Stuttgarter
Uni-Institut koordiniert EU-Forschungsprojekt:
Auf dem Weg zum
emissionsfreien Kohlekraftwerk
Einen
völlig neuen, nahezu emissionsfreien Kraftwerksprozess entwickeln
Wissenschaftler der Universität Stuttgart gemeinsam mit Partnern
aus Forschung und Industrie mehrerer europäischer Länder. Das
Institut für Verfahrenstechnik und Dampfkesselwesen (IVD) der
Universität Stuttgart, das langjährige Erfahrung auf dem Gebiet
der Energietechnik vorweisen kann, koordiniert das von der
Europäischen Kommission mit knapp 1,9 Millionen Euro geförderte
Projekt. Dabei wird Braunkohle verwendet, ein in Europa in großen
Mengen vorhandener, preiswerter Energieträger. Anstatt die Kohle
einfach zu verbrennen, wird sie bei dieser Methode mit Wasserdampf
unter Zugabe von gebranntem Kalk vergast. Der Kalk absorbiert das
dabei entstehende CO2 und wird in Kalkstein
umgewandelt. Je nach zugegebener Kalkmenge ist das entstehende
Produktgas kohlenstoffarm oder gar kohlenstofffrei. Bei
ausreichender Kalkdosierung wird ausschließlich Wasserstoff
produziert, das beispielsweise in heute schon existierenden Gas-
und Dampfturbinen-Kraftwerken nahezu emissionsfrei zu Strom
umgesetzt werden kann: bei der Verbrennung von Wasserstoff
entsteht nur Wasser. Der produzierte Kalkstein wird in einem
zweiten Reaktor wieder gebrannt. Anschließend wird der gebrannte
Kalk erneut in den ersten Reaktor zur CO2-Aufnahme
zurückgeführt; das beim Kalkbrennen entstehende konzentrierte CO2
kann in begrenzten Mengen an die Industrie (Lebensmittelindustrie,
Kühlanlagen, Obstlager) verkauft werden oder in geologischen
Speichern (ausgebeutete Erdöllagerstätten, Aquifere) gelagert
werden. Ob und zu welchen Preisen solche Speichertechniken nutzbar
sind, wird im Moment in Europa und den USA im Rahmen aufwändiger
Projekte untersucht.
Neue Perspektiven für die Braunkohle
Gelingt es, die Entwicklung erfolgreich
voranzutreiben, so kann die in großen Mengen vorhandene und
preiswert verfügbare Braunkohle in Zukunft besonders emissionsarm
und umweltfreundlich verwertet werden. Aus dem heute oft
kontrovers diskutierten Gegensatz von „schmutziger“
Kohletechnologie und „sauberen“ regenerativen Energien könnte ein
sinnvolles Miteinander werden. Während die regenerativen Energien
noch nicht in der Lage sind, den gesamten Energiebedarf zu decken,
kann sich die neue Braunkohletechnik zu dem von Wind- und
Wetterschwankungen unabhängigen und umweltfreundlichen
Stützpfeiler einer sicheren Energieversorgung entwickeln. Mit
einer solchen verlässlichen Basis könnte nach Ansicht der
IVD-Wissenschaftler auch die weitere Verbreitung regenerativer
Stromerzeugungsanlagen vorangetrieben werden.
Auf deutscher Seite an dem EU-Projekt
beteiligt sind das Unternehmen IVE Weimer aus Sindelfingen (Dr.
Thomas Weimer ist der Initiator der Technik), das Zentrum für
Sonnenenergie- und Wasserstoffforschung in Stuttgart, das
Bergbauunternehmen Vattenfall Europe Mining sowie die Universität
Cottbus. Insgesamt sind dreizehn Partner aus sieben europäischen
Ländern vertreten.
Weitere Informationen:
Dr.-Ing. Roland Berger, Leiter der Abteilung
Dezentrale Energieumwandlung, Institut für Verfahrenstechnik und
Dampfkesselwesen der Universität Stuttgart, Pfaffenwaldring 23 ,
D-70569 Stuttgart, Tel. +49-(0)711/685-3492, Fax
+49-(0)711/685-3491, e-mail:
berger@ivd.uni-stuttgart.de sowie unter
www.eu-projects.de/ISCC und
www.ivd.uni-stuttgart.de/.