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KOLLOQUIUM: Im Jahre 1961 erfuhr die kürzlich verstorbene Jane Jacobs weltweite Aufmerksamkeit für ihr Buch „The Death and Life of Great American Cities“. Sie beschrieb dort die Stadt als Produkt und Produzent ökonomischer und sozialer Prozesse und widersprach der Vorstellung, Städte könnten etwa Ergebnisse von Politik oder gar Planerentwürfen sein – genauer: sie vertrat die Ansicht, sie dürften nicht die Ergebnisse von Politik- oder Planerentwürfen werden.Wenn Jacobs noch meinte, sich gegen die finiten Bilder einer Mit der Schader-Stiftung als Kooperationspartner möchte das Institut Grundlagen moderner Architektur unter den Schwerpunktthemen der ENTGRENZUNG DES RAUMS und der ENTGRENZUNG DER ZEIT die Diskussion über die Sinnhaftigkeit, die Möglichkeit und die Unmöglichkeit von Leitbildern zur Stadt fortsetzen. Das Kolloquium zur Zukunft der Stadt versammelt an zwei aufeinander folgenden Freitagen, dem 02.02.07 und 09.02.07, Experten aus Forschung und Praxis gemeinsam mit Studenten zum Gespräch. Als Teilnehmer und Gäste werden nicht nur Architekten, Stadtplaner, Stadtforscher sowie Wissenschaftler ‚benachbarter’ Disziplinen, wie den Ingenieur-, Kultur- und Gesellschaftswissenschaften erwartet, sondern auch Vertreter der Stadt und Region. Hierbei geht es nicht so sehr um Kontroversen, als um neue Orientierungen, um einen Erfahrungsaustausch und um Versuche, die gegenwärtige urbane Entwicklung zu begreifen und die Teilnehmer der Sichtweise anderer Wissensdisziplinen zu konfrontieren.
Die einleitenden Impulsreferate halten Prof. Dr. Martina Löw, Professorin für Stadt- und Raumsoziologie an der TU Darmstadt, sowie Dietmar Steiner, der Direktor des Architekturzentrums Wien. Eingeleitet wird die Veranstaltung von dem Kulturwissenschaftler und Medientheoretiker Prof. Dr. Friedrich Kittler vom Lehrstuhl für Ästhetik und Geschichte der Medien an der Humboldt-Universität zu Berlin sowie demWissenschaftstheoretiker und Technikphilosophen Prof. Dr. phil. Christoph Hubig vom Institut für Philosophie der Universität Stuttgart.
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Zitate: Rem Koolhaas im Gespräch mit Nikolaus Kuhnert, Philipp Oswalt und Alejandro Zaera Polo, arch+ 117 Juni 1993 "Die marktwirtschaftliche Variante der Stadtentwicklung definiert die Stadt als "Produkt". Viele Stadtverwaltungen haben mit Leitbildern reagiert, in denen soziale, ethische und wirtschaftliche Ziele formuliert sind. Derartige Leitbilder beschreiben jedoch nicht das "Produkt Stadt". Das "Produkt Stadt" im Städtewettbewerb braucht Werbung; gefordert sind Bilder, die sich auf unverwechselbare Images und Identitäten gründen. Aber diese Identitäten verschwimmen und gleichen sich an." Dietmar Steiner in "Ohne Leitbild ? Städtebau in Deutschland und Europa", Forschungsbericht der Wüstenrot Stiftung; Hrsg. H. Becker, J. Jessen, R. Sander, 1997 "Diese neue strategische Ausrichtung der Veränderung der Stadt, nicht in Bezug auf den Raum, sondern bezüglich der Wandlungsfähigkeit seiner sozialen und wirtschaftlichen Verfassung, lebt vom Projektbezug und wird Schritt für Schritt auf allen Ebenen der Stadtentwicklung, also auch im Stadtteil bestimmend werden." Simon Hubacher in Der Architekt 1-2/06 "Die Zukunft sagen die Wissenschaftler, ist geprägt durch "zunehmende Polarisierung": weder die Gesellschaft noch die Technik noch die Stadt wird sich harmonisch entwickeln. Gegensätze bleiben erhalten und verschärfen sich noch. Kompliziert vernetzte Produktionsmechanismen erfordern scharfe Kontrolle und starre Zeitabläufe; auf der anderen Seite entsteht ein wachsender Bedarf an Freiheitsräumen und flexibler Arbeitszeit; Massenarbeitslosigkeit und Personalengpässe fallen räumlich und zeitlich zusammen; der Flächenverbrauch in den Städten nimmt zu - unmittelbar daneben wuchern die Industriebrachen; die Kommunen investieren viel Geld in Kultur und haben gleichzeitig verschärfte Probleme mit sozialen Randgruppen. Der Ort, an dem diese Gegensätze aufeinanderprallen, ist eben die Stadt. Es ist ihre Stärke, daß sie all diese Widersprüche aushält, und ihre Schwäche, daß sie sie nicht harmonisieren kann. Faszinierend und lebenstüchtig ist sie nicht als Ort des Ausgleichs, sondern als Ort der schrillen Vielfältigkeit. Die "Wiederkehr der Städte", von der die Kommunalpolitiker reden, läßt sich demnach als politisches Programm nur dann formulieren und realisieren, wenn ein Kerngedanke der Politik - nämlich der des Ausgleichs - vom Anspruch langfristiger Wirkung befreit wird. Die Stadtpolitik der Zukunft ist eine Politik ständiger begrenzter Konflikte, die nirgendwo dauerhaft gelöst Christian Marquart, "Immer noch sündhaft schön ? Fragen an die Stadt der Zukunft" in Stuttgarter Zeitung 3. Oktober 1987 "Städte entwickeln sich nicht nach den Partituren, die Architekten ihnen komponieren. Dieses schlichte und ernüchternde Faktum ist dem Städtebau im 20. Jahrhundert über alle Leitbilder und Theorieansätze hinweg ein treuer Begleiter geblieben. Seit den Anfängen des modernen Städtebaus, also um 1920, begleitet die theoretische Stadt der Architekten ein kontinuierliches Nachdenken über das Zusammenspiel von Bauen, Raum, Gesellschaft, Kultur, Ästhetik und Fortschritt. Das Bild dieser Stadt hat aber zu keinem Zeitpunkt im 20. Jahrhundert seine Klärung erfahren." Angelus Eisinger, Die Stadt der Architekten - Anatomie einer Selbstdemontage, 2006
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Freitag 02.02.2007: |
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| Freitag 09.02. 2007 ENTGRENZUNG DER ZEIT 15.30 Begrüßung: Prof. Dr. Gerd de Bruyn Institut Grundlagen moderner Architektur und Entwerfen Universität Stuttgart 16.00 Einführung: Prof. Dr. Christoph Hubig Institut für Philosophie, Abt.Wissenschaftstheorie und Technikphilosophie, Universität Stuttgart Prof. Dr. Friedrich Kittler Lehrstuhl für Ästhetik und Geschichte der Medien, Humboldt-Universität zu Berlin 17.00 Offene Diskussion Ausklang im Foyer |
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Mit freundlicher Unterstützung der
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