Sein 70. Lebensjahr vollendet am 23. Dezember 1999 Professor Dr.-Ing.
Uwe Faust, emeritierter Direktor des Instituts für Biomedizinische
Technik der Universität Stuttgart. Der gebürtige Hamburger studierte
Elektrotechnik an der Technischen Hochschule Karlsruhe. Im Wintersemester
1969/70 wurde er Direktor des Instituts für Biomedizinische Technik der
Universität Stuttgart, des ersten derartigen Instituts der
Bundesrepublik. Neben seinen Aktivitäten in der Lehre hat Prof. Faust auf
den unterschiedlichsten Gebieten der Biomedizinischen Technik geforscht.
Darunter sind Verfahren zur Knochendichtemessung, die Rechnerüberwachung
von Intensivpatienten oder die Entwicklung einer neuen Technik zur
Kalibrierung von Computertomographen. Ihm gelang eine Klassifizierung
menschlicher Gallensteine und die genaue Beschreibung ihres
Zerkleinerungsverhaltens während der extrakorporalen
Stoßwellenlithotripsie einer damals brandneuen Methode. Ein
telefonisches EKG-Übertragungs-system ermöglichte die regelmäßige
Kontrolle der Funktion von Herzschrittmachern bei Patienten, die dazu
nicht jedesmal einen Arzt aufsuchen konnten.
Das primäre Forschungsinteresse von Prof. Faust galt dem Ultraschall
und seinen vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten. Beispielsweise
realisierte er bereits 1975 eine erste Ultraschallsonde zur Darstellung
von Leber und Pankreas. Er entwickelte unter anderem die
Ultraschall-Transmissions-Computer-Tomographie zur Charakterisierung von
Weichgewebe sowie ein Verfahren zur dreidimensionalen Aufnahme und
Rekonstruktion von Ultraschallbildern.
Mit großem Engagement und Geschick gelang es Prof. Faust, zunächst
Kliniker des Katharinenhospitals, später auch anderer in- und
ausländischer Krankenhäuser, als Partner für seine Forschungsprojekte
zu gewinnen. Diese Art der fächerübergreifenden Kooperation war in der
damaligen Anfangsphase der Biomedizinischen Technik nicht
selbstverständlich, jedoch in einem multidisziplinären Fach, das nicht
nur weit in die Natur- und Ingenieurwissenschaften, sondern auch in die
Medizin hineinreicht, unerläßlich.
Neben seinen Aktivitäten in Lehre und Forschung förderte Prof. Faust
auch die Entwicklung seines Faches. Er war Vorsitzender der Deutschen
Gesellschaft für Biomedizinische Technik und holte deren Jahrestagung,
verbunden mit einer großen Industrieausstellung, mehrmals nach Stuttgart.
Er engagierte sich bei der International Federation for Medical and
Biological Engineering. Prof. Faust war Mitbegründer der European Society
for Engineering and Medicine. Über 20 Jahre lang hat er die deutschen
Interessen der Biomedizinischen Technik bei der Kommission der
Europäischen Gemeinschaften in Brüssel vertreten. Noch heute gehört er
dem Project Review Board der Kommission für den Bereich Life Sciences and
Technologies an. Darüber hinaus war er der erste Vorsitzende des
Dachverbandes Medizinische Technik und wirkte als Gutachter für die
Deutsche Forschungsgemeinschaft, die Alexander von Humbold-Stiftung sowie
das Bundesforschungsministerium.
Prof. Faust hat maßgeblich dazu beigetragen, die junge, jedoch stark
zukunftsträchtige Disziplin Biomedizinische Technik in Deutschland zu
etablieren. Seine Konferenzaktivitäten haben die Bedeutung des Faches in
Stuttgart und seiner Universität weiten Kreisen nahegebracht. Noch nach
seinem Wechsel in den Ruhestand im Jahr 1995, der ihn aber nicht von
weiteren Arbeiten abhält, wurde ihm mit der Wahl zum Founding Fellow der
International Academy of Medical and Biological Engineering eine
wohlverdiente Ehrung zuteil.