Ringvorlesung am Institut für Kunstgeschichte

Ringvorlesung WS 18 | 19

Moderne Kunst zwischen Autonomie und Gesellschaft

Anlässlich des 50. Jubiläums der gesellschaftlichen Revolte richtet sich der Blick verstärkt auf den politischen Charakter der Kunst um 1968 und deren Bedeutung für die Moderne. Das Jahr 1968 wird häufig als Zäsur zwischen einer ästhetisch selbstbezüglichen und einer politisch engagierten Kunst angesehen. Die in der
Moderne erhobene Forderung nach Autonomie der Kunst gegenüber gesellschaftlichen Funktionen sowie ihre medienreflexive Selbstbetrachtung hat demnach zur formalistischen Erstarrung der Kunst geführt. Die gesell-schaftlichen Anliegen der Generation um 1968 wiederum haben in dieser Sicht den Weg für eine politisch engagierte Kunst gebahnt, bei der Kunst und Leben ver-bunden sind.

Aus heutiger Perspektive stellt sich allerdings das antagonistische Modell von Kunst als modernistische Selbstbespiegelung einerseits und als konkreter poli-tischer Aktivismus andererseits selbst als historisch relativ dar, gehen zeitgenössische künstlerische Prakti-ken doch über eine solche Gegenüberstellung hinaus. Es zeigt sich, dass das antagonistische Modell bereits für das 20. Jahrhundert ein zu vereinfachtes Schema dar-stellt, das die Interdependenz zwischen künstlerischer Form, Produktionsbedingungen, Wirkweisen und deren sozialer Geltung ausblendet. Wir wollen das Jubiläum zum Anlass nehmen, erneut einen Rückblick und auch eine Standortbestimmung zu der Frage des Verhält-nisses zwischen Kunst und Politik in der Moderne und Gegenwart vorzunehmen. In der Ringvorlesung im Wintersemester 2018/2019 stellen ausgewiesene Kunsthistorikerinnen und Kunsthistoriker ihre For-schungen vor, die einen Beitrag leisten zu der Frage nach der Stellung der modernen Kunst zwischen Autonomieforderung und gesellschaftlicher Wirk-mächtigkeit.

Konzept und Moderation:
Prof. Dr. Kerstin Thomas
Universität Stuttgart, Institut für Kunstgeschichte

Termine

Die Vorträge finden jeweils montags von 17.30-19.00 Uhr im Tiefenhörsaal 17.01, an der Universität Stuttgart, Keplerstraße 17 (KII) statt.

  • 22.10.2018
    Prof. Dr. Kerstin Thomas
    Universität Stuttgart
    Einführung

  • 05.11.2018
    Prof. Dr. Barbara Lange
    Eberhard Karls Universität Tübingen
    Über Wasser. Zur Auseinandersetzung mit Migration
    und Ökologie in der Gegenwartskunst

    • 12.11.2018
      Prof. Dr. Karen van den Berg
      Zeppelin Universität Friedrichshafen
      NS-Kunst und die Ikonographie der neuen Rechten                                   (Stand: 5.11.2018)


  • 19.11.2018 
    Dr. Holger Kube Ventura
    Leiter Sammlung für konkrete Kunst Reutlingen 
    Was Kunst kann und soll.
    Überlegungen zu Konsequenz und Relevanz

  • 26.11.2018 
    Prof. Dr. Friedrich Weltzien
    Hochschule Hannover
    Verschimmelung, Auto-Destruktion, Umherschweifen.
    Kreative Strategien der
    Funktionalismuskritik um ‘68

  • 03.12.2018
    Hans D. Christ / Iris Dressler
    Direktoren
    Württembergischer Kunstverein Stuttgart
    Unruhe der Form

  • 10.12.2018 
    Thomas D. Trummer
    Direktor Kunsthaus Bregenz
    Parndorf. Kommune, Standstreifen, Outlet

  • 17.12.2018
    Prof. Dr. Karen van den Berg
    Zeppelin Universität Friedrichshafen
    NS-Kunst und die Ikonographie der neuen Rechten                                             (Stand:5.11.2018)

  • 07.01.2019
    Prof. Dr. Katja Diefenbach
    Merz Akademie Stuttgart 
    Von der Kunst, sich selbst zu überschreiten.
    Herausforderungen
    minoritärer Politik nach 1968

  • 14.01.2019 
    Prof. Dr. Maria Muhle
    Akademie der Bildenden Künste München
    „Aufteilungen des Sinnlichen". Für eine Politik des Erscheinens im Anschluss an Rancière

  • 21.01.2019
    Prof. Dr. Julia
    Gelshorn
    Université de Fribourg
    Kunst als "produktive Aktivität"?
    Zum performativen Realismus von Thomas Hirschhorn

  • 28.01.2019
    Prof. Dr. Michael Zimmermann
    Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
    Allan Sekulas Frühwerk „Aerospace Folktales“ (1973).
    Soziale Selbstverortung als Grundlage partizipativer Dokumentation

  • 04.02.2019
    Prof. Dr.
    Burcu Dogramaci
    Ludwig-Maximilians-Universität München
    Kunst der Migration. Migration der Kunst.
    Eine politische Kunst(geschichte) der Moderne und Gegenwart

Ringvorlesung WS 17 | 18

Positionen der kunsthistorischen Frühneuzeitforschung

Die Frühe Neuzeit (ca. 1400-1750) ist ein Kerngebiet kunsthistorischer Forschung. Aus ihr stammen Werke, die die Entwicklung der Kunstgeschichte geprägt haben und die immer neue Fragen provozieren. Klassische Methoden wie die Ikonologie haben sich in der Auseinandersetzung mit frühneuzeitlicher Kunst entwickelt und wiederum das Bild der Epoche geprägt. Der Horizont der Forschung hat sich im 20. und 21. Jahrhundert beständig erweitert, so dass Kunstwerke in unterschiedlichen historischen Kontexten verortet werden. Neben den Künstlern sind die Auftraggeber und die Adressaten wichtig geworden und damit die Frage, in welche soziale Praktiken die Kunstwerke eingebunden sind: Welche politische oder religiöse Funktion haben sie? Welches Bild der Geschlechter entwerfen sie? Eine weitere wichtige Frage ist die nach dem Verhältnis von Kunstwerken und Kunsttheorie. Sind etwa die Werke als ästhetische Positionsbestimmungen der Künstler zu verstehen? Die italienische Kunst war lange Zeit maßgeblich für die Kunstgeschichte, doch nun rücken andere europäische Regionen und vor allem außereuropäische Länder in den Fokus. Wie werden in Kunstwerken Identitätsprozesse ausgehandelt, in welchem Verhältnis stehen sie zu den Wanderbewegungen von Materialien, Menschen, Konzepten, Ornamenten oder Dingen?

Solche und viele andere Fragen werden unsere Referenten aufwerfen. Sie werden uns Material vorstellen, das ihnen besonders wichtig ist, uns mit Problemen konfrontieren, die sie umtreiben, und uns einen Einblick geben, wie sie arbeiten.

Wir haben namhafte Frühneuzeit-Experten gewinnen können, die aus baden-württembergischen und weiteren deutschen Universitäten sowie von internationalen Forschungseinrichtungen zu uns nach Stuttgart kommen.

Die Ring-VL ist für die Module Gattungen und Medien, Fallstudien (BA/MA), Epochen und Stile 1 u. 2 anrechenbar. Anmeldung über c@mpus.

Termine

Die Vorträge finden jeweils donnerstags von 11.30-13.00 Uhr im Tiefenhörsaal 17.02, an der Universität Stuttgart, Keplerstraße 17 (KII) statt.

  • 19.10.2017
    Prof. Dr. Daniela Bohde
    Einführung
    Universität Stuttgart
    "Deutsche Ausdruckskunst? Zeichnungen von Albrecht Altdorfer und Wolf Huber"

  • 26.10.2017
    Prof. Dr. Karin Gludovatz
    Freie Universität Berlin
    "Fremde Federn. Tierfamilien in der niederländischen Malerei des 17. Jahrhunderts"

  • 02.11.2017
    Prof. Dr. Ulrich Pfisterer
    Ludwig Maximilian Universität München Zentralinstitut für Kunstgeschichte
    "Das Geschlecht der Wilden. Die Herrschaft über Exotica und Erotica in Sammlungen der Frühen Neuzeit"

  • 09.11.2017
    Prof. Dr. Margit Kern
    Universität Hamburg
    "Hieroglyphen des Glaubens. Missionare als Akteure in transkulturellen Aushandlungsprozessen und die Bildtheorien der Mission in Neuspanien (Mexiko)"

  • 16.11.2017
    Prof. Dr. Valeska von Rosen
    Ruhr-Universität Bochum
    "Selbstbildnis und Selbstformung. Denkfiguren des Schöpferischen in der frühen Neuzeit"

  • 23.11.2017
    Prof. Dr. Henry Keazor
    Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
    "Conformity between the old and the new: Überlegungen zu einer 'absonderlichen' Kunsttheorie in William Hogarths Analysis of Beauty"

  • 30.11.2017
    Prof. Dr. Dr. Alessandro Nova
    Kunsthistorisches Institut in Florenz – Max-Planck-Institut
    "Die ZWEI Leben von Piero di Cosimo"

  • 07.12.2017
    Prof. Dr. Nils Büttner
    Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart
    "Etwas Neues zu Rubens?"

  • 14.12.2017
    Jun.-Prof. Dr. Anna Pawlak
    Eberhard Karls Universität Tübingen
    "Bildpoetik des Todes. Die Hieroglyphen unserer letzten Tage von Juan de Valdés Leal"

  • 21.12.2017
    Prof. Dr. Frank Fehrenbach
    Universität Hamburg
    "Glanz und Blick"

  • 11.01.2018
    Prof. Dr. Anna Schreurs-Morét
    Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
    "Mahler-Kunst und Poesie: Tizians Putten in der Bilderwelt von Joachim von Sandrart"

  • 18.01.2018
    Prof. Dr. Karin Leonhard
    Universität Konstanz
    "Vanitas vanitatum - Gedanken zur niederländischen Barockforschung"

  • 25.01.2018
    Prof. Dr. Michael Thimann
    Georg-August-Universität Göttingen
    "Raffaels Natur"

  • 01.02.2018
    Prof. Dr. Sigrid Ruby
    Justus-Liebig-Universität Gießen
    "Das Haus und die Ordnung der Geschlechter in den Bildkünsten der Frühen Neuzeit"