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Wege vom "Eulenhof" zum IBZ
Bis in die 80er Jahre hinein lebte die Witwe von Prof. Eugen Sänger, die gleichfalls durch ihre Forschungs- und Beratertätigkeit auf dem Gebiete der Luft- und Raumfahrt bekannt gewordene Naturwissenschaftlerin und
Publizistin, Frau Dr. rer. nat. Irene Sänger-Bredt, zusammen mit dem Sohn Hartmut im "Eulenhof".
Im Jahr 1988 trug sich Hartmut Sänger mit dem Gedanken des Verkaufes dieses Anwesens, wovon er zunächst dem früheren Astronauten, Prof. Dr. rer. nat. Ernst W. Messerschmid, Ordinarius für Raumfahrtsysteme an der Universität Stuttgart, Kenntnis gab. Dieser unterrichtete hiervon den damaligen Rektor, Prof. Dr. rer. nat. Franz Effenberger, Ordinarius für Organische Chemie, der mit rascher Entschlusskraft alle notwendigen Schritte einleitete, das einstige Wohnhaus der Familie Sänger in unmittelbarer Nachbarschaft zum Universitätsbereich Stuttgart-Vaihingen als hervorragende Möglichkeit für die Schaffung eines Internationalen Begegnungszentrums weiter zu verfolgen.
Rektor Effenberger wusste die Stunde des Zufalls, der einmaligen Chance für die Erfüllung eines jahrzehntelangen Wunsches nach einer würdigen Begegnungsstätte von Wissenschaftlern und Gästen mit Geschick und Engagement zu nutzen. Er prüfte zusammen mit dem angesehenen Kollegen aus der Fakultät Architektur und Stadtplanung Hans Kammerer, Prof. em. für Innenraumgestaltung und Entwerfen, Mitglied der Akademie der Künste, Berlin, vor Ort die ehemalige Wohnstätte Sänger in der Robert-Leicht-Straße 161 mit dem 3.000 m2 großen Grundstück. Eine besondere Note erhielt diese Spontaneität durch die Nachricht, dass die Villa Eulenhof von Prof. Paul Schmitthenner als letztes Wohnhaus in seinem Schaffen als bekannter Architekt gebaut worden ist.
Prof. Paul Schmitthenner (1884 bis 1972) war Mitbegründer der Stuttgarter Schule. Prof. Paul Bonatz förderte seine 1918 erfolgte Berufung an die Technische Hochschule, bei der er bis 1945 als begabter Lehrer seine Schüler begeisterte. An diesen Kollegen traten Eugen Sänger, der zunächst auch Bauingenieurwesen studiert hatte, und seine Gattin wegen des geplanten Eulenhofes mit ziemlich ausgeprägten Vorstellungen über die bauliche Gestaltung heran. Dem 1962 vollendeten Bauvorhaben lag im Zuge der Entwurfsplanung ein in Ton gefertigtes Modell zugrunde, das Hans Kammerer wohl gezeigt worden war, aber ohne den Bauherrn zu erfahren. Umso mehr fühlte sich Kammerer mit der ihm neuerdings übertragenen Aufgabe einem geschätzten Vorgänger sehr verpflichtet.
Binnen weniger Tage reiften die Ideen für die Tauglichkeit von Grundstück und Haus, und es entstanden die ersten Skizzen für die Umwandlung des im Landhausstil geschaffenen Eulenhofes zu einem Haus der Begegnung. Kammerers Sensibilität für die ursprüngliche, weitestgehend zu erhaltende Konzeption Schmitthenners brachte mit der Erweiterung über die Diagonale die optimale Lösung für Architektur und Raumnutzung, indem aus der quadratischen Anlage um den großen Hofraum ein Atrium hervorgegangen ist.
Es verging kein Monat von der ersten Ortsbesichtigung bis zur Fertigstellung eines das Entwurfsergebnis veranschaulichenden Modells. Dieses ergänzte im besten Sinne die beiden Vorträge des Duos Effenberger und Kammerer, das die gelungene Ideenschöpfung eines endlich erreichbaren Internationalen Begegnungszentrums mit Erfolg dem zuständigen Ausschuss der Vereinigung von Freunden der Universität Stuttgart vorzustellen wusste. Tatsächlich konnte aufgrund der prinzipiellen Befürwortung des Vorhabens der nächste Schritt zur Gewinnung von Sponsorengeldern unternommen werden.
Mäzene und Sponsoren
Dank der überzeugenden Vorlagen für das Projekt IBZ und dank der vielen Verbindungen von Rektor Effenberger gelang es, einen Kreis großzügigster Mäzene zu erschließen. Um die hohen Summen an Sponsorengeldern, die über die Vereinigung von Freunden der Universität Stuttgart eingegangen waren, hatte sich vor allem deren Vorsitzender, Dr. Marcus Bierich, damaliger Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH, verdient gemacht. Sein Unternehmen spendete 1,0 Mio. DM. Für den gleichen Betrag der Daimler-Benz AG sorgte dessen damaliger Vorstandsvorsitzender Edzard Reuter. Die Alexander von Humboldt-Stiftung löste ihre schon vor Jahren gegebene Zusage in Höhe von 1,5 Mio. DM ein. Ministerpräsident Lothar Späth initiierte die vom Land Baden-Württemberg weiter beigesteuerte Summe von 1,73 Mio. DM. Den namhaften Betrag von 0,7 Mio. DM teilten sich hälftig die Deutsche Forschungsanstalt für Luft- und Raumfahrt und die Fraunhofer-Gesellschaft.
Je 0,1 Mio. DM spendeten aufgrund weiterer Initiativen von Rektor Effenberger und seinem Nachfolger Giesecke die IBM, die Mercedes-Benz AG und die Energie-Versorgung Schwaben AG. Zusätzlich größere Zuwendungen stammen von den Technischen Werken der Stadt Stuttgart AG, von Banken und Firmen im Großraum Stuttgart. Insgesamt konnten auf diesem Wege knapp
7,0 Mio. DM aufgebracht werden, so daß die Finanzierung des Gesamtprojektes, abgesehen von ergänzenden Zahlungen, gesichert war. Im Jahr 1991 wurde mit Hartmut Sänger der abgeschlossene Kaufvertrag schließlich vollzogen.
Umbau und Erweiterung des "Eulenhofes"
Es war ein Glücksfall, dass Hans Kammerer für den Umbau und die Erweiterung des letzten Schmitthenner-Wohnhauses gewonnen werden konnte. Er spürte den Entwurfsgedanken Schmitthenners für das Wohnhaus im Landhausstil nach, bewahrte die ursprüngliche Konzeption, setzte diese aber mit neuer Formsprache fort: Diese Zielsetzung wurde durch Hans Kammerer und sein in Partnerschaft geführtes Architekturbüro Kammerer & Belz, Kucher und Partner erreicht. Trotz der nahezu verdoppelten Größe des Hauptgebäudes ist der
Entwurf des ursprünglichen Wohnhauses sichtbar geblieben.
Im Vorgarten des "Eulenhofes" wurde überdies ein separates, kleines Wohnhaus für die Hausmeisterfamilie errichtet, so dass eine ständige Aufsicht und Pflege des gesamten Anwesens sichergestellt wurden. Die umfangreichen Maßnahmen zum Um- und Neubau zogen sich eineinhalb Jahre hin und fanden Ende 1992 ihren Abschluss. Nachdem nochmals erhebliche Finanzmittel in den Folgejahren verfügbar wurden, konnte innerhalb des ursprünglichen Wohnteiles des "Eulenhofes" 1995 eine vollständige Erneuerung von zwei Schlafzimmern mit zugehörigen Sanitäreinrichtungen und Vorraum durchgeführt werden. Hierdurch ist es möglich, bis zu zwei Gästen eine entsprechende Übernachtung und Unterkunft anzubieten.
Festakt zur Einweihung des IBZ
Zur Einweihung des aus dem "Eulenhof" von Eugen Sänger hervorgegangenen Internationalen Begegnungszentrum der Universität
Stuttgart (IBZ) hatten sich am 29. März 1993 prominente Gäste eingefunden, davon die bereits erwähnten hervorragenden Förderer Dr. Marcus Bierich und Edzard Reuter, ferner Manfred Rommel, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Stuttgart, und zahlreiche Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft.
In der Begrüßungsrede der damaligen Rektorin der Universität Stuttgart, Frau Prof. Dr. phil. habil. Heide Ziegler, und in den weiteren acht Ansprachen wurde mit Zufriedenheit und Stolz festgehalten, dass mit dem IBZ ein Forum für Wissenschaft im besten gesellschaftlichen Sinne zur Begegnung und zum Dialog mit internationalen Gästen, mit der Stadt, mit Vertretern des öffentlichen Lebens und der Wirtschaft zur Verfügung
gestellt worden ist. Das IBZ bietet einen idealen Rahmen, neben der Pflege der wissenschaftlichen Kontakte auch persönlich vermittelte Beziehungen für das Zusammenwirken von Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft zu vertiefen.
Der Trägerverein IBZ
Der Zielsetzung, die in der langen Geschichte der Universität Stuttgart erstmals entstandene Stätte der Begegnung für die Kommunikation von Wissenschaftlern, Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und Repräsentanten der Wirtschaft zu nutzen und mit Leben zu erfüllen, widmet sich der am 12. Oktober 1991 gegründete Gemeinnützige Verein "Internationales Begegnungszentrum der Universität Stuttgart e. V. (IBZ)". Trägermitglieder des Vereins sind die Universität Stuttgart, die Deutsche Forschungsanstalt für Luft- und Raumfahrt e. V. (DLR), Köln, und
die Fraunhofer-Gesellschaft (FhG), München.
Im zugehörigen Engeren bzw. Erweiterten Vorstand des IBZ sind zusätzlich die Vereinigung von Freunden der Universität Stuttgart (VdFUS) und die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) vertreten. Den Vorsitz des Vereines hat seit dessen Gründung der damalige Rektor der Universität Stuttgart, Prof. Dr.-Ing. habil. Jürgen Giesecke, Ordinarius für Wasserbau und Wasserwirtschaft, inne. Die Organe des Vereines sind der Vorstand, der Erweiterte Vorstand und die Mitgliederversammlung. Ordentliche Mitglieder können die hauptamtlich an der Universität Stuttgart tätigen Professorinnen und Professoren sowie selbständig in Forschung und Lehre tätigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der vorgenannten Trägerinstitutionen sein. Fördernde Mitglieder können natürliche oder juristische Personen werden, die bereit sind, den Vereinszweck zu unterstützen. Der Verein gewinnt die zur Erfüllung seiner
Aufgaben erforderlichen Mittel durch Beiträge seiner Mitglieder, durch Nutzungsentgelte, durch Spenden und durch sonstige Zuwendungen.
Aufgrund
der vom Stuttgarter Finanzamt Körperschaften zuerkannten Gemeinnützigkeit des Vereines IBZ ist die Jahreszahlung steuerlich absetzbar. Neben der Vereinssatzung wurden auch Richtlinien für die Vergabe von Räumlichkeiten im "Eulenhof" beschlossen. Das IBZ steht für Veranstaltungen zur Verfügung, die von wissenschaftlichen Einrichtungen der Universität, der DLR, der FhG und der MPG bzw. von sonstigen universitären Institutionen im Sinne internationaler Begegnung, des wissenschaftlichen Erfahrungsaustausches, ferner der fachlichen und außerfachlichen Kommunikation ausgerichtet werden. Auch andere gemeinnützige Vereinigungen und Gesellschaften, die einen wissenschaftlichen oder kulturellen Bezug zu den genannten Trägerinstitutionen aufweisen, haben Zugang zum IBZ. Feiern aus persönlichen Anlässen sind im IBZ möglich, wenn sie im dienstlichen Interesse liegen.
Die Mitgliedsausweise sind mit einem Magnetstreifen versehen, so dass auch außerhalb der Öffnungszeiten des IBZ das mit einer zentralen Schließanlage ausgestattete Anwesen betreten und alle zugänglichen Räumlichkeiten genutzt werden können. Im übrigen ist eine Bewirtung mit Getränken, jederzeit möglich. In den zurückliegenden Jahren erfreute sich der "Eulenhof" eines ständig wachsenden Zuspruches. Das Haus ist zu einem festen Bestandteil des wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens der Universität Stuttgart geworden, ob mit Veranstaltungen oder
im zwanglosen Gesprächskreis.
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