Bild mit Logo
unilogo Universität Stuttgart

Pressemitteilung Nr. 131 vom 16. Dezember 2009

englischicon
 

Uni-Leitung im Gespräch mit Studierenden

Studierende erhalten mehr Einfluss auf die Gestaltung des Bachelor-/ Master-Prozesses

Zur heutigen Senatssitzung lud das Rektorat der Universität Stuttgart drei Vertreter der protestierenden Studierenden ein. Damit erhalten sie Gelegenheit, ihre Forderungen auch im nicht öffentlichen Teil der Sitzung vorzutragen. Die Uni-Leitung geht mit dieser Einladung auf die aktuellen Forderungen der Studierenden ein, zu denen auch eine erhöhte Transparenz bei Gremienentscheidungen zählt. Zudem erhalten die Studierenden mehr Einfluss bei der Gestaltung des Bachelor-/ Master-Prozesses. Als erste konkrete Maßnahme richtete der Senatsausschuss für Lehre in seiner Sitzung am 4. Dezember eine Arbeitsgruppe ein, die Eckwerte und Leitlinien für die Gestaltung und Reform der Bachelor- und Masterstudien-gänge erarbeiten soll. Dieser AG gehören neben vier Professoren nun auch vier Studierendenvertreter an. Damit stellt sich die Universität Stuttgart der Herausforderung, ihre neuen Studiengänge in gleichberechtigtem Dialog mit ihren Studierenden zum Erfolg zu führen.

Seit dem 16. November haben die Studierenden den größten Hörsaal der Universität Stuttgart im Bereich Stadtmitte besetzt. Die Uni-Leitung stand den Protesten der Studierenden mit Verständnis gegenüber. Es fanden mehrere Gespräche auf verschiedenen Ebenen statt: Am 1. Dezember diskutierte das gesamte Rektorat mit sechs Studierenden in einem über zweistündigen Gespräch den Elf-Punkte-Forderungskatalog der Protestierenden. Bereits am nächsten Tag diskutierten der Prorektor für Lehre Prof. Frank Gießelmann, der Bologna-Beauftragten Matthias Gaugele und Dr. Ralph-Walter Müller auf Einladung der Hörsaalbesetzer über die Verbesserung der Bachelor-Studiengänge. Dabei wurde besonders dringender Handlungsbedarf im Bereich der geistes- und sozialwissenschaftlichen Studiengänge festgestellt. Im Ergebnis dieser Gespräche bot das Rektorat folgende Schritte an:

  1. Die Studierenden werden verstärkt an der Reform bzw. Gestaltung der modularisierten Bachelor-/Master-Studiengänge beteiligt. Gemeinsames Ziel ist es, Studierbarkeit, Wahlmöglichkeiten und Mobilität zu erhöhen, während die Prüfungsbelastung reduziert werden soll.
  2. Die Lehramtsstudiengänge sollen wie bisher erhalten bleiben. Allerdings müssen diese bis zum WS 2010/11 ebenfalls modularisiert werden, da aufgrund der Gesetzeslage sonst keine neuen Lehramtsstudierenden mehr angenommen werden dürfen.
  3. Die Universität wird bereits im kommenden Jahr mit konkreten Planungen zur Einrichtung von Teilzeitstudiengängen beginnen.
  4. Das zeitaufwendige studentische Engagement in den Gremien der Universität soll künftig besser honoriert werden. Entsprechende Vorschläge der Studierendenschaft können von ihnen in den Senatsausschuss für Lehre eingebracht und dort behandelt werden.
  5. Die Transparenz der universitären Gremienentscheidungen soll erhöht werden. Wie bereits bei Senatsprotokollen üblich, sollen künftig auch Ergebnisprotokolle der Fakultätsratssitzungen im Intranet veröffentlicht werden.
  6. Das Rektorat unterstützt ausdrücklich die Forderung der Studierenden, dass allen erfolgreichen Bachelorabsolventinnen und -absolventen auch die Möglichkeit eines Masterstudiums offenstehen solle, und wird diese Forderung – wie bisher auch – mit Nachdruck gegenüber der Politik vertreten.

Nicht nachvollziehen konnte das Rektorat allerdings die Forderung nach der Nichtteilnahme an der Exzellenzinitiative.


Dialog statt Konfrontation
Zur Hörsaalbesetzung hatten Rektor und Studierende folgenden Kompromiss gefunden: Die Studierenden können bis zur Senatssitzung am 16. Dezember im Hörsaal 17.01 bleiben. Allerdings dürfen bis dahin keine Veranstaltungen mehr ausfallen, für die kein anderer Hörsaal gefunden werden könne. Nach dem 16. 12. werde den Studierenden ein anderer Hörsaal angeboten. Trotz dieser Absprachen musste die Uni-Leitung die Theodor-Heuss-Vorlesung, die am 10. Dezember im Hörsaal 17.01 stattfinden sollte, nach Vaihingen verlegen, da die Studierenden nicht bereit waren, den Hörsaal hierfür zu räumen. In einer Diskussionsrunde am 8. Dezember richteten sie noch einmal ihre Forderungen an Uni-Rektor Prof. Wolfram Ressel und den Prorektor für Struktur Prof. Manfred Berroth. Besonders wichtig war den Studierenden die Aufstockung der studentischen Mandate im Senat von bisher drei auf sieben Mandate und eine Zusage, dass die geistes- und sozialwissenschaftlichen Fakultäten neun und zehn auch in Zukunft nicht zusammengelegt werden. Nur wenn diese beiden Forderungen erfüllt würden, wären sie bereit, den Hörsaal für die Veranstaltung zu räumen. Bezüglich der Zusammenlegung der Fakultäten, erläuterte der Rektor, dass bei der schon 2003/2004 beschlossenen Zukunftsoffensive vereinbart wurde, drei Professuren der Philosophisch-Historischen Fakultät nicht wieder zu besetzen. Damit falle die Anzahl der Professuren dieser Fakultät unter 20. „Der Gesetzgeber schreibt vor, dass eine Fakultät aus mindestens 20 Professuren besteht. Wir müssen also, wenn wir diesen Wert unterschreiten, die betroffene Fakultät neu gestalten und gegebenenfalls auch mit einer anderen Fakultät zusammenlegen“, so Ressel.


Gemeinsame Anliegen angehen
Trotz der Entscheidung der Studierenden, den Hörsaal für die Theodor-Heuss-Vorlesung nicht freizugeben, zeigte sich das Rektorat weiter zum Dialog bereit. In der Diskussion strich der Rektor die gemeinsamen Anliegen der Uni-Leitung und der Studierenden heraus. „Setzen wir uns gemeinsam hin und schaffen die Probleme weg, die wir lösen können“, appellierte er an die Studierenden. Notwendige Änderungen sollten zügig mit Beteiligung der Studierenden erarbeitet werden und bereits im nächsten Wintersemester 2010/11 greifen.

 


Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Keplerstraße 7
70174 Stuttgart
Tel. 0711/685-82297, -82176, -82122, -82155, -82211; Fax 0711/685-82188
e-mail:Mail topresse@uni-stuttgart.de

 Druckansicht