"Strom ohne Widerstand. Hochtemperatur Supraleitung - eine
Entdeckung und ihre Folgen" hat Dr. Johannes Georg Bednorz von der
IBM Research Division des Forschungslaboratoriums in Rüschlikon bei
Zürich seinen Vortrag am Montag, den 15. November beim Universitätsabend
der Universität Stuttgart überschrieben. Für die Entdeckung der
Supraleitung bei relativ hoher Temperatur in einer neuen Klasse von
keramischen Kupferoxiden war Bednorz im Jahr 1987 gemeinsam mit seinem
Schweizer Kollegen Karl Alex Müller der Physik-Nobelpreis zuerkannt
worden. Zu dieser Veranstaltung laden die Universität Stuttgart und
diesmal die Firma IBM als Mitveranstalterin die interessierte
Öffentlichkeit und Vertreter/innen der Medien herzlich ein.
Uni-Rektor Prof. Dr.-Ing. Günter Pritschow und Erwin Staudt, Vorsitzender
der Geschäftsführung IBM-Deutschland GmbH, werden die Gäste begrüßen.
Im Anschluß an den Vortrag besteht - wie immer bei den
Universitätsabenden - Gelegenheit zum Gedankenaustausch bei Wein und
Brezeln.
Zeit: 15. November, 18.00 Uhr
Ort: Stadtmitte, Hörsaal 17.01, Keplerstr. 17
IBM lädt bereits am Nachmittag ab 14.00 Uhr an den Uni-Standorten
Vaihingen (Hörsaal 47.03, Pfaffenwaldring 47) und Stadtmitte (Hörsaal
17.02, Keplerstr. 17) unter dem Motto "Perspektiven" Studierende
der Uni Stuttgart ein, sich vor Ort über Firmenphilosophie und
Berufschancen zu informieren. Angesprochen werden sollen vor allem
Studierende der Informationstechnologien, Betriebswirtschaftslehre und
Computerlinguistik. Unter den Referenten, die unter anderem über das
Unternehmen als Arbeitgeber, e-business, die weltweiten
Forschungsaktivitäten der IBM oder Trends in der Software Technologie
berichten, sind übrigens auch Absolventen der Uni Stuttgart.
Zum Werdegang von Johannes Georg Bednorz
1950 in Neuenkirchen (Nordrhein-Westfalen) geboren, studierte Johannes
G. Bednorz ab 1968 zunächst Chemie, später Kristallographie an der
Universität Münster. Der erste Kontakt zum Züricher
Forschungslaboratorium der IBM im Jahr 1972 im Rahmen eines dreimonatigen
Studienaufenthaltes legte die Grundlage für seine spätere Entscheidung,
in die Schweiz zu wechseln. Bereits für den experimentellen Teil seiner
Diplomarbeit arbeitete er 1974 wieder ein halbes Jahr in Rüschlikon. Nach
einem weiteren Jahr an der Universität Münster wechselte er 1977 zur
Promotion an die ETH Zürich. Wie schon für sein Diplom setzte er dort
seine Untersuchungen zum Kristallwachstum sogenannter Perowskiten, ihrer
Struktur und ihren dielektrischen und ferroelektrischen Eigenschaften
fort. 1982 trat Bednorz in das Forschungslaboratorium der IBM in
Rüschlikon ein.
Gemeinsam mit seinem späteren Nobelpreiskollegen Karl Alex Müller
untersuchte er seit 1983 intensiv hochtemperaturleitende Oxide. Unter
Supraleitung versteht man die Fähigkeit gewisser Materialien, Strom ohne
jeglichen Widerstand zu leiten. 1986 entdeckten Bednorz und Müller nun
Supraleitung in einer bestimmten Klasse von Oxiden
(Lanthan-Barium-Kupferoxid) und sie fanden heraus, daß diese Kupferoxide
bei 35 Kelvin supraleitend wurden. Diese Entdeckung, für die die beiden
Wissenschaftler 1987 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurden, entfachte
weltweit enorme wissenschaftliche Aktivität. Neue Verbindungen wurden
entdeckt und in der Anwendung wurden gewaltige Fortschritte erzielt. Die
wissenschaftliche Arbeit von Dr. Bednorz wurde mit zahlreichen weiteren
Preisen gewürdigt, darunter der Thirteenth Fritz London Memorial Award,
der Dannie Heinemann Prize, der Robert Wichard Pohl Prize, der Hewlett
Packard Europhysics Prize sowie der International Prize for Materials
Research.
Anwendungsgebiete der Supraleitung
Anwendungen der Hochtemperatursupraleitung (HTSL) liegen zum Beispiel
in der Energietechnik: so können HTSL-Kabel bei der Energieversorgung von
Ballungsgebieten mit den herkömmlichen, wesentlich größer
dimensionierten ölgekühlten Kupferkabeln bereits annähernd
konkurrieren. Supraleitende Transformatoren sind im Vergleich zu
herkömmlichen nicht nur effizienter, sondern sie können auch kleiner und
leichter gebaut werden und sind umweltfreundlicher. Auch in Elektromotoren
lassen sich die Kupferkabel durch HTSL ersetzen. Intensiv gearbeitet wird
zur Zeit zudem an der Entwicklung von Strombegrenzern auf HTSL-Basis.