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www.free-project.eu

Football Research in an Enlarged Europe
Identity dynamics, perception patterns and cultural change in Europe’s most prominent form of popular culture



1. Das Projekt


Fußball ist der am weitesten verbreitete Sport Europas. Er zählt 62 Millionen Spieler, 224.000 Fußballclubs, 53 Nationalmannschaften und mehrere hundert Millionen von Fans und Zuschauern. Der Fußball ist die wichtigste Ausdrucksform der Populärkultur in Europa, ein kulturelles Phänomen, das Menschen berührt und ihnen erlaubt, Zugehörigkeiten auszudrücken und einen gemeinsamen diskursiven Raum zu erschaffen.
FREE ist ein von der Europäischen Kommission gefördertes interdisziplinäres Forschungsprojekt, das sich mit diesem erstaunlichen Phänomen befasst. Es zielt darauf ab, in interdisziplinärer Zusammenarbeit die kulturellen, politischen und anthropologischen Dimensionen des europäischen Fußballs zu erforschen. FREE basiert auf der Überzeugung, dass Fußball ein bis dato nicht ausgeschöpftes Potential besitzt, europäische Wahrnehmungsmuster und Identitätsdynamiken des 21. Jahrhunderts auszudrücken. Es untersucht auf innovative Weise, inwiefern die Frage nach der Wahrnehmung und Akzeptanz der “Anderen” innerhalb Europas beantwortet werden kann. Dies geschieht anhand ausführlicher Analysen des real existierenden, diskursiv hergestellten, europäischen Kommunikationsraumes, den der Fußball hervorgebracht hat.

Das Projekt, das vom 7. Europäischen Forschungs-Rahmenprogramm unter dem Call” The Anthropology of European Integration” ausgewählt wurde, ist auf drei Jahre angesetzt. Zwischen April 2012 und März 2015 werden acht Tagungen in verschiedenen Städten Europas stattfinden, die sich jeweils mit verschiedenen thematischen Schwerpunkten beschäftigen werden.


 
2. Das Konsortium


Das Konsortium umfasst neun Institutionen aus acht verschiedenen Ländern. Die Koordination des Projekts obliegt der ESSCA École de Management in Angers:

Land

Institution zuständige Person Disziplin
Dänemark Universität Kopenhagen Gertrud Pfister Soziologie
Deutschland Universität Stuttgart Wolfram Pyta Geschichte
England Loughborough University Borja Garcìa Politikwissenschaft
Frankreich Universität der Franche-Comté, Besançon Paul Dietschy Geschichte
Frankreich ESSCA École de Management, Angers Albrecht Sonntag Soziologie
Österreich Universität Wien Alexandra Schwell Anthropologie
Polen Adam-Mickiewicz-Universität, Posen Michal Buchowski Anthropologie
Spanien Universität Valencia Ramon Llopis Goig Soziologie
Türkei Middle East Technical University, Ankara Özgehan Şenyuva Politikwissenschaft

 

  

3. Übergreifende Forschungsziele


FREE will zu einem besseren Verständnis von Fußball als einem in hohem Maße bedeutsamen sozialen und kulturellen Phänomen in Europa beitragen. Das Projekt wendet dabei quantitative wie qualitative Forschungsmethoden an, um zu untersuchen,
- in welchem Maß europäische Fußballgeschichte, transnationale Medienberichterstattung und kollektive Erinnerung einen europäischen Öffentlichkeits- und Kommunikationsbereich innerhalb der EU und über ihre Grenzen hinaus geschaffen haben;
- in welchem Maß Wahrnehmungsmuster durch transnationale Fußballbegegnungen aufgrund stark angestiegener Mobilität von Spielern und Zuschauern Änderungen erfahren und in welchem Maß diese Tatsache es Individuen ermöglicht, ein vertieftes Verständnis ihrer eigenen Identifikationsbedürfnisse zu entwickeln;
- in welchem Maß die zunehmende “Feminisierung” des Fußballs einen neuen Beitrag zur Genderforschung leisten kann und auf welche Weise sich Frauen an nationalen und transnationalen Begegnungen und Diskursen beteiligen;
- in welchem Maß die europäische Fußballgemeinschaft sich der Existenz eines “Europäischen Sportmodells” und der Notwendigkeit, solch ein Modell zu erhalten, bewusst ist.



4. Aufteilung in Arbeitsfelder


Das Projekt ist in folgende sechs thematische Arbeitsfelder aufgeteilt, die jeweils von den  Mitgliedsinstitutionen koordiniert werden:
- zwei Arbeitsbereiche mit einem geschichtswissenschaftlichen Ansatz: einerseits die Geschichte der Europäisierung des Fußballs durch kontinentale Wettbewerbe (Leitung: Universität der Franche-Comté); andererseits die Frage nach dem Beitrag des Fußballs zu einer europäischen Erinnerungskultur (Leitung: Universität Stuttgart).
- zwei Arbeitsbereiche mit einem sozial-anthropologischen Ansatz: Neue europäische Identitätsdynamiken und Wahrnehmungsmuster, mit einem speziellen Fokus auf Ost-West-Beziehungen (Leitung: Universität Wien); sowie der Beitrag des Fußballs zur Genderforschung und zu geschlechterspezifischen Verhaltensmustern in Praxis und Konsum des Fußballs (Leitung: Universität Kopenhagen);
- zwei Arbeitsbereiche mit einem sozial-politischen Ansatz: Zum Einen die Untersuchung  eines europäischen Kommunikationsraumes in der Fußballkultur und seiner spillover-Effekte in den gesellschaftlichen  europäischen Raum (Leitung: Middle East Technical University); zum Anderen die Anwendung neuer Konzepte des “stakeholder empowerment” in der institutionellen Steuerung und Verwaltung (“governance”) des europäischen Fußballs unter besonderer Berücksichtigung der Wahrnehmung des “Europäischen Sportmodells” (Leitung. Loughborough Universität).

Jeder dieser Arbeitsbereiche soll dazu beitragen, die komplexen sozialkulturellen Implikationen des Fußballsports in interkultureller und transnationaler Perspektive neu auszumessen und politikrelevante Empfehlungen für die Zukunft des europäischen Fußballs zu formulieren.
 

 

Call for Papers:
European Football and Collective Memory:
Transnational Media Events
Stuttgart, 22/23 February 2013