Werner Beumelburg

Projektleiter: Prof. Dr. Wolfram Pyta

Mitarbeiter: Dr. des. Florian Brückner

Werner Beumelburg (1899-1963) – Leben und Werk


Der Schriftsteller Werner Beumelburg zählt zu den einflußreichsten Vertretern des “Soldatischen Nationalismus”. Diese literarische Strömung umfasst all jene Dichter der 1920er Jahre, die  militärische Leitvorstellungen wie Kameradschaft, Führertum und Treue in ihren Schriften propagierten und sie als politischen Auftrag aus dem von ihnen literarisierten Fronterlebnis ableiteten. Sie verliehen damit der ursprünglich relativ bedeutungsoffenen Vorstellung von “Volksgemeinschaft” eine soldatische Prägung, welche zugleich einen Anspruch des Frontsoldaten auf politische Führerschaft implizierte.

In historischen Romanen wie Die Gruppe Bosemüller (1930) kultivierte Beumelburg auflagenstark und breitenwirksam den für die Bindekraft des “Volksgemeinschafts”-Modells so wichtigen Topos der Kameradschaft, der links wie rechts des politischen Spektrums angesiedelten Kriegsteilnehmern ein attraktives Interpretament bot, die Weltkriegsjahre nicht allein als verschwendeten Lebensabschnitt zu empfinden. Diese milieuübergreifende Kraft seines Werkes versucht das Projekt rezeptionsästhetisch zu erfassen, um die politischen Implikationen von Literatur aufzuzeigen.

Die biographische Relevanz Beumelburgs speist sich zum einen aus seiner Rolle als “prekäre Figur”. Im Anschluss an Albrecht Koschorke avancieren prekäre Figuren in Zeiten gesellschaftlicher Unruhen und kollektiver Angstphasen zu Katalysatoren politischer Konflikte, die das politische System unterminieren. Auf diese Weise ist die prekäre Figur von besonderem Erkenntniswert, da sich anhand ihrer Inkohärenz, Zufälligkeit und Kontinuität soziale und politische Ordnungsbildungen biographisch rekonstruieren lassen.

Zum anderen richtet sich das Projekt auf den Typus des Intellektuellen, den Pierre Bourdieu  prägnant als ”bi-dimensionales Wesen” bezeichnet hat, das eine ”labile Synthese” des politischen und kulturellen Feldes bilde. Es wird gefragt, ob Beumelburg als Intellektueller in diesem Sinne verstanden werden kann, da er als Paradebeispiel einer solchen Bi-Dimensionalität gelten kann. Nicht nur griff er publizistisch in den 1920er und 1930er Jahren in den politischen Diskurs ein. Nach 1933 in die Akademie für Deutsche Dichtkunst berufen, zeichnete Beumelburg mit zahlreichen Publikationen auch für die Legitimation und Popularisierung der NS-Herrschaftsideologie verantwortlich.

Dennoch kollidierte seine nationalsozialistische Kollaboration biographisch mit seiner preußisch-protestantischen Sozialisation, seiner Homosexualität sowie möglichen Widerstandsaktivitäten seines Bruders Walther, die ebenfalls Gegenstand der Untersuchung sein werden. Beumelburg ist daher mit all seinen biographischen Verwerfungen eine “prekäre Figur”, mit deren Hilfe auch Aufschlüsse darüber erwartet werden können, inwieweit das Kriegsnarrativ im “Dritten Reich” an die Meistererzählungen des Soldatischen Nationalismus anschloss statt eine dezidiert nationalsozialistisch ausgerichtete Literarisierung beider Weltkriege zu favorisieren (Gerd Krumeich). Ein wichtiger Prüfstein zur Beantwortung dieser Frage wird sein, wie stark die literarisch vermittelte Deutung des Zweiten Weltkriegs in personeller wie inhaltlicher Hinsicht auf den ästhetischen und politischen Fundus zurückgriff, den die literarische Deutung des Ersten Weltkriegs etabliert hatte.