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Uni-Leitung im Gespräch mit Studierenden
Studierende erhalten mehr Einfluss auf die Gestaltung
des Bachelor-/ Master-Prozesses
Zur heutigen Senatssitzung lud das Rektorat der
Universität Stuttgart drei Vertreter der protestierenden
Studierenden ein. Damit erhalten sie Gelegenheit, ihre Forderungen
auch im nicht öffentlichen Teil der Sitzung vorzutragen.
Die Uni-Leitung geht mit dieser Einladung auf die aktuellen
Forderungen der Studierenden ein, zu denen auch eine erhöhte
Transparenz bei Gremienentscheidungen zählt. Zudem erhalten
die Studierenden mehr Einfluss bei der Gestaltung des Bachelor-/
Master-Prozesses. Als erste konkrete Maßnahme richtete
der Senatsausschuss für Lehre in seiner Sitzung am 4. Dezember
eine Arbeitsgruppe ein, die Eckwerte und Leitlinien für
die Gestaltung und Reform der Bachelor- und Masterstudien-gänge
erarbeiten soll. Dieser AG gehören neben vier Professoren
nun auch vier Studierendenvertreter an. Damit stellt sich die
Universität Stuttgart der Herausforderung, ihre neuen Studiengänge
in gleichberechtigtem Dialog mit ihren Studierenden zum Erfolg
zu führen.
Seit dem 16. November haben die Studierenden den größten Hörsaal
der Universität Stuttgart im Bereich Stadtmitte besetzt. Die Uni-Leitung
stand den Protesten der Studierenden mit Verständnis gegenüber. Es
fanden mehrere Gespräche auf verschiedenen Ebenen statt: Am 1. Dezember
diskutierte das gesamte Rektorat mit sechs Studierenden in einem über zweistündigen
Gespräch den Elf-Punkte-Forderungskatalog der Protestierenden. Bereits am
nächsten Tag diskutierten der Prorektor für Lehre Prof. Frank Gießelmann,
der Bologna-Beauftragten Matthias Gaugele und Dr. Ralph-Walter Müller auf
Einladung der Hörsaalbesetzer über die Verbesserung der Bachelor-Studiengänge.
Dabei wurde besonders dringender Handlungsbedarf im Bereich der geistes- und
sozialwissenschaftlichen Studiengänge festgestellt. Im Ergebnis dieser Gespräche
bot das Rektorat folgende Schritte an:
- Die Studierenden werden verstärkt an der Reform bzw.
Gestaltung der modularisierten Bachelor-/Master-Studiengänge
beteiligt. Gemeinsames Ziel ist es, Studierbarkeit, Wahlmöglichkeiten
und Mobilität zu erhöhen, während die Prüfungsbelastung
reduziert werden soll.
- Die Lehramtsstudiengänge sollen wie bisher erhalten bleiben.
Allerdings müssen diese bis zum WS 2010/11 ebenfalls modularisiert
werden, da aufgrund der Gesetzeslage sonst keine neuen Lehramtsstudierenden
mehr angenommen werden dürfen.
- Die Universität wird bereits im kommenden Jahr mit konkreten
Planungen zur Einrichtung von Teilzeitstudiengängen beginnen.
- Das zeitaufwendige studentische Engagement in den Gremien
der Universität soll künftig besser honoriert werden.
Entsprechende Vorschläge der Studierendenschaft können
von ihnen in den Senatsausschuss für Lehre eingebracht
und dort behandelt werden.
- Die Transparenz der universitären Gremienentscheidungen
soll erhöht werden. Wie bereits bei Senatsprotokollen üblich,
sollen künftig auch Ergebnisprotokolle der Fakultätsratssitzungen
im Intranet veröffentlicht werden.
- Das Rektorat unterstützt ausdrücklich die Forderung
der Studierenden, dass allen erfolgreichen Bachelorabsolventinnen
und -absolventen auch die Möglichkeit eines Masterstudiums
offenstehen solle, und wird diese Forderung – wie bisher
auch – mit Nachdruck gegenüber der Politik vertreten.
Nicht nachvollziehen konnte das Rektorat allerdings
die Forderung nach der Nichtteilnahme an der Exzellenzinitiative.
Dialog statt Konfrontation
Zur Hörsaalbesetzung hatten Rektor und Studierende folgenden
Kompromiss gefunden: Die Studierenden können bis zur Senatssitzung
am 16. Dezember im Hörsaal 17.01 bleiben. Allerdings dürfen
bis dahin keine Veranstaltungen mehr ausfallen, für die kein
anderer Hörsaal gefunden werden könne. Nach dem 16.
12. werde den Studierenden ein anderer Hörsaal angeboten.
Trotz dieser Absprachen musste die Uni-Leitung die Theodor-Heuss-Vorlesung,
die am 10. Dezember im Hörsaal 17.01 stattfinden sollte,
nach Vaihingen verlegen, da die Studierenden nicht bereit waren,
den Hörsaal hierfür zu räumen. In einer Diskussionsrunde
am 8. Dezember richteten sie noch einmal ihre Forderungen an Uni-Rektor
Prof. Wolfram Ressel und den Prorektor für Struktur Prof.
Manfred Berroth. Besonders wichtig war den Studierenden die Aufstockung
der studentischen Mandate im Senat von bisher drei auf sieben
Mandate und eine Zusage, dass die geistes- und sozialwissenschaftlichen
Fakultäten neun und zehn auch in Zukunft nicht zusammengelegt
werden. Nur wenn diese beiden Forderungen erfüllt würden,
wären sie bereit, den Hörsaal für die Veranstaltung
zu räumen. Bezüglich der Zusammenlegung der Fakultäten,
erläuterte der Rektor, dass bei der schon 2003/2004 beschlossenen
Zukunftsoffensive vereinbart wurde, drei Professuren der Philosophisch-Historischen
Fakultät nicht wieder zu besetzen. Damit falle die Anzahl
der Professuren dieser Fakultät unter 20. „Der Gesetzgeber
schreibt vor, dass eine Fakultät aus mindestens 20 Professuren
besteht. Wir müssen also, wenn wir diesen Wert unterschreiten,
die betroffene Fakultät neu gestalten und gegebenenfalls
auch mit einer anderen Fakultät zusammenlegen“, so
Ressel.
Gemeinsame Anliegen angehen
Trotz der Entscheidung der Studierenden, den Hörsaal für
die Theodor-Heuss-Vorlesung nicht freizugeben, zeigte sich das
Rektorat weiter zum Dialog bereit. In der Diskussion strich der
Rektor die gemeinsamen Anliegen der Uni-Leitung und der Studierenden
heraus. „Setzen wir uns gemeinsam hin und schaffen die Probleme
weg, die wir lösen können“, appellierte er an
die Studierenden. Notwendige Änderungen sollten zügig
mit Beteiligung der Studierenden erarbeitet werden und bereits
im nächsten Wintersemester 2010/11 greifen.
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