Institut für Mineralogie und Kristallchemie der Universität Stuttgart

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Marokkoexkursion 2001

2. Tag: 27. März 2001

 

Blick auf Fès

Fahrtstrecke von Fès nach Chefchaouen

2.1. Aufschluß 30 km westlich von Fès an Hauptstraße, Fès Richtung West auf der P3


Dieser Aufschluss befindet sich am Rande des Vorlandbeckens von Saiss, der Verlängerung des Beckens von Rhab. Die Vorlandsenke ist aus lakustrinen Kalken aus dem Oberpliozän aufgebaut, wobei die Beckenrandfazies aus dem Unterquartär stammt. Die Steilstellung der Kalke am Beckenrand weist auf Tektonik hin, entstanden durch Kollision von Afrika und Europa. Die im Aufschluß zu beobachtende Deformation lief bis an die Grenze Quartär Pliozän ab. Die Konvergenz betrug ca. 1 cm pro Jahr. Das Streichen der Schichten verläuft parallel zum Rif, d. h. 45. Der Aufschluss liegt an der Front des alpin gebildeten Rif. Die Decken des Externen Bereichs wurden nach S-SW transportiert, das bedeutet Deckenbau mit Vergenz nach Süden.

Steilstehende Kalksteinhorizonte am Rande der alpinen Deckenfront

Gliederung des alpinen Rifgebirges in Nord-Marokko:

        Molasse

        Prärif oder Mesorif von Trias bis Oligozän

        Flysch

        Dorsale Kalke

        Innere Betiden

        Sebtiden

 

2.2. Aufschluß 35 km westlich von Fès, an der P3

 

Aufschluß in rotgefärbter germanischer Trias an der Basis einer Deckenfront.

 

N34 03.56

W5 18.27

Hier steht die Deckenfront des Rif an. Es handelt sich um germanische Trias. Die Mächtigkeit der Trias kann bis zu 2000 m erreichen. Dies ist durch Stapelung während des Deckentransports erklärbar. Die Basis wird gebildet aus Evaporiten. Des weiteren findet man noch Mergel und Vulkanite. Evaporite sind gute Gleitmittel, weshalb sie immer die Basis bzw. Front der Deckenstapel bilden. Die Trias liegt direkt unter der Oberkreide; daraus folgt, dass die Juraabfolge fehlt, da sie tektonisch unterdrückt wurde. Jedoch sind einzelne nun isolierte Jurahorste mittransportiert worden, die heute als isolierte Blöcke Höhenzüge bilden.

 

Große Gipskristalle in triassischen Sedimenten

 

2.3. Aufschluß bei Fauves, zwischen Fès und Sidi-Kacem, südöstlich von
Nzala-des-Béni-Ammar

Hier steht unteres Pliozän an, das stratigraphisch unterhalb der lakustrinen Kalke liegt. Der Übergang von mariner Sedimentation zu Brackwassersedimentation ist erkennbar.
Die Schichten liegen nahezu söhlig. Die Sedimentation dieser Gesteine erfolgte nach dem Deckentransport, also postorogen.

 

2.4. Aufschluß an der P28 in Richtung Chefchaouen, ca. 3 km nördlich Ân-Defali

N34 37.81

W5 32.24

Die im Prä-Rif vorkommenden Decken mit kretazischem Alter sind hier metamorphe Schiefer. Sie bilden eventuell die Basis des Prärif. Die Glimmer und das Deformationsgefüge weisen auf beginnende Metamorphose hin. In dem nahegelegenen Fluss wurden auch Amphibolitblöcke gefunden. Es könnte sich hierbei um alpine Klippen aus dem internen Bereich handeln oder um den ursprünglichen metamorphen Sockel der Sedimente. Es bleibt jedoch die Frage des Transportmechanismus offen.


Metamorphe schieferige Gesteine an der Basis der Decken des Prä-Rif

2.5. Aufschluß an der P28, 7 km nördlich von Quazzane

 

N34 51.04

W5 32.32

Die Grenze zwischen Prä- und Mesorif stellt sich als Hauptüberschiebungskontakt dar - älteres auf jüngeres Gestein, d. h. Kreide auf Eozän. Die Steilstellung der Hauptüberschiebungsbahn kann entweder durch Tektonik oder als oberster Ausschnitt einer listrischen Überschiebungsbahn erklärt werden. Die Struktur streicht jetzt N-S, daraus folgt eine Bewegungsrichtung von W-E. Das Flysch liegt diskordant über dem Mesorif. Die präalpine Sedimentation endet im Eozän und postalpine setzt mit dem Jungtertiär ein.

2.6. Aufschluss an der P28, 1km nach der Abzweigung Richtung Mokreset

 

Wir befinden uns hier im Intrarif, in der Einheit von Tanger. Dieser Bereich gehört zur externen parautochthonen Zone. Die Flyschsedimentation vermittelt zwischen der Intern- und Externzone. Die Flysche sind wie in vielen Fällen im Bereich von Hauptbewegungszonen zu finden.

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