Wüstenrot Stiftung:
Zukunftsmodelle des Wohnens -
Neue Stiftungsprofessur
Unter Dach und Fach ist nun eine weitere Stiftungsprofessur für die Universitaet
Stuttgart: Die Wüstenrot Stiftung wird an der Fakultät Architektur und
Stadtplanung für eine Laufzeit von zehn Jahren eine C 4-Professur für Wohnbau
einrichten. Fakultät und Stiftung haben sich auf ein in die Zukunft weisendes
Profil geeinigt. Mit dem neuen Stiftungslehrstuhl soll die Ausbildung von
Architekten an der Universität Stuttgart auf dem Gebiet des Wohnbaus wesentlich
verbessert, die Lehre auf diesem Gebiet unter Integration aller beteiligten
Fachdisziplinen neu organisiert werden und darin beispielhaft für andere
Ausbildungsstätten in Deutschland wirken. Der Lehrstuhl soll zudem über den
Aufbau von Forschungskapazitäten besonderes Profil gewinnen und der
Wohnbauforschung in Deutschland wirksame Impulse geben. Schwerpunkte in
Lehre und Forschung liegen auf Vorhaben ökonomisch und ökologisch verantwortlichen
Bauens, auf sozial und kulturell innovativen Konzepten des Wohnens
sowie auf Grundlagen der Gebäudelehre, insbesondere des Wohnbaus.
Die neue Stiftungsprofessur geht zurück auf einen Beschluß der Fakultät Architektur
und Stadtplanung, unter Verwendung vorhandener Stellen ein neues
Institut für Wohnen und Entwerfen einzurichten. Verwirklicht werden kann
dieser Beschluß nun mit den Mitteln des Stifters in Höhe von insgesamt 3,95
Millionen Mark. Geplant ist, die C 4-Stelle mit einem Wohnbaupraktiker zu besetzen,
während der Schwerpunkt der C 3-Professur Grundlagen und sozial wissenschaftliche
Aspekte des Wohnens verstärkt auf den historischen Entwicklungslinien
und sozialen Bedingungen liegen soll.
Bundesweit einzigartig
- Dies sei der einzige Lehrstuhl in Deutschland mit einer solchen Widmung und
stelle eine zusätzliche Attraktion für die Stuttgarter Architekturfakultät dar,
betonte Dr. Erich Bracher, Vorstandsvorsitzender der gemeinnützigen Wüstenrot
Stiftung in Ludwigsburg, kürzlich bei der Unterzeichnung des Vertrages in
Stuttgart.
Mit dem nun fälligen Generationenwechsel an der Fakultät Architektur und
Stadtplanung hoffe man auf neue Impulse, erklärte Prof. Dr.-Ing. Werner
Durth, Vorsitzender der Berufungskommissionen. Im Bereich des Wohnbaus,
dessen überlieferte Formen längst von der gesellschaftlichen Entwicklung
überholt worden seien, sei ein "historischer Schritt" erforderlich. Neue
Entwicklungen beim Wohnen, Arbeiten und der Freizeitgestaltung und moderne
Technologien verlangten nach mehr funktionalen Wohnungen. Akzentsetzungen
seien durch das neue Institut auch im regionalen Umfeld zu erwarten, betonte
Durth. "Wir erhoffen uns zudem eine intensivere Beteiligung der Fakultät an
der städtischen Entwicklung", hob Rektorin Prof. Dr. Heide Ziegler hervor.
Forschung intensivieren
"Stuttgart hat jetzt die Chance, die Lehre und die Forschung auch auf dem
Gebiet des wirtschaftlichen Wohnbaus erheblich zu intensivieren", sagte der
Geschäftsführer der Stiftung, Georg Adlbert. Zudem verbessere dies die
Berufsperspektiven: "Wenn sich herumgesprochen hat, daß die Stuttgarter Absolventen
gelernt haben, bei hoher Qualität kostengünstig sowie umwelt- und
sozialverträglich zu bauen und mit zunehmend begrenzten Budgets umzugehen,
braucht man sich um die berufliche Zukunft keine Sorgen zu machen."
Daß die neue Stiftungsprofessur nach Stuttgart vergeben wurde, sei auch dem
"sehr guten Ruf" der Architekturfakultät zuzurechnen, erklärte Dr. Bracher. Die
baden-württembergische Regelung, die Zeit für die Anfinanzierung einer
Stiftungsprofessur auf zehn Jahre festzulegen, habe die Entscheidung für Stuttgart
teurer und somit schwieriger gemacht. In Leipzig, wo die Wüstenrot
Stiftung eine Professur für Grundstücks- und Wohnungswirtschaft finanziert,
betrage die Frist beispielsweise nur acht Jahre.
Beide Professuren werden zeitgleich international ausgeschrieben. Man hoffe,
diese zu Beginn des Wintersemesters 1996/97 besetzen zu können, sagte Dekan
Prof. Dr. Giselher Kaule. Zudem sei mit Unterstützung der Stiftung ein
Symposium zur Richtungsgebung für das neue Institut geplant.
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