Stuttgarter Experiment nach Ariane-Start erfolgreich abgeschlossen
FIPEX mißt auch kleinste Mengen Sauerstoff
Am vergangenen Donnerstag, den 30.10.97 startete die europäische
Trägerrakete Ariane 5 erfolgreich vom südamerikanischen
Kourou zu ihrem zweiten Qualifikationsflug. Zu den ins All transportierten
Satelliten gehörte auch der Forschungs- und Entwicklungsatellit
TEAMSAT, der von Nachwuchsingenieuren unter Anleitung von erfahrenen
Projektingenieuren der ESA/ESTEC in Noordwijk gebaut wurde. Von
diesem technologieorientierten Satelliten aus wurden zahlreiche
Experimente durchgeführt, unter anderem das unter Federführung
des Instituts für Raumfahrtsysteme der Universität Stuttgart
entwickelte und für diese Mission qualifizierte Experiment
FIPEX.
Mit FIPEX kann der verbleibende Sauerstoffgehalt in großen
Höhen der Atmosphäre (zwischen 500 und 1000 km Höhe)
sehr genau bestimmt werden. Bereits vorliegende Auswertungen haben
jetzt erstmals sicher nachgewiesen, daß der in diesen Höhen
in atomarer Form verbliebene Sauerstoff in sehr kleinen Konzentrationen
von ca. 5 Millionen Teilchen pro Kubikmeter vorkommt. Zum Vergleich:
Auf der Erdoberfläche befinden sich die gleiche Anzahl Sauerstoffmoleküle
in einem Volumen von einem Kubikmikrometer. Der Restsauerstoff
ist in diesen Höhen im Weltraum allerdings immer noch für
eine Vielzahl von Effekten verantwortlich, darunter auch die Oxidation
und Erosion von nicht besonders geschützten Oberflächen,
was sich auf die Lebensdauer von Raumflugobjekten und auch
-stationen in diesen Höhen auswirken kann.
Für die Stuttgarter Wissenschaftler und Ingenieure ist der
Erfolg ihres patentierten Verfahrens bei der Generalprobe im Weltraum
besonders wichtig, da ihre Methode auch für den Einsatz auf
der kommenden Internationalen Raumstation vorgesehen ist. In den
nächsten Wochen und Monaten sollen die gelieferten Daten
noch einer genaueren Auswertung unterzogen werden. Die neuesten
Ergebnisse sind auch über Internet abrufbar (http://www.irs.uni-stuttgart.de/
oder http://www.estec.esa.nl/TEAMSAT).
Erste "spin-off" Ergebnisse der bei diesem Experiment
zum Einsatz gekommenen Methode haben ihre Relevanz bereits in
irdischen Anwendungen gezeigt. So können ähnlich gebaute
Sensoren in der Medizintechnik zur genauen Messung der Sauerstoffaufnahme
des Menschen und zur Überprüfung der Reinheitserfordernisse
in der Vakuumtechnik eingesetzt werden.
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