Interkulturalität im Deutschunterricht

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Mit Heterogenität (von gr. heteros ‚andersartig‘, ‚verschieden‘ und genesis ‚Erzeugung‘, ‚Geburt‘) sind Lehrerinnen und Lehrer von heute in vielerlei Hinsicht konfrontiert: Sie haben mit sozio-ökonomischen, genderbedingten, migrationsbedingten und behinderungsbedingten Differenzen zu tun. Im Rahmen des Verbundprojekts „Lehrerbildung PLUS“  konzentriert sich die Germanistik der Universität Stuttgart auf eine Verankerung von Heterogenität im Fach Deutsch vor allem im Blick auf kulturelle und sprachliche Unterschiede. In der Germanistik wird dies seit langem im Feld Interkulturelle Literaturwissenschaft diskutiert, aber auch im Bereich Deutsch als Fremdsprache (DaF). Hier setzen wir an.

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Interkulturelle Literaturwissenschaft

Der Terminus „Interkulturelle Germanistik“ gilt als Dach- und Fachbegriff für verschiedene Disziplinen. Der Teilbereich der germanistischen interkulturellen Literaturwissenschaft konstituiert sich dabei als ein neues Arbeitsfeld der internationalen Literaturwissenschaft sowie als Teilgebiet von Deutsch als Fremdsprache (DaF). Im literaturwissenschaftlichen Bereich handelt es sich demnach um eine Forschungsperspektive mit einem spezifischen theoretischen und methodischen Profil, dem zwei Annahmen zugrundeliegen: (1) bei der Erforschung und Vermittlung von Literatur können Kulturunterschiede relevant sein sowie (2) Literatur und deren Rezeption können über diese relativen Unterschiede hinausgehen. „Kultur“ wird dabei also nicht als Abgrenzungskategorie, sondern als produktive Quelle für Austausch, Kontakt, Diffusion und Integration gedeutet. Die interkulturelle Literaturwissenschaft orientiert sich somit an speziellen Forschungsfragen, die sowohl auf die Produktion und Rezeption als aber auch auf textuelle Aspekte und methodische Ansätze abzielen. Mögliche Fragestellungen sind demnach:

In Bezug auf die Produktionsseite:

  • Gibt es eine Poetik interkulturellen Schreibens? (multi-cultural / cross-cultural writing)
  • Wie werden kulturspezifische und -überschreitende Wissensbestände literarisch fixiert und transformiert?
  • Welche interkulturellen Strategien der Leserlenkung gibt es?
  • Wie erzeugt der Autor eine Balance zwischen „Näherbringen“ und „Fremdlassen“?

In Bezug auf die Rezeptionsseite:

  • Welche Relevanz haben kulturspezifische bzw. -differente Rezeptionsbedingungen?
  • Welche Möglichkeiten einer interkulturellen Rezeption gibt es und wie werden diese gefördert?
  • Wie beeinflussen soziokulturelle Determinanten und interkulturelles Verstehen eine heterogene Lektüre (cross-cultural reading)?

Zudem spielen weitere Aspekte wie thematische und formale Adaptionen, sprachliche Vielstimmigkeit, Intertextualität und Hybridität eine zentrale Rolle. Zur Erforschung lassen sich verschiedene methodische (interdisziplinäre) Ansätze nutzbar machen, wie Kulturtransfer, Histoire Croisée, hermeneutische Methoden, (Post-) Strukturalismus, Postcolonialismus, Identitätstheorien, Intersektionalitätstheorien, Gender, psychoanalytische Ansätze etc.

An der Universität Stuttgart sind Themen, die sich in diesem Bereich ansiedeln lassen, schon seit Längerem fester Bestandteil der Lehre. Exemplarisch zu nennen wären zum Beispiel:

In der Neueren Deutschen Literaturwissenschaft:

  • Gespräche deutscher Ausgewandeter (Prof. Florian Höllerer, WS 2016/17)
  • Intermedialität und Hypertextualität in der Gegenwartsliteratur (Dr. Alexandra Tischel, WS 2016/17)
  • Deutsche Literaturwissenschaft in der Türkei, 1933−1997 (Dr. Jasmin Azazmah, SoSe 2016)
  • Gegenwartsliteratur im internationalen Kontext (Prof. Sandra Richter, SoSe 2016)

In der Mediävistik:

  • Literatur und Kultur des 16. Jahrhunderts (Prof. Manuel Braun, SoSe 2016)

In der Linguistik:

  • Mehrsprachigkeit (Karin Leonte, jedes Semester)
  • Satzbautypen im Türkischen (Britta Sauereisen, SoSe)
  • Varietäten des Deutschen (Fabian Bross, SoSe)

 

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Kooperationen

 

Um diesen Ansätzen im Studiumscurriculum einen festen Platz zu geben, arbeitet die Germanistik der Universität Stuttgart mit verschiedenen Kooperationspartnern zusammen:

  1. Im Rahmen des Verbundprojekts „Lehrerbildung PLUS“ bauen die Verbundhochschulen eine gemeinsame Professional School of Education auf, an welcher sich die Germanistik der Universität Stuttgart im Projektteil „MP 6.2: Vertiefung und Fachdidaktische Verankerung von Inklusion und Heterogenität im Fach Deutsch“ beteiligt.
  2. Seit einigen Semestern besteht eine engere Kooperation mit dem Sprachenzentrum der Universität Stuttgart, um eine mögliche Anknüpfung an den Teilbereich Deutsch als Fremdsprache/Deutsch als Zweitsprache zu gewährleisten. Das Sprachenzentrum bietet Studierenden aller Fachrichtungen die Möglichkeit ein Erweiterungscurriculum Deutsch als Fremdsprache lehren lernen (EC DaFLL). 

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Ziele und Umsetzung

  • Verankerung einer konkreten Theorie-Praxis-Erfahrung im Studium
  • Ausweitung der Studieninhalte auf Heterogenität und Diversität
  • Sensibilisierung für eine interkulturelle Kommunikation
  • Kooperationen: gemeinsame Seminare, Workshops, hybride Lehre etc.

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Umsetzung im Lehrprogramm

Aktuell im Wintersemester 2017/18:

  • Interkulturalität im Reisebericht des frühen 20. Jahrhunderts (Katrin Hudey, montags 11.30−13 Uhr)
  • Literatur im DaF-Unterricht (Altina Mujkic, montags 9.45−11.15 Uhr)
  • Workshop: tba (Altina Mujkic, Katrin Hudey)

Rückblick:

  • SS 2017: Interkulturelle Literatur, Migrationsliteratur, Brückenliteratur (Katrin Hudey, montags 11.3013 Uhr)
  • SS 2017: Literatur im DaF-Unterricht (Altina Mujkic, montags 9.4511.15 Uhr)
  • SS 2017: Workshop: Mehrsprachige Literaturen im Deutsch- und DaF-Unterricht (Altina Mujkic, Katrin Hudey)
  • WS 2016/17: Der Blick in die Fremde. Heterogenität in der Literaturwissenschaft (Katrin Hudey)
  • WS 2016/17: Literatur im DaF-Unterricht (Altina Mujkic)
  • WS 2016/17: Workshop: Interkulturalität, Mehrsprachigkeit, Identität (Altina Mujkic, Katrin Hudey)

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Zum Thema

Literatur:

 

Termine, Veranstaltungen:

  • Neujahrsauftakt 2017, Stuttgart, 20.1.17
  • Workshop/Vortrag „Heterogenitätsperspektiven“, Ludwigsburg, 24.11.16
  • Klausurtagung „Lehrerbildung PLUS“ 2016, Bad Urach, 22.−23.11.16

Verantwortlich: Katrin Hudey

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Das Verbundprojekt „Lehrerbildung PLUS“ wird im Rahmen der gemeinsamen „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“ von Bund und Ländern aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung gefördert.