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Deutsche Forschungsgemeinschaft
bewilligt zweite Förderperiode im Sonderforschungsbereich Nexus
Nächster Schritt zum
virtuellen Weltmodell
Navigationshilfen, die einem Autofahrer
das nächstgelegene Restaurant ermitteln, beginnen bereits unseren Alltag
zu erobern. Hinter den findigen Geräten stecken so genannte orts- oder
kontextbezogene Dienste, die digitale Modelle der Umgebung verarbeiten,
um sich automatisch an das aktuelle Umfeld des Benutzers anzupassen.
Solche Umgebungsmodelle stehen im Mittelpunkt des
Sonderforschungsbereichs (SFB) Nexus, dessen Sprecherhochschule die
Universität Stuttgart ist. Jetzt bewilligte die Deutsche
Forschungsgemeinschaft (DFG) die zweite Förderperiode für den im Jahr
2003 gestarteten SFB. Künftig setzt sich der SFB aus 17
wissenschaftlichen Teilprojekten zusammen. Neben einem starken
Informatikschwerpunkt sind Forscher aus den Disziplinen Elektrotechnik,
Photogrammetrie, Fertigungstechnik und Technikphilosophie beteiligt. Das
Fördervolumen für die nächsten vier Jahre beträgt acht Millionen Euro.
Durch digitale Umgebungsmodelle werden
Ausschnitte der physischen Welt also zum Beispiel Gebäude- und
Straßenpläne, Temperaturen, Ozonwerte und ähnliches, aber auch die
Position von Fußgängern oder Fahrzeugen in digitaler Form abgebildet.
Ferner können durch Umgebungsmodelle reale Objekte mit weiteren
digitalen Daten beispielsweise aus dem Internet - verknüpft und
zusätzliche virtuelle Objekte in das Modell eingefügt werden. Eine
bekannte Anwendung hierfür sind so genannte virtuelle Globen wie GoogleEarth.
Diese nutzen Satellitenbilder, Höhenmodelle und 3D-Gebäudemodelle, um
daraus eindrucksvolle Ansichten der Erde zu erstellen.
Gespeist werden Umgebungsmodelle durch
eine Vielzahl von Sensoren. Sie liefern dynamische Informationen, die
beispielsweise mit statischen Geodaten verbunden werden. Dadurch
entstehen detaillierte dynamische Modelle. Ein solch detailliertes und
gleichzeitig globales Umgebungsmodell kann jedoch nicht von einem
einzelnen Anbieter zur Verfügung gestellt werden. Die Vision des
Sonderforschungsbereichs Nexus ist daher ein World Wide Space. Gedacht
ist das Weltmodell als offenes System, in das analog zum heutigen World
Wide Web jeder seine Modelle einbringen kann.
Vom Blindenführer bis zur Fabrik der
Zukunft
Ein solches System besteht aus einer
Vielzahl komplexer Umgebungsdaten, die sich zudem ständig verändern. Ein
Kern der Forschungen bildet deshalb die Entwicklung leistungsfähiger
Modelle, in denen die Daten und Teilsysteme abgebildet und verwaltet
werden können. Eine wesentliche Voraussetzung hierfür ist eine
anpassungsfähige Kommunikationsplattform, die den effizienten
Datenaustausch erlaubt. Ein weiterer wichtiger Bestandteil sind
naturgemäß räumliche Geodaten. Der SFB untersucht hierzu, wie die
unterschiedlichen Geodaten verschiedener Anbieter in ein offenes System
integriert werden können. Zudem wollen die Wissenschaftler Verfahren
entwickeln, um der Veränderungen Herr zu werden, denen Geodaten wie
beispielsweise ein Stadtbild ständig unterliegen. Bisher kann
beispielsweise schon ein Baugerüst vor einer Fassade dazu führen, dass
eine Kamera ein Gebäude nicht mehr erkennen kann.
Ebenso untersuchen die Wissenschaftler
neuartige Visualisierungstechniken, durch die sichtbare Umgebungen eines
Benutzers durch dynamische Informationen des Umgebungsmodells
angereichert werden können (Augmented Reality). Hiervon würden
beispielsweise sehbehinderte Menschen profitieren, für die bessere
Orientierungs- und Navigationshilfen entwickelt werden können. Einen
weiteren Anwendungsbereich bildet die Fabrik der Zukunft, in der mit
Hilfe des Umgebungsmodells Prozesse im produktionstechnischen Umfeld
optimiert werden können. Schließlich widmet sich der SFB
gesellschaftlichen Problemen, die sich mit der Bewertung und Reflexion
von Nexus-Anwendungen befassen. Hier geht es beispielsweise darum, ob
und wie die künftigen Nutzer die im SFB entwickelten Systeme
akzeptieren. Einen weiteren Schwerpunkt bilden in diesem Zusammenhang
auch Fragestellungen des Datenschutzes und der Vertrauenswürdigkeit, um
Persönlichkeitsrechte von Personen zu schützen beziehungsweise
Modelldaten zu bewerten.
Systeme werden intelligenter
Während in der ersten Förderperiode
einzelne beobachtbare Umgebungsinformationen, wie sie von Sensoren
geliefert werden, im Fokus standen, geht es den Wissenschaftlern in der
zweiten Förderperiode um die Gewinnung so genannter höherwertiger
Kontextinformationen. Dabei soll die Aussagekraft der Daten mit Methoden
der künstlichen Intelligenz erhöht werden. So wird künftig ein
Navigationssystem auf Grundlage der Daten aus Umgebungsmodellen erkennen
können, ob es sich bei einer Ansammlung von Autos um einen Stau oder
einen Parkplatz handelt. Ebenso sollen die Rechner in der Fabrik der
Zukunft Unfallsituationen und kritische Maschinenausfälle automatisch
feststellen und entsprechende Reaktionen in Gang setzen. Hierbei spielt
auch die Datenqualität eine wichtige Rolle: Nur vollständige und
konsistente Daten gewährleisten, dass das System Situationen sicher
bestimmt und es nicht zu falschen Reaktionen kommt.
Weitere Informationen bei Prof. Kurt
Rothermel, Institut für Parallele und Verteilte Systeme der Universität
Stuttgart, Tel. 0711/7816 434, e-mail:
Kurt.Rothermel@informatik.uni-stuttgart.de,
www.nexus.uni-stuttgart.de
Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Keplerstraße 7 70174 Stuttgart Tel. (0711) 685-82297, -82176, -82122, -82155
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