Institut für Mineralogie und Kristallchemie der Universität Stuttgart

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Chile-Exkursion 2002

18. März

1. Aufschluß: Quebrada Animas Viejas

(Nach dem Abbiegen von der asphaltierten Küstenstraße über eine Sandpiste in der Quebrada Animas Viejas bis S2829.46 W 7038.36)

Innerhalb des in der Quebrada aufgeschlossenen, im Wesentlichen tonalitischen jurassischen Flamenco-Pluton gibt es eine kleie Intrusion eines hornblendereichen Gabbros. Hier sind häufige bis 10 cm große Kugelgabbros zu finden, ein Orbikulargefüge, welches durch konzentrische Kristallisation an Kristallisationskeimen im Randbereich eines Plutons entsteht.

Abb.1.: Orbikulargefüge

 

2.Aufschluß: Punta Animas, Melange von Chanaral 10 km südl. Chanaral

(Zwischen der Küstenstraße und dem Strandbereich: S2625.46 W7041.89)

  Abb.2: Punta Animas

Punta Animas liegt in der sogenannten Melange von Chanaral, es sind Gesteine des jungpaläozoischen Basements, in diesem Fall anchimetamorphe Metaturbidite aus den oberen Stockwerken des karbonisch-permischen Akkretionskeils. Aufgeschlossen sind im wesentlichen Metapelite, in den metapsammitische Lagen stark gefaltet und völlig boudiniert wurden. Daraus ergibt sich das chaotische Aussehen der Melange. Eingelagert sind auch kleine Linsen von Metabasiten, die Aktinolith und Pumpellyit enthalten. Strukturell wird die Melange von den kaum deformierten Turbiditen der Formation Tortora. Diese bildet den höchsten Teil des Akkretionssystems.

Das Sedimentationsalter wurde anhand von Conodonten auf ungefähr Devon-Karbon datiert. Die metamorphe Überprägung geschah im Karbon/Perm, der metamorphe Gradient lag bei ca. 15C/km. Die Metamorphosebedingungen in der Melange wurden anhand der Illitkristallinität bestimmt. (Dabei gilt: je enger die 001-Reflexe liegen desto besser kritallin ist der Illit, desto höher metamorph ist das Gestein; hier obere Anchizone bzw. Aktinolith-Pumpellyit-Fazies). Die überlagernden Turbidite weisen hingegen Bedingungen der unteren Anchizone auf.

Diskordant auf den paläozoischen Gesteinen sind zuunterst Karbonate der Fm. Pandazucar (Aufschluß 8), darüber rote, klastisch-kontinentale Sedimente abgelagert worden. Diese Einheiten sind einem Back-Arc-Becken zuzuordnen und verzahnen sich nach Westen mit den vulkanischen und vulkanoklastischen Serien der Fm. La Negra (Aufschluß 7).

 

Der jurassische magmatische Bogen

(Aufschlüsse 3 bis 6: Kontakt zum Granitoid am südlichen Ortseingang von Chañaral S2621.14 W7038.10, Störungszone als Kontakt zweier Granitoide S2624.08 W7022.47, explorierte Cu-Vererzung bei S2624.01 W7022.35)

Die Plutonite des jurassischen magmatischen Bogens folgen dem kalkalkalinen Trend und sind somit einem Subduktionsregime zuzuordnen. Das Intusionsniveau ist relativ flach, meist unter 10 km.

Das Alter der Plutonite nimmt von Westen nach Osten ab. Die nachfolgenden Aufschlüsse sollen das Von Westen nach Osten abnehmende Intrusionsalter verdeutlichen.

3. Tonalit El Barquito (200 Mio a) 3km südwestl. Chanaral

4. Granodiorit Cerro Vetado (150 Mio a) Alter von

5. Diorit Las Animas (150 Mio a) W nach E abnehemnd

6. Pluton Las Tazas (130 Mio a) (siehe auch Übersichtsskizze)

Abb.3: Streckeisen-Diagramm - rot: kalkalkaline Serie

Das wichtigste tektonische Strukturelement im jurrassischen magmatischen Bogen bildet die Atacama-Störungszone zu der auch die Gesteine der duktilen Scherzone von Punta Animas, Aufschluß 2, gehören. Durch die Konvergenzschiefe der subduzierten Platte war die Störungszone zwar vorwiegend als sinistrale Blattverschiebung aktiv, es treten aber auch, senkrecht dazu, extensionale Bewegungskomponenten auf.

7. Aufschluss: Fm. La Negra

Die Vulkanite des jurrassischen magmatischen Bogens bilden 3800-5000m mächtige, basaltisch-andesitische Laven. Sie wurden zum Teil auf der im folgenden beschriebenen Fm.Pandazucar abgelagert.

8. Aufschluss: Fm. Pandazucar

Hierbei handelt es sich um flachmarine Karbonate aus dem Sinemur/Hettang, die im Backarc-Bereich des jurassischen magmatischen Bogens abgelagert wurden. Den Kontakt zur Fm. La Negra im Hangenden bildet eine synkinematische Abschiebung mit synsedimentärer Brekzienbildung.

An Fossilien treten Brachiopoden, Ammoniten, Echinodermen und Gastropoden auf.

Abb.4: Fm. Pandazucar

 

Übersichtsskizze

 

Abb.5: Übersichtsskizze (verändert nach Berg & Breitkreuz, 1984)

Exkursionsbericht

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