Institut für Mineralogie und Kristallchemie der Universität Stuttgart

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Marokkoexkursion 2001

9. Exkursionstag: 03. April 2001)

 

9.1. Mine von Benguerir zwischen Casablanca und Marrakesch

N32 16.62

W7 49.71

Die Mine wurde 1980 gegründet. In der Umgebung gibt es insgesamt 23 Phosphorithorizonte. Sie weisen ein Alter von Maastricht bis Eozän auf. Die einzelnen Phosphorithorizonte sind durch Mergel, Sandsteine und Kalksteine voneinander getrennt. Zur Zeit werden nur die phosphatreichsten Schichten des Maastrichts abgebaut. Diese besitzen eine Mächtigkeit von 1 bis 3 m. Die alttertiären Horizonte sind teilweise erodiert. Bei der Entstehung der Phosphorite geht man davon aus, dass kalte, nährstoffreiche Tiefenwässer an der Ostküste des Zentralatlantiks aufsteigen und in ein randliches Meeresbecken einströmen, das durch eine Barre vom Ozean getrennt ist. Innerhalb dieses Meeresbeckens lassen sich dem Sauerstoffgehalt entsprechend 3 verschiedene Zonen aushalten. Die oberste Zone ist photisch und reich an Sauerstoff. Hier gedeiht das Plankton und andere marine Lebewesen. In dieser Zone kommt es zur Kalkfällung. Die mittlere Zone enthält nur noch wenig Sauerstoff aus der obers­ten Zone. Hier bilden sich aufgrund der starken Zufuhr von organischer Masse aus den oberen Wasserschichten die Phosphorite. In der untersten Zone herrschen reduzierende Bedingungen vor. Das Wasser ist H2S haltig und lebensfeindlich. Außer reduzierenden Bakterien können hier kaum andere Organismen existieren. In dieser Zone werden Kieselschiefer, Tone und Mergel abgelagert.

Die Phosphorite enthalten 15-30 % P2O5, 6 % CO2, 1 % MgO, 5-30 % SiO2 und 10 ppm Cd. Der Cadmiumgehalt ist von Bedeutung, da für vorgesehene Verwendung des Phophorits ein Wert von 20 ppm Cd nicht überschritten werden darf. Das Phosphat wird als Düngemittel, für Kosmetika, Coca Cola (sowie Getränkeindustrie allgemein) und für Farben verwendet. Die wichtigsten Abnehmer befinden sich in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Spanien. Den Wirtschaftsplänen zufolge soll der Phosphatabbau in 3 Phasen erfolgen:

Phase1:            Von 1980 bis 1994 wurden nur 2 Phosphoritschichten abgebaut. Die Förderleistung betrug 3,1 Mio t pro Jahr.

Phase2:            Von 1994 bis 2018 werden die Schichten 1 bis 6 abgebaut. Die Förderleistung soll von 3,1 Mio t pro Jahr auf 6,75 Mio t pro Jahr gesteigert werden.

Phase3:            Ab 2018 sollen alle Schichten und Reserven abgebaut werden. Die Produktion soll nochmals auf 10 Mio t pro Jahr gesteigert werden.

            Abb.4:                Seilbagger beim Entfernen des Abraumes.

Heute sind die einzelnen Abbaubereiche 4 km breit und 40 km lang. Angeblich werden für den Abbau täglich 20 t Sprengstoff verwendet. Die Trennung von Phosphat und Abraum erfolgt durch Sieben. Das Phosphat besitzt eine Korngröße von kleiner 10 mm, der Abraum ist größer als 10 mm. Die Tonanteile werden durch Waschen entfernt, so dass letztendlich nur die Korngrößen von 3,15 mm bis 63 µm für die weitere Verarbeitung verwendet werden. Mineralogisch bestehen die Phosphorite aus Quarz, Opal, Dolomit, Calcit, Apatit und den Tonmineralen Smectit und Attapulgit. Außerdem enthalten die Phosphorite zahlreiche Haifischzähne, Saurierzähne, Wirbel und sonstige Knochenreste.

 

9.2. Aufschluss südlich vom Ortsausgang Sidi-Bou-Othmane an der Straße Marrakesch - Casablanca

N31 53.26

W7 56.78

Dieser Aufschluss liegt in einem Aufbruch des Paläozoikums mit dem Namen Jbilet. Das Paläozoikum wurde variszisch deformiert, und und hat eine sehr niedriggradige Regionalmetamorphose erfahren. Das Gebiet von Jbilet wird von alpinen Transversalstörungen begrenzt. Der Aufschluss liegt im Kontaktbereich eines vor rund 280 Ma intrudierten Granits. Das Nebengestein besteht aus Karbontatgesteinen, Grauwacken und Sandsteinen. Die Kontaktaureole ist zoniert. Direkt am Kontakt befindet sich eine Sillimanit-Zone. In distaler Richtung folgt eine Andalusit-Zone, Biotit-Zone und eine Chlorit-Zone. Des Weiteren gibt es in der Gegend Wolfram-, Blei- und Kupfervererzungen. Die Gesteine des Aufschlussbereichs sind als Andalusit-Hornfelse zu bezeichnen. Sie führen neben Andalusit auch noch Karbonatminerale, Glimmer, Feldspat und Quarz.

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