Auf der "High Performance Networking and Computing Conference"
(SC99), der international größten Konferenz und Ausstellung für das
Höchstleistungsrechnen, die in diesem Jahre vom 15. bis zum 19. November
in Portland/Oregon stattfand, konnte die Universität Stuttgart ihre
Supercomputing-Kompetenz erneut unter Beweis stellen. Das
baden-württembergische Höchstleistungsrechenzentrum Stuttgart (HLRS)
erhielt auf der SC99, auf der alle namhaften Rechnerhersteller und
Supercomputingzentren der Welt vertreten sind, den "High Performance
Computing Award" für die Anwendungen mit den größten
Herausforderungen.
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Das 1995 gegründete Höchstleistungsrechenzentrum Stuttgart (HLRS) war
bereits zum dritten Mal mit einen Stand auf der Ausstellung vertreten und
hat sich mittlerweile auch international als erste Adresse für
industrienahe Forschung etabliert. Die Auszeichnung wurde der Einrichtung
an der Universität Stuttgart gemeinsam mit Partnern aus den USA und Japan
verliehen. Die international besetzte Jury begründete ihre Entscheidung
vor allem damit, dass es dem HLRS gelungen sei, wirkliches
Höchstleistungsrechnen weltweit verteilt für eine Anwendung nutzbar zu
machen.
Den Schwerpunkt der diesjährigen Veranstaltung bildete das "Metacomputing",
bei dem Supercomputer aus verschiedenen Ländern miteinander gekoppelt
werden, um größere Probleme lösen zu können. Für die besten Projekte
im Höchstleistungsrechnen wurde ein Wettbewerb (HPC Games)
ausgeschrieben, an dem die führenden Gruppen aus USA, Japan und Europa
teilnahmen. Bewertet wurde dabei die erzielte Leistung, die Entfernung der
gekoppelten Rechner und die Reaktionen des Publikums bei den
Demonstrationen.
Die vom HLRS präsentierten Projekte wurden gemeinsam mit dem
Pittsburgh Supercomputing Center (PSC), dem Manchester Computing Center
(MCC/CSAR) und dem Electrotechnical Laboratory (ETL) des japanischen
Ministeriums für internationalen Handel und Industry (MITI)
durchgeführt. Die Supercomputer dieser Zentren wurden gekoppelt, um für
Anwendungen des HLRS und des MCC eingesetzt zu werden. Aus einer Hitachi
SR8000 in Tsukuba/Japan sowie je einer Cray/T3E in Pittsburgh/USA,
Manchester/UK und Stuttgart entstand kurzzeitig durch Kopplung über
schnelle Forschungsnetze ein globaler Metacomputer mit einer
Gesamtleistung von 2,2 Teraflops, der über mehr als 16.000 Kilometer
verteilt war. Damit schlägt dieses System jeden kommerziell verfügbaren
Rechner.
Um die geballte Kraft des Metacomputers anschaulich zu machen, wurde
auf die in Stuttgart entwickelte Visualisierungssoftware COVISE
zurückgegriffen. Mit Hilfe dieser Software können Berechnungen, die in
USA stattfinden, jederzeit in Europa verfolgt und bewertet werden.
Weltweit erstmals können damit Simulationen von mehreren Wissenschaftlern
und Ingenieuren an verschiedenen Orten der Welt gleichzeitig in einer
verteilten virtuellen Umgebung verfolgt, diskutiert und interaktiv
manipuliert werden.
Bei der Präsentation in Portland wurde neben einer
Molekulardynamiksimulation auch das am Institut für Raumfahrtsysteme der
Universität Stuttgart entwickelte Programm URANUS mit einer Berechnung
des Wiedereintritts eines Rettungsfahrzeuges der internationalen
Raumstation (ISS) in die Erdatmosphäre vorgeführt. Die Simulation der
Strömung und der Temperaturverteilung während des Wiedereintritts
umfasste 3,6 Millionen Berechnungszellen, die auf 1536 Prozessoren
verteilt waren. In einer dritten Anwendung wurde die Analyse von
Radioastronomiedaten auf der Suche nach Pulsaren von Stephen Pickles vom
Computer Services for Academic Research (CSAR) in Manchester demonstriert.
Das Höchstleistungsrechenzentrum Stuttgart (HLRS) wurde 1995 an der
Universität Stuttgart als erstes deutsches Bundesrechenzentrum
gegründet. Die vorhandenen Supercomputer und das weltweit anerkannte
Know-how auf dem Gebiet der Simulation komplexer Systeme sowie die in
Stuttgart entwickelten Visualisierungswerkzeuge machen das HLRS zu einem
Zentrum der Forschung im Höchstleistungsrechnen. Die
Anwendungsorientierung der Einrichtung zeigt sich unter anderem in der
Firma "Vircinity", einem Spin-off des Rechenzentrums, das die in
Stuttgart entwickelte Visualisierungssoftware COVISE vertreibt und
gemeinsam mit der Industrie weiterentwickelt. Über zahlreiche Projekte
ist das HLRS auch intensiv mit der industriellen Forschung von Unternehmen
wie DaimlerChrysler und Porsche als Partner für Wissenschaft und
Wirtschaft verbunden.
Kontakt:
Höchstleistungsrechenzentrum Universität Stuttgart, Allmandring 30,
70550 Stuttgart, Michael Resch, Ulrich Lang
Tel.: 0711/685-5834, -5995