Analyse zur Ensemble-Anknüpfung in Architektur und Stadtraum

grafische Informationsveranschaulichung aus dem vorausgegangenen Seminar DNA der Straße, WS 2012/2013

Dissertation-Lisa Fritz

Viele deutsche Städte stellen sich heute in vielen Teilen als Konglomerate von Einzelbauten dar. Dieses zufällige Aufeinandertreffen der unterschiedlichsten Interpretationen architektonischer Fülle überzeugt ästhetisch einen großen Teil der Gesellschaft kaum. Gerade in Deutschland haben Krieg, Wiederaufbau und Investorenarchitektur* dazu geführt, dass sich der Straßenraum – und damit öffentlicher Raum – nicht mehr als Zusammenhang lesen lässt und als unbehaglich empfunden wird. Christoph Mäckler spricht in einem kürzlich in der FAZ erschienenen Artikel von einem „Kern der Misere: Die Verantwortlichen planen zumeist aneinander vorbei. Architekten entwerfen Einzelbauten in Form, Farbe und Material, so als gäbe es keinen Stadtraum, in den sie sich einzufügen hätten.“
Daraus zu schließen ist, dass dieser nicht erkennbare Zusammenhang zwischen den einzelnen Gebäuden, erstens für ein allgemeines Unbehagen einer großen Masse der Bevölkerung gegenüber aktueller Straßenräume führt, und auch zweitens die Qualität der einzelnen für sich stehende Gebäude, mindert.
Exemplarisch dafür steht die Nachkriegsarchitektur. Die hohe Qualität in sich birgt, aber oft isoliert in einem Straßengefüge steht. Davon ausgehend ruft diese Isolation bei dem Betrachter, eine Nicht-Akzeptanz hervor und final führt dies oft zu einem leichtfertigen Abriss dieser Gebäude.
Der hier beschriebene, fehlende Dialog wird für diese Arbeit als Anlass genommen dem Thema der Ensemble-Wirkung in derzeitigen Stadtentwicklungen nachzugehen. Folgender Fragestellung wird dabei nachgegangen:
Wie kann in dem gegenwärtigen schon bestehenden, diffusen Formenkanon eine Ensemble-Wirkung bzw. ein Dialog zwischen den Gebäuden angestrebt werden? Diese Forschungsarbeit verfolgt eine Strategie, durch neu dazukommende Bausteine in einem bestehenden und sich stets verändernden Straßenraum den Zusammenhang nach und nach zu erhöhen. Hiermit sind neben Neubauten auch Maßnahmen von Bedeutung, die durch eine Modernisierung oder Umbau eines Gebäudes zu einer Veränderung der Straße führen.

Die neue Aufgabe der Gebäude soll darin bestehen, den wahrgenommenen Charakter einer Straße mittels Informationen in die neue Bauaufgabe mit einfließen zu lassen. Dadurch wird der Charakter gestärkt und sichtbar gemacht.
Grundlage hierbei ist die Annahme, dass ein Entwurfsprozess zu einem gewissen Teil sowohl aus Information als auch aus Intuition verstanden wird. Möchte man einen Entwurf hingehend auf eine gewisse Haltung beeinflussen, so müssen diese oben genannten Informationen dafür transparent gemacht werden.

Diese Dissertation geht dieser Informationsforschung in zwei Schwerpunkten nach. Zum einen werden Kriterien, die in der Wahrnehmung eines Betrachters für eine Ensemble-Wirkung sorgen erforscht und zum anderen werden charakterbildende Informationen eines Straßenraumes ergründet.

Theorie des Stoffwechsels – Gottfried Semper und die architektonische Form

Tempel von Segesta, Sizilien, Italien, 430/420 v. Chr.
© Ute Zscharnt for David Chipperfield Architects

Hannah Jonas

Wie entstehen Formen? Wie nehmen wir Formen wahr? Und welche Rolle spielt der Stoff, der die Form erst als Form erscheinen lässt? Gottfried Semper hat aus der Perspektive eines Architekten und Architekturtheoretikers vor gut 150 Jahren eine Antwort formuliert: die „Stoffwechseltheorie“, beschrieben in seinem Hauptwerk „Der Stil “.
Sempers überraschende These: Die konkrete Form eines architektonischen Elements ist unabhängig von Material und dessen stofflichen Bedingungen, ist vielmehr Resultat eines gänzlich immateriellen Prozesses. Form ist in ihrer Entstehung eingebunden in ihre Geschichte und Vorgeschichte, ist Träger von Erinnerung und ideelem Ausdruck. Die Prinzipien der Form sind die von Imitation und Wiederholung, erst hierdurch wird sie zum kulturellen Produkt.
Das Institut für Öffentliche Bauten und Entwerfen der Universität Stuttgart forscht über die architektonische Form und ihre Entstehung auf Grundlage der Semperschen Theorie. In Zusammenarbeit mit David Chipperfield Architects Berlin kuratiert das Institut die Dezemberausgabe 2016 des Architektur-Magazins Baumeister. Die Stoffwechseltheorie wird zum Anlass genommen, um Form und Formfindungsprozesse zu reflektieren – aus wissenschaftlich-theoretischer sowie aus praktisch-entwerfender Perspektive.

To prevent automated spam submissions leave this field empty.

This website is using some programming language that your browser doesn't understand.
It wouldn't be a bad idea to use a state-of-the-art webbrowser, like Firefox or Chrome :-)