Dissertationsprojekt

Studien zu den Urkunden Heinrichs (VII.) (Arbeitstitel)

Der Staufer König Heinrich (VII.), der von 1220-1235 als Mitkönig seines Vaters, Kaiser Friedrich II, regierte, fand sein Herrschaftsgebiet vornehmlich im regnum teutonicum, während der Vater seine Ansprüche in Reichsitalien durchzusetzen versuchte.

Aufgrund des Doppelkönigtums entstanden Konflikte, die zur Absetzung und Inhaftierung Heinrichs führten. Diese Entwicklung führte in den zeitgenössischen narrativen Quellen zu einer Übernahme der „kaiserlichen“ Sichtweise und zur Darstellung der Ereignisse als Sieg Friedrichs II. über seinen aufständischen Sohn. Die Forschung folgte diesem Deutungsmuster weitgehend, sodass das Königtum Heinrichs immer vom Standpunkt der späten Niederlage aus betrachtet wurde.

Dieses Dissertationsprojekt beschäftigt sich mit der Überlieferung der fast 550 Urkunden Heinrichs, die in rund 140 Archiven vornehmlich auf dem Gebiet des mittelalterlichen deutschen Reichs liegen. Dieser umfangreiche Corpus wird einer diplomatischen Analyse unterzogen und dabei insbesondere von der Empfängerseite her betrachtet. Denn trotz der in der Forschung negativ bewerteten Regierung Heinrichs (VII.), die zu seiner Absetzung geführt haben soll, stellte er eine außergewöhnlich hohe Anzahl an Urkunden aus, die bis heute in den Empfängerfonds erhalten sind. Dieser Befund schafft aufgrund der einmaligen Situation einen besonderen Ausgangspunkt zur Betrachtung der Wahrnehmung der königlichen Herrschaft durch die Urkundenempfänger. Da die Urkundenausstellung immer auch einen Kommunikationsvorgang zwischen Aussteller und Empfänger abbildet, stehen hier das Verhältnis zwischen Aussteller und Empfänger sowie der Einfluss der Empfänger auf die Gestaltung der Urkunden im Fokus.