckt sind. Diese Platte ist auf
eine Translations-Verschiebeeinheit montiert. Durch die Verschiebung
der Kalibrierplatte in unterschiedliche Positionen entsteht eine hohe
Anzahl homogen verteilter Passpunkte, wie im Abbildung 5 dargestellt
wird.  |
Abbildung 5:
Beziehung zwischen den homogen verteilten Passpunkten und den entsprechenden gemessenen Koordinaten
a) im Fall der verzeichnungsfreien
Abbildung und b) im realen Fall | Als optimaler Polynomgrad stellte
sich M = N = P = 4 heraus. Sind die Polynomkoeffizienten aijk,
bijk und cijk der drei
Kalibriertransformationen bekannt, so können diese in die
gemessenen Daten eingesetzt werden und kalibrierte 3D Punktwolken
erzeugt werden. Bild 6 zeigt den Ausschnitt einer kalibrierten Messung
an einer ebenen Fläche (untere Fläche) im Vergleich
zum entsprechenden nicht-kalibrierten Datensatz (obere
Fläche).
 |
| Abbildung
6:
Kalibrierte Messung an einer ebenen Fläche (Ausschnitt) im
Vergleich zum entsprechenden nicht-kalibrierten Datensatz. Die
Verzerrung der Ebene konnte nach der Kalibrierung deutlich reduziert
werden. | - Vermessung technischer
Objekte mit grossem Tiefenbereich
- stark gegen die
Beobachtungsrichtung geneigte Flächen
- Vermessung
kompletter Szenen im Raum bis ca. 5 m Tiefe
- Vermessung
von Objekten in unbekannter Tiefenposition (Labor)
In Abbildung 7 wird eine Messung
des Kopfes einer Person gezeigt. Die Messung erfolgte von vorn. Die
dargestellte Topografie wurde aus den Daten einer Messung aus einer
einzigen Beobachtungsrichtung berechnet. Dieses Messbeispiel zeigt das
Vermögen des 3D-MicroScan75-Sensors, grosse Steigungen
vermessen zu können.  |
| Abbildung 7: Personenkopf |
Das Ergebnis der
Vermessung eines Getriebeblocks ist in Abbildung 8 in
Pseudo-3D-Darstellung gezeigt. Die Messung erfolgte aus einer einzigen
Beobachtungsrichtung. Die Schnittdarstellung in Abbildung 9
demonstriert noch einmal die Möglichkeit, mit dem
3D-MicroScan75-Sensor Objekte mit sehr grossen Gradienten messen zu
können.
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| Abbildung
8: Getriebeblock von VW | | Abbildung 9:
Profilschnitt durch den Getriebeblock |
Mit der dargestellten
Kalibrierung kann mit dem MicroScan75-Aufbau eine Genauigkeit von bei einer Entfernung von für kooperative Objekte erreicht
werden. Dies entspricht einer relativen Genauigkeit von oder . Die
Angaben der relativen Genauigkeit konnten über den gesamten
kalibrierten Bereich von 700 mm bis 1300 mm bestätigt werden.
Die laterale Genauigkeit der kalibrierten Messungen wurde auf ca. 0,5
Pixel über das kalibrierte Volumen geschätzt. Dies
entspricht einer mittleren lateralen Genauigkeit von 0,3 mm bei einer
Entfernung von . Nichtkalibrierte
Messungen weisen eine um das Dreifache geringere Genauigkeit von 1,5
Pixel auf. Die Langzeitstabilität des Sensors wurde ebenfalls
untersucht. Es konnte festgestellt werden, dass ein Satz
Kalibrierkoeffizienten ohne Genauigkeitseinbussen wieder eingesetzt
werden kann, auch nachdem der Sensor für einige Tage
ausgeschaltet wurde.
[1]
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