Badischer Parlamentarismus

Projektleiter

Prof. Dr. Wolfram Pyta

Wissenschaftlicher Mitarbeiter

Dr. Hans-Peter Becht
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Zielsetzung des Projektes

Das am Lehrstuhl für Neuere Geschichte angesiedelte Projekt „Badischer Parlamentarismus 1819 bis 1870“ ist eingebettet in das Gesamtprojekt „Handbuch der Geschichte des deutschen Parlamentarismus“ , das die Kommission für Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien in Bonn initiierte und koordiniert.

Der Parlamentarismus des Großherzogtums Baden – nicht mehr als ein Mittelstaat im Bereich des Deutschen Bundes – galt den Zeitgenossen als beispielgebend und genoß deutschlandweite Aufmerksamkeit. Das badische Landesparlament – insbesondere dessen Zweite Kammer – zeichnete sich durch eine ganz beträchtliche Entwicklungsdynamik aus, zu der insbesondere die rasche Ausbildung von politischen Parteien und Fraktionen im engeren Sinne beitrug. Daneben trat der badische Parlamentarismus auch durch eine ganze Reihe bemerkenswerter institutioneller Entwicklungen – etwa die erfolgreiche Durchsetzung des parlamentarischen Rechtes auf Genehmigung der Staatsausgaben – und durch zahlreiche Reformen hervor, von denen einige wie etwa die Einführung der Preßfreiheit oder die rechtliche Gleichstellung der Angehörigen aller Konfessionen auf parlamentarische Initiativen zurückgingen. Trotz dieser bedeutenden Stellung der badischen „Landstände“ in den beiden ersten Dritteln des 19. Jahrhunderts ist die Geschichte dieser frühparlamentarischen Institution bislang nur unzureichend aufgearbeitet und erforscht.



Das Projekt zielt auf eine Gesamtdarstellung des Parlamentarismus von den Anfängen im Jahr nach der Verfassungsgebung (1818) bis in die Reichsgründungszeit und gliedert sich gemäß der Gesamtkonzeption des „Handbuchs der Geschichte des deutschen Parlamentarismus“ in zwei Hauptteile, deren erster den Rahmenbedingungen der Parlamentstätigkeit gewidmet sein wird: Vorgeschichte und Entwicklung der Verfassungsordnung, verfassungsmäßiges und praktisches Verhältnis zwischen Erster und Zweiter Kammer, Räumlichkeiten des Parlamentes, Landtagspersonal, Wahlrecht, Wahlen, Wahlkämpfe, Geschäftsordnung, äußere Form der Sitzungen, Kompetenzen (Gesetzgebung, Budgetrecht, Petitionen, Motionen, Anträge/Anfragen), Sozialgeschichte des badischen Parlamentarismus, Entstehung und Entwicklung von Fraktionen und Parteien.

Der zweite Teil wird chronologisch die Geschichte des badischen Parlamentarismus untersuchen: Hier wird es insbesondere um den Wandel im Verhältnis zwischen Parlament und Regierung, um die Veränderungen der Position des Parlamentes im Regierungssystem und um den Bedeutungszuwachs des Parlamentes zwischen 1819 und 1870 gehen. In letzter Konsequenz soll so eine auf die Institution „ Ständeversammlung“ zentrierte politische Geschichte Badens entstehen, die auch alle wesentlichen sozialen, wirtschaftlichen und rechtlichen Aspekte einbezieht.



Auswahlliteratur

  • Hans-Peter Becht: Die badische zweite Kammer und ihre Mitglieder, 1819 bis 1841/42. Untersuchungen zu Struktur und Funktionsweise eines frühen deutschen Parlamentes, Heidelberg 1985. 
  • ders.: Vom Ständesaal zur Revolution? Kontinuitäten und Diskontinuitäten in der badischen Geschichte von von 1815 bis 1848/49, in: Otto Borst (Hrsg.): Aufruhr und Entsagung. Vormärz 1815-1848 in Baden und Württemberg, Stuttgart 1992, S. 44-64 und 450-454. 
  • ders.: Badische Parlamentarier 1867-1874. Historische Photographien und biographisches Handbuch, Düsseldorf 1995 (=Photodokumente zur Gesch. d. Parl. u. d. pol. Parteien, Bd. 3). 
  • ders.: Wahlen und Wahlkämpfe als Auslöser und Indikatoren politischen Wandels in Baden, 1819-1871, in: Gerhard A. Ritter (Hrsg.): Wahlen und Wahlkämpfe in Deutschland. Von den Anfängen im 19. Jahrhundert bis zur Bundesrepublik, Düsseldorf 1997 (=Dokumente und Texte, Bd. 4), S. 17-61.
  • ders.: ‚...alle Klassen der Gesellschaft lieferten ihr Kontingent‘? Überlegungen zur sozialen Basis der revolutionären Bewegung in Baden 1848/49, in: Hans-Peter Becht, Kurt Hochstuhl, Clemens Rehm (Hrsg.): Baden 1848/49. Bewältigung und Nachwirkung einer Revolution, Stuttgart 2002. · Lothar Gall: Der Liberalismus als regierende Partei. Das Großherzogtum Baden zwischen Restauration und Reichsgründung, Wiesbaden 1968.
  • Manfred Hörner: Die Wahlen zur badischen zweiten Kammer im Vormärz (1819-1847), Göttingen 1987 (=Schriftenreihe d. Hist. Komm. b. d. Bayer. Akad. d. Wiss., Bd. 29). 
  • Paul Nolte: Gemeindebürgertum und Liberalismus in Baden 1800-1850. Tradition – Radikalismus – Republik, Göttingen 1994 (=Krit. Studien z. Gesch.wiss., Bd. 102). 
  • Gerhard A. Ritter: Handbuch der Geschichte des deutschen Parlamentarismus. Kommission für Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien, in: Jahrbuch der Historischen Forschung 1975, Stuttgart 1976, S. 63-66.