Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat Prof. Dr.-Ing. Frank
Allgöwer, Direktor des Instituts für Systemtheorie technischer
Prozesse der Universität Stuttgart, den Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis
zuerkannt. Dies hat der Hauptausschuss der DFG heute entschieden. Der
höchst dotierte deutsche Förderpreis, der als "deutscher
Nobelpreis" gehandelt wird, ist mit 1,55 Millionen Euro dotiert.
Frank Allgöwer ist Spezialist auf dem Gebiet der nichtlinearen
System- und Regelungstheorie. Sein Schwerpunkt liegt in der Regelung
technischer Systeme, die heute sehr komplex und dynamisch sind, wie etwa
Energieversorgungsnetze, das Internet und Verkehrssysteme. Er entwickelt
Methoden zu ihrer Analyse und Beeinflussung. Zu den Fortschritten auf
diesem Gebiet im vergangenen Jahrzehnt haben seine Arbeiten entscheidend
beigetragen. Beispielhaft sei hier die Methode der nichtlinearen
prädiktiven Regelung genannt. Mit ihr wird bei Eingriffen in das System
sein zukünftiges Verhalten vorausgesagt, ähnlich wie bei einem
Schachspieler, der stets einige Züge vorausdenkt. Dieser Ansatz war der
erste, der theoretische Strenge mit praktischer Anwendbarkeit verbindet,
so dass das Verfahren mittlerweile Einzug in die industrielle Anwendung
gefunden hat, zum Beispiel in der chemischen Industrie und der
Biotechnologie. Ebenfalls eine Vorreiterrolle übernahm er bei der
Bestimmung der Stärke von Nichtlinearitäten. Der von ihm entwickelte
Ansatz ist heute allgemein als Standard akzeptiert.
Frank Allgöwer, 1962 in Heilbronn geboren, hat an der Universität
Stuttgart Technische Kybernetik und an der University of California in
Los Angeles (UCLA) Angewandte Mathematik studiert und 1996 mit Auszeichnung an der
Universität Stuttgart promoviert. Schon während seiner Promotion - als
wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Systemdynamik und
Regelungstechnik der Uni Stuttgart - hat der frühere Stipendiat der
Studienstiftung des Deutschen Volkes, des Auswärtigen Amtes und der
Fulbright Stiftung eine Forschungsgruppe zu Fragen der nichtlinearen
Regelung aufgebaut. Bereits in jungen Jahren erhielt er Rufe an die
University of California und die ETH Zürich. Er hat sich damals für
Zürich entschieden. 1999 gelang es der Universität Stuttgart, Frank
Allgöwer für die Leitung des neu gegründeten Instituts für
Systemtheorie technischer Prozesse zu gewinnen, nachdem er zuvor ein
attraktives Angebot der Universität Duisburg abgelehnt hatte.
Charakteristisch für Allgöwers Forschungsarbeiten ist eine selten
anzutreffende enge Verbindung zwischen grundlagenorientierten
technischen Betrachtungen und Lösungsvorschlägen für konkrete
technische Problemstellungen. Zudem hat er ein Gespür für interessante
Forschungsrichtungen wie etwa der aus der Verbindung zwischen moderner
Molekularbiologie und Systemwissenschaften entstehenden Systembiologie.
Frank Allgöwer ist dabei, dieses stark interdisziplinär orientierte
Forschungsgebiet an seinem Institut zu etablieren. Seine weiteren
Forschungsinteressen liegen unter anderem in der nichtlinearen und
robusten Regelungstheorie, der Analyse komplexer nichtlinearer Systeme
oder der Anwendung moderner system- und regelungstheoretischer Methoden
in unterschiedlichen Disziplinen.
Insgesamt erhielten zwei Wissenschaftlerinnen und neun
Wissenschaftler mit Dotierungen zwischen 775.000 Euro und 1,55 Millionen
Euro den diesjährigen Leibnizpreis. Die Fördersumme ist für Forschungsarbeiten
in einem Zeitraum von fünf Jahren vorgesehen und kann nach den
Bedürfnissen der Preisträger flexibel eingesetzt werden. Die
Preisverleihung findet am 25. Februar 2004 in der
Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften in Berlin statt.
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