 |
|
Erfolgsmodell
interuniversitärer
Zusammenarbeit
Fünf Jahre Datenschutzstelle der Landesuniversitäten
Ob es in Freiburg, Karlsruhe oder Stuttgart um die
Verwaltung von Studenten- oder Mitarbeiterdaten, um die Onlineanmeldung
für Prüfungen, die Notenabfrage im Internet oder um
die Bewertung von Dozenten geht - die damit verbundenen datenschutzrechtlichen
Fragen und Probleme sind oftmals identisch. Dabei geht es nicht
nur um rechtliche Fragestellungen, sondern zunehmend auch um die
datenschutzgerechte technische Umsetzung. Die Universitäten
in Baden-Württemberg wollten mit der Zusammenarbeit beim
Datenschutz nicht nur Aufgaben bündeln und Doppelarbeit vermeiden,
sondern gleichzeitig rechtliche und technische Kompetenz aufbauen,
um künftigen Herausforderungen gewachsen zu sein. Diese Idee
bildete vor fünf Jahren den Ausgangspunkt für die Gründung
der an der Universität Stuttgart angesiedelten Zentralen
Datenschutzstelle (ZENDAS) der Landesuniversitäten. Seither
sorgen die Fachleute von ZENDAS mit Rat und Tat dafür, dass
der Datenschutz an den Landesuniversitäten gewahrt und – falls
erforderlich – verbessert wird.
Konstruktiver Datenschutz
ZENDAS hat sich von Anfang an dem konstruktiven Datenschutz verschrieben.
Dies bedeutet beispielsweise, dass die Datenschutzfachleute
bereits die Planung und Einführung von Verfahren begleiten,
bei denen personenbezogene Daten verarbeitet werden. „Wir
verstehen uns nicht als Kontrolleure, sondern wollen die Uni-Mitarbeiter
unterstützen und sensibilisieren“, erläuterte
ZENDAS-Leiter Heinrich Schullerer am 28. August vor Medienvertretern
den Ansatz. Die Nutzer müssen sehr unterschiedlich angesprochen
werden, weiß er aus Erfahrung. So sind die Abläufe
im Prüfungsamt andere als in der Personalabteilung oder
in der Alumni-Stelle. Die Achtung des grundrechtlich verbrieften
informationellen Selbstbestimmungsrechts auch an den Universitäten
betrachtet er als ein Qualitätsmerkmal für Forschung,
Lehre und Verwaltung.
Beteiligt sind die ZENDAS-Mitarbeiter bei im Tagesgeschäft
anfallenden Anfragen wie der Übermittlung personenbezogener
Daten an Dritte, beispielsweise Rentenversicherungsträger,
Krankenkassen, Sozial- oder Ausländerbehörden, beim
Umgang mit Akten, bei Löschfristen oder der Anwendung datenschutzrelevanter
Regelungen bei der Nutzung des Internet, vor allem bei der Veröffentlichung
personenbezogener Daten im Web. „Das Themenspektrum reicht
dabei von Großbaustellen wie der Einführung und datenschutzgerechten
Begleitung von Studiengebühren, der Evaluation von Lehrveranstaltungen,
der Veröffentlichung von Noten im Internet bis zum Datenschutz
im Sekretariat“, berichtet Schullerer.
Noten im Internet
Für die Veröffentlichung von Noten im Internet, die
bei nicht datenschutzgerechter Handhabung durchaus Schadenersatzforderungen
nach sich ziehen könnten, schlagen die Stuttgarter Datenschützer
ein einfach zu handhabendes, aber wirksames Verfahren vor. Früher
wurden die Noten gelegentlich mit der Matrikelnummer im Web veröffentlicht. „Diese
Nummer ist jedoch beispielsweise auch Firmen, bei denen man als
Student gearbeitet hat, Banken, Verkehrsbetrieben, der BaföG-
Stelle oder Krankenkassen bekannt und lässt sich damit einer
Person zuordnen“, stellt Schullerer fest. Auf diese Weise
könnten potentielle Arbeitgeber oder Versicherungen Personenprofile
erstellen. Das Screening von Bewerbern im Internet gehört
heute zum „Standardvorgehen“ von Personalabteilungen.
Eine nicht oder gerade noch bestandene Klausur kann dazu führen,
dass ein Konkurrent den Job bekommt. Heute erhalten Studierende
für jede Prüfung nach dem Zufallsprinzip eine Nummer
oder ein Pseudonym. Damit finden die Prüflinge ihre Note
jeweils im Netz. Diese Kombination ist auch mit Suchmaschinen
nicht zu knacken und Rückschlüsse auf eine Person sind
ausgeschlossen. Noch besser ist es, raten die Datenschützer,
wenn Studierende sich im Internetauftritt ihrer Hochschule mit
ihrem Benutzernamen und Kennwort identifizieren und so ihre Note
individuell abfragen können.
Die ZENDAS-Fachleute wirken bei der datenschutzrechtlichen
Gestaltung landeseinheitlicher Verfahren an den Universitäten
mit und beraten bei Anfragen. Und der Bedarf ist groß: Jedes
Jahr kommen rund 300 Anfragen zu den unterschiedlichsten Themenbereichen, über
4.000 e-mails und mehr als hundert Auskunftsanfragen. Die Erfahrungen
aus den Fällen werden abstrahiert und auf dem für Externe
kostenpflichtigen Informationsserver dargestellt. Dort finden
sich auch gesetzliche Regelungen, Gerichtsentscheidungen, Äußerungen
der Datenschutzbeauftragten oder Hinweise auf Gefährdungen
von Informations- und Kommunikationsinfrastrukturen. Zusätzlich
sorgen die Mitarbeiter mit rund 300 Besprechungen und Schulungen
an den Mitgliedshochschulen für den Know-how-Transfer. ZENDAS
leistet auch Unterstützung für Studien-, Abschluss-
oder Doktorarbeiten beispielsweise durch das Hosting von Online-Erhebungen
und fungiert auch als Datentreuhänder, etwa bei sozialwissenschaftlichen
Umfragen oder medizinischen und psychologischen Projekten.
Kompetenz anerkannt, bundesweit nachgefragt
Den Großteil der Kosten für die insgesamt 6,5 ständigen
Mitarbeiter, für Räume, Ausstattung und Fortbildung
tragen die neun Landesuniversitäten. Ein Lenkungsausschuss
sorgt für den reibungslosen Arbeitsablauf. Eines ihrer Ziele
haben die ZENDAS-Fachleute längst erreicht: Sie arbeiten
auf Augenhöhe mit dem Landesbeauftragten für den Datenschutz:
Peter Zimmermann unterstreicht, „dass die Universitäten
mit der Gründung von ZENDAS einen unmittelbaren kompetenten
Ansprechpartner gefunden haben“ und hebt hervor, „dass
ZENDAS mit dem Universitätsalltag viel besser vertraut ist,
als dies eine zentrale Stelle wie die des Landesbeauftragten für
den Datenschutz sein könnte, der landesweit noch über
8 000 öffentliche Einrichtungen zu beraten und zu kontrollieren
hat.“ Und das Know-how dieses erfolgreichen Modells interuniversitärer
Zusammenarbeit ist inzwischen nicht nur in Baden-Württemberg,
sondern bundesweit nachgefragt. Über 40 Hochschulen in fünf
Bundesländern zählen zu den „Kunden“. Die
Kompetenz hat sich herumgesprochen: Inzwischen müssen die
Stuttgarter Fachleute Anfragen aus anderen Bundesländern
gelegentlich ablehnen.
Weitere Informationen bei Heinrich Schullerer
ZENDAS - Zentrale Datenschutzstelle der baden-württembergischen
Universitäten, Breitscheidstr. 2, 70174 Stuttgart, Tel. 0711/685-83690,
Fax 0711/685-83688, e-mail: schullerer@zendas.de, www.zendas.de
Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Keplerstraße 7 70174 Stuttgart
Tel. 0711/685-82297, -82176, -82122, -82155, -82211
Fax 0711/685-82188
e-mail: presse@uni-stuttgart.de
Druckansicht
|
|