Hitzeschild
von Huygens wurde in Stuttgart getestet
Über
zwei Stunden benötigte die Raumsonde Huygens für den Flug durch
die Atmosphäre des Saturnmondes Titan bis sie sanft auf der
Oberfläche landete. Schutz vor den hohen Temperaturen beim
Eintritt in die Atmosphäre erhielt die Sonde dabei von einem
Schild aus Glasschaum, dessen Material im Plasmawindkanal
des Instituts für Raumfahrtsysteme der Universität Stuttgart
getestet und für die Aufgabe qualifiziert wurde. Das war
damals eine große Herausforderung, erinnert sich Prof. Monika
Auweter-Kurtz, da zu Beginn der 90er Jahre, als der Test in
Stuttgart durchgeführt wurde, noch sehr wenig über die
Zusammensetzung der Atmosphäre und die Bedingungen beim Eintritt
bekannt waren.
Der
Schild aus einem Glasschaum wurde von der französischen
Firma Aerospatiale hergestellt, die selber nur über kleine
Plasmawindkanäle, so genannte Hülsenbrenner, verfügte. Diese
Anlagen erwiesen sich allerdings für die Nachbildung des
Eintritts in die Titanatmosphäre in einer Bodentestanlage als
unzureichend. Die Titanatmosphäre besteht zwar zum größten Teil
aus Stickstoff, enthält jedoch auch Methan und einen Argonanteil.
Problematisch für die Nachbildung im Plasmawindkanal ist dabei
das Methan, da es bei der Verbrennung zerfällt und der
Kohlenstoff sich in den Plasmageneratoren absetzt und dort
Kurzschlüsse verursachen und die Anlage zerstören kann.
Die
Stuttgarter Forscher besaßen als einzige ein funktionierendes
Konzept, um den Generator mit Methan auch stationär betreiben zu
können, so dass die Firma Aerospatiale die Qualifizierung schließlich
im Stuttgarter Plasmawindkanal durchführen musste. Plötzlich
musste dann alles sehr schnell gehen, berichtet Auweter-Kurtz,
unter deren Anleitung damals Wolfgang Röck am Institut den
Generator gebaut und die Tests durchgeführt hat. Denn die Anzahl
und Auslegung der Messinstrumente wie Kamera und Mikrofon für die
Sonde konnte erst festgelegt werden, nachdem die benötigte
Hitzeschildmasse bekannt war. Das Gesamtgewicht für Huygens lag
von Anfang an fest, so dass jedes Kilogramm, das am Schild
eingespart werden konnte, für Instrumente genutzt werden konnte.
Anfang
der 90er Jahre, als die Qualifikation durchgeführt wurde, wusste
man noch sehr wenig über die genaue Zusammensetzung der Atmosphäre,
der Methananteil etwa wurde zwischen einem und zehn Prozent
angesetzt. Auch über das Reaktionsgeschehen in der sich vor dem
Schild ausbildenden Plasmaschicht wusste man damals nicht viel,
und daher konnte der Wärmefluss auf den Schild nur grob abgeschätzt
werden. Klar war jedoch, dass sich Kohlenstoff- und
Stickstoffverbindungen und andere Verbindungen mit Kohlenstoff
bilden würden, die sehr intensiv strahlen, so dass auch ein
Strahlungswärmeeintrag berücksichtigt werden musste. Die
damaligen Vorgaben für den Test gingen von relativ zurückhaltenden
Werten aus. In den letzten Jahren vor dem tatsächlichen Start der
Sonde hatte man durch theoretische und experimentelle
Untersuchungen jedoch Zweifel an den damaligen Werten bekommen.
Seit fast zwei Jahren war man daher bei der ESA etwas nervös. Der
Stuttgarter Wissenschaftler Wolfgang Röck hatte sich in seiner
Dissertation mit den Bedingungen des Eintritts und insbesondere
mit der Strahlung des Plasmas befasst. Auf der Grundlage dieser
Arbeit prüfte nun die ESA, ob die Strahlung das Material nicht
doch zu stark schädigen könnte. Wir waren alle erleichtert,
dass es nun so gut geklappt hat, sagt Monika Auweter-Kurtz.
Weitere
Informationen sowie auch Bildmaterial (Hitzeschild, Materialproben
im Plasmawindkanal, den Generator mit Kohlenstoffspuren, etc.)
gibt es am Institut für Raumfahrtsysteme der Universität
Stuttgart.
Kontakt
(Dienstag, 18.1. sowie Freitag, 21.1.)
Prof. Dr.-Ing. Monika Auweter-Kurtz, Institut für
Raumfahrtsysteme, Abteilung Raumtransporttechnologie, Tel.
0711/685-2378, Fax 0711/685-7527
e-mail: auweter@irs.uni-stuttgart.de
sonstige
Zeiten:
Dipl.-Ing. Helmut Kurtz, Tel. 0711/685-2389
e-mail: kurtz@irs.uni-stuttgart.de