Institut für Mineralogie und Kristallchemie der Universität Stuttgart

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Marokkoexkursion 2001

8. Exkursionstag: 02. April 2001

 

8.1. Mine de Haijar bei Guemassa (SW Marrakesch)

N31 21.66

W8 03.36

Die Mine befindet sich im SW von Marrakesch ungefähr 20 km nördlich des Hohen Atlas. Heute werden hier Zink-, Blei-, Kupfer- und Silbererze von der Firma CMG abgebaut. Für die Zukunft ist auch die Gewinnung von Kobalt geplant. Dem Abbau ging eine Explorationsphase voraus, deren Anfänge sich bis in die 60er Jahre zurückverfolgen lassen. Damals wurden magnetische Aufnahmen vom Flugzeug aus angefertigt. Diese Aufnahmen offenbarten für den Bereich der heutigen Mine eine größere magnetische Anomalie mit einem Durchmesser von 30 km. Anfang der 80er Jahre folgten geomagnetische Untersuchungen am Boden. Dabei stellte sich heraus, dass die in den 60er Jahren gemessenen Anomalien weitaus größer sind. 1984 erfolgte die erste Probebohrung. Diese ergab 120 m mächtige Sulfide unter 100 m junger Bedeckung. Es folgten weitere Bohrungen bis 1988. 1990 wurde eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Erst 1992 erfolgte der Produktionsbeginn mit 2400 t pro Tag. Heute beträgt die Produktion 10.000 t pro Tag. Der Vorrat umfasst mindestens 10 Mio. t Erz. Der Hauptschacht der Mine ist 500 m tief. Über eine Rampe können die Erze mit dem LKW zutage transportiert werden. Die geförderten Erze enthalten 7-8 % Zink, 2-3 % Blei, 0,5-0,7 % Kupfer und 60 ppm Silber. Das sedimentäre Alter der Rahmengesteine der Lagerstätte ist Namur, ihre Basis besteht aus einem subvulkanischen Rhyolith. Im Randbereich des Rhyolithkörper befindet sich eine chloritisierte Zone, auf diese folgt distal eine serizitisierte Zone. Die Chloritisierung erfolgte durch Mg-Zufuhr, die Serizitisierung durch K-Zufuhr. Oberhalb dieser beiden Zonen befindet sich der Erzkörper. Dieser besteht im Inneren aus Pyrrhotin und Kupfererzen, seine äußeren Bereiche setzten sich aus Pyrrhotin, Blei- und Zinkerzen zusammen. Im Kontaktbereich zu den pliozänen bis quartären Ablagerungen ist durch Oxidation ein „Eisenhut“ entstanden. Dieser enthält im tieferen Teil Kupferminerale und im höheren Siderit. Die Lagerstätte entstand durch synsedimentäre Erzausscheidungen an der Grenze Meerwasser-Sediment. Während der variszischen Orogenese wurde die Lagerstätte verfaltet, eine Sattelachse streicht heute NE-SW. In NE-SW streichenden Störungszonen erfolgte die Zufuhr von Arsen, Kupfer und Kobalt.

Besichtigung des Bergwerks: Unmittelbar am Schacht befinden sich alterierte vulkanische Gesteine. Der weitere Weg durch das Bergwerk führt zu einer Wechselfolge aus Siltsteinen und Erzbändern, die an einer Hauptstörungszone umgebogen sind. An anderer Stelle befinden sich ehemalige hydrothermale Kamine, innerhalb derer es zur Ausfällung von Kupfer- und Kobalterzen gekommen ist (Stockwerk-Bereich). Durch Reaktion von Wasser mit dem sulfidischen Erzkörper kommt es im Bergwerk zur Freisetzung von Schwefelsäure, die bei manchem Exkursionsteilnehmer einen Reizhusten ausgelöst hat.

               Abb.1:                Aufbereitungsanlage

In der Aufbereitungsanlage werden die Blei-, Zink- und Eisenerzphasen durch Flotation voneinander getrennt. Dafür wird das Gesteinsmaterial zunächst mit Kugelmühlen bis auf eine Korngröße von 60 µm gemahlen. Das Gesteinsmehl wird anschließend mit unterschiedlichen Tensidschäumen in die einzelnen Mineralphasen aufgetrennt. Eine Qualitätskontrolle erfolgt mittels Röntgenfluoreszenztechnik.

8.2. „Turtleaufschluss“ (ungefähr 5 km SW der Mine bei Guemassa)

               Abb.2:                „Turtle“ auf der Flucht.

N31 22.20

W8 05.68

Hier ist wie in der Mine anchimetamorphes Paläozoikum aufgeschlossen. Darüber folgen diskordant die Ablagerungen des Pliozäns. An unserem Ausgangspunkt an einem Wadi befindet sich ein Aufschluss mit subvulkanischen Gesteinen, die letztendlich für das hydrothermale Regime dieser Gegend verantwortlich waren. Ungefähr 20 m wadiabwärts stehen Siltsteine mit Sulfidbändern an.

               Abb.3:                Scherkörper oder Konkretionen?

Nördlich der Siltsteine schließt sich vermutlich eine Störzone an, in der sich Scherkörper aus schwarzem Kalkstein befinden. Bei diesen Kalksteinkörpern könnte es sich möglicherweise auch um Konkretionen handeln. Nördlich der vermeintlichen Störzone befindet sich eine Kalkbrekzie mit Stromatolithen und Crinoidenstielgliedern. Einer Interpretation zufolge wurde diese Kalkbrekzie an einem Beckenrand unterhalb einer Karbonatplattform abgelagert. Die Siltsteine und die Karbonate stammen aus dem Oberkarbon. Oberhalb des Wadis tritt die rezente Fauna in Form einer Schildkröte, eines Geckos und zahlreichen Ameisenlöwen in Erscheinung.

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